Review

Partners beruht auf dem Skript von Paul Chung Shing-Yuen, der einiges Gekonntes an Vorlagen für B - Filme verfasst hat und zumindest eine achtbare Kenntnis im Umgang mit den richtigen Themen und der nötigen Kriterien dramatischer Ökonomie aufweist. Seine Skripte besitzen die ihre Aussagekraft entsprechende Prägnanz, dehnen sich nicht unbotsmäßig aus und wissen um einen standardisierten Spannungsaufbau; auch wenn sie nicht gerade etwas Neues zu erzählen haben. Dabei muss Chung allerdings auch darauf vorbereitet sein, dass er seine Lektüre nicht wirklich von den Grössen künstlerischer Ausgestaltung verfilmt sieht, sondern sie zumeist an die gebräuchlichen Techniker wie Herman Yau [ Nightmares in Precinct 7 ] und Sam Leong [ Explosive City ] weiterreicht; wenn er sie nicht gleich dem Synonym für handwerklich routinierten Durchschnitt höchstpersönlich - Billy Chung [ Esprit D'Amour, The Cheaters, Possessed, Shiver ] - in die Hand drückt.

Hiesig hat der ganz ähnlich agierende Billy Chan Wu-ngai die Hand an der Drehkurbel, so dass man mit einiger Erfahrung im Metier bereits vorher seine Aussagen bezüglich von Aussehen und Qualität des Werkes machen kann, ohne allzu weit daneben zu liegen.
Zwischen Machern und Zuschauer besteht ebenso wie zwischen den Elite - Bankräubern im Film eine getroffene Vereinbarung. Eine konventionelle Norm. Mehr als ein formalisiertes, leider etwas unsorgsames Mediumpaket darf man vom Endprodukt nicht erwarten, sonst wäre man zu enttäuscht. Besteht die Hoffnung einzig auf durchwachsene Unterhaltung mit manchen Makulaturen - wobei es nicht schadet, die drei Hauptdarsteller sympathisch zu finden.

Partners ist die Geschichte einer sonstig wohlgesonnenen Männerfreundschaft, die in Streit eskaliert. Eine Gruppe von Einzelgängern, die ihre Individualität und Spezialität für das höchste Gut halten und sich wenn überhaupt nur mit Professionellen verbinden, die ähnlich denken und arbeiten. Ein Team, dass sich hauptsächlich für eine besondere Aufgabe zusammentut. Ohne eine spezielle Führungskraft. Was erst den Vorteil darstellen soll und sich alsbald zum Nachteil entwickelt, wenn Einer den Kopf zu weit vorsteckt und sich die Anderen übergangen fühlen.
Als die Gemeinschaft der Regeln von Jedem ein bisschen gedehnt und dabei auch schnell klar wird, wer wen für seine Absichten benutzt, ist ebenso deutlich, dass dies nicht lange gutgehen kann.

Der einleitende voice over von Yeung Kwan [ Simon Yam ] rafft das Vorher der Geschichte zusammen. Schwarz / weisse Rückbesinnungen stellen das Nachher und damit das Ende bereits vor. Die Erzählung ist schnell am Arbeiten und bringt die Plotfäden alsbald zum Lodern.
Ex - Armist Yeung Kwan hat sich mit dem Cop A.D. Rick [ Michael Wong ] und dem Gangster Chan Foon [ Eric Tsang ] zusammengetan, um als Gespann von Waffe, Gehirn und Beziehungen die lokalen Banken und Juweliers abzuklappern. Dabei reiste man durch die Länder von Hong Kong über Singapur und Malaysia nach Thailand, wo man sich mittlerweile das nächste Ziel vornimmt.
An ihre Fersen hat sich Inspector Cheung Lap Man [ Mok Ga-Yiu ] geheftet, der auch seinen Spitzel Lee Tin Wah [ Chapman To ] eingeschleust hat.

Der lange Arm des Gesetzes hat allerdings nicht viel zu sagen; die Handlung pendelt im jeweilig festen Radius zwischen Triaden- und Bloodshedkino und nutzt die vorgebenen Regeln der Domäne auch sicher zum Aufbau seines eigenen Skopus. Die inhaltliche Spanne von Loyalität auf der einen Seite und Rebellion bis hin zum Verrat auf der Anderen stellt das Feld für die nunmehrig verheerenden Auswirkungen; ohne auf der Suche nach Werten oder der Auslotung der dunklen Seiten der Seele zu sein. Die Geschichte ist auf den unterschiedlichen Charakteren und ihrem rationalen Denken aufgebaut, ohne dort von der Oberfläche in die Tiefe einer Analyse existentieller Ängste von individuellen Lebens- und Leidensgeschichten steigen zu müssen. Man geht weder bei den Figuren, ihrer persönlichen Vorstellung von Ehre, der kontinuierlich steigernden Kontroverse noch beim Betrachter selber unter die Haut. Die äusseren Gefahren für die widerstreitenden Subjekte dienen auch nur als Beischmückung.

Die Besetzung ist dabei mit das Cleverste und wahrscheinlich auch das Teuerste, was sich die Produktion erlaubt; die im Übrigen eine Weile zögernd zurückgehalten wurde und anders als wohl ursprünglich geplant doch den Kinorelease bekam. Sowohl Wong als auch natürlich Yam und Tsang sind Alpha - Männchen, die weitaus genug Erfahrung und Lehren aus der Vergangenheit mitbringen, um auf den ersten Blick eine lang bestätigte Reputation auf ihre Figuren zu übertragen. Jeder von Ihnen täuscht eine Finanzierung und Marktfähigkeit vor und wirkt als Rollensubjekt von Beginn weg zweckdienlich glaubhaft; auch wenn wirklich gutes Schauspiel auf sich warten lässt.
Dabei ist auch ausnahmsweise mal nicht Geld das leidige Motiv, über dem man sich nicht einig werden kann. Sicherlich haben sie es auch darauf abgesehen, nur ist Rick hierbei viel schwerwiegender in seiner Männerehre verletzt: Chan Foon schnappt ihm ohne sichtbare Schwierigkeiten ein lange umworbenes Mädel vor der Nase weg. Wobei es wohl kaum hilfreich für die Selbstbestätigung des verletzten Ego ist, dass die Dame Chan Foon als "Boss" bezeichnet und Rick und Yeung Kwan demütigend nur als "seine Männer".
Hinzukommt, dass "seine Männer" keine Lust haben, sich auf die Aufwärmung einer alten Revenge ein- und in einen Bandenkrieg hineinziehen zulassen und sich trotzdem schneller dort wiederfinden, als ihnen lieb ist.

Regisseur Chan schwört trotz aller Kürze seiner weit verbreiteten, aber auch nachlässig - ungenauen Begebenheit auf Zeitlupen als auffälligstes Merkmal der Akzentsetzung. Stilistisch bewegt man sich wie das Material auch tradiert im Genre: Schwarze Anzüge, Sonnenbrillen, glänzende Schusswaffen. Hinzu kommt im neuen Jahrtausend das Spiel mit Licht und Schatten; warme, helle Sonne der tropischen Klimazone wechselt sich mit harten Konturen während Nacht und Regen ab, wobei man die geschaffenen Standbilder sehr oft als Cover für ansonsten höchstens glimmende Emotionen einsetzt. Erklärende Monologe oder Dialoge benötigt man selten; man lässt ganz einfach das Simple an Handlung und Umgebung für sich sprechen. Der bis 2002 noch eher rar benutzte Schauplatz Bangkoks an der Nahtstelle von Indochinesischer- und Malaiischer Halbinsel sorgt durch seine eigene Lebendigkeit, dem edlen Aussehen und der schillernden Choreographie von Wolkenkratzern, Tempeln, Straßenmärkten und Einkaufszentren gegenüber begrünten Parks und Gartenanlagen für das fremdländisch - exotische Flair ausserhalb des totfotographierten Hong Kongs. [Den Trick der Aussiedlung zum Nachbarn haben u.a. auch A War named Desire, Cold War, Runaway und Exiled gewinnbringend zu ihrem Vorteil genutzt.]

Die Machtprobe zwischen willensstarken Persönlichkeiten scheitert mit zunehmender Laufzeit - die gerade mal seine 80min erreicht - vor allem daran, dass sowohl Substanz als auch Konturen niemals Tiefe oder Schärfe erlangen, sondern über die Optik allein nicht hinauskommen. Das Meiste spult sich trotz einiger Momente einfach nur so ab; das Wenige an wirklich Positivem hat keine Möglichkeit, sich auf Dauer im Vordergrund zu halten. Grösster Schwachpunkt sind neben der grausamen russischen Oper auf der Tonebene dann aber vor allem die ungepflegten Actionszenen, die zwar in der Quantität problemlos ihr Soll erfüllen, aber in der Ausführung zuviel Ideen auf einmal haben und diese niemals umzusetzen vermögen: Ein shoot 'em up unter Einfluss der Lichtorgel wäre gern so etwas wie Time & Tide, wobei Yams botanischer Alleingang durch eine gegnerische Gang Phantom Kommando auf Speed darstellt. Während man bei beiden Sequenzen durch sorgloses Gewackel der Kamera und Schnittakkord schon arge Not hat, den Abläufen zu folgen und zumindest ein bisschen Dynamik zu erhaschen, möchte der Showdown ausser Mündungsfeuer und herabfallenden Patronenhülsen gleich Alles dem Betrachter vorenthalten. Schönen Dank noch dafür.

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