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Mary Mason (Katharine Isabelle) ist eine strebsame Chirurgie-Studentin. Aus finanziellen Engpässen getrieben versucht sie in einem Stripclub anzuheuern. Als Tanz- und Animierdame kann Mary Betreiber Billy (Antonio Cupo) nicht beeindrucken. Schnell aber stellt sich ihr chirurgisches Talent als überaus nützlich heraus. Über den Striptease-Schuppen gelangt Mary an ein paar Aufträge, welche sie an die Grenzen von Moral und Schönheit stoßen lassen…

AMERICAN MARY ist ein beinharter Ausflug ins „Body Modification“, eine sehr spezielle Fetish-Szene, der Piercings und Tattoos bereits zu langweilig geworden sind. An der Tagesordnung stehen hier Zungespalten, Amputationen, Implantate und Genitalverstümmelungen. Mary, die als gelehrige Musterschülerin, ihr Handwerk natürlich bestens beherrscht, finanziert sich durch etwas Schnibbel-Schwarzarbeit Studium und Lebensunterhalt. Zu ihrem Kundenkreis zählt eine menschliche Schaufensterpuppe mit einer Haut wie Plastik. Ihr entfernt Mary zu dekorativen Zwecken Nippel und Schamlippen, damit die Lady ihrem androgynen Himalaja ein Stück näher kommen kann. Aber auch Dozenten, die sexuell aufdringlich werden, kommen in den Genuss von Marys Kunst.

AMERICAN MARY ist die kranke Kopfgeburt der Soska Sisters, einem kanadische Zwillingspaar, das hier nicht nur Drehbuch und Regie übernahm, sondern auch zwei Rollen im Film selbst bekleidet. Die zwei Schwestern spielen sinnigerweise ein Geschwisterpaar, das den Zustand ihres körperlichen Getrenntseins nicht mehr ertragen und sich deshalb aneinander nähen lassen möchte.
Die Hauptrolle der bildhübschen Mary spielt die über jeden Zweifel erhabene Katharine Isabelle (GINGER SNAPS, INSOMNIA, 13 EERIE), die mit ihrer Performance tatsächlich Killerärzten wie Herbert West und Dr. Giggles das Wasser reichen kann. Mehr noch: Durch den authentischen Bezug und die harsche, nicht aber zwangsweise übertriebene Darstellung von Gewalt, wirken ihr Charakter und dessen Schicksal im Grunde „in der Realität möglich“ und, in Folge dessen, beängstigend. In einer Nebenrolle untergebracht das Gothic-Model Tristan Risk, die auf völlig kaputt operiert und Alptraum-Barbiepuppe gestylt ist.
Der Film unterhält 1A. Wäre nur zu beanstanden, dass er sich dramaturgisch nicht konsequent genug durchsetzt. Auch fehlt ein roter Faden und der Plot verliert sich oft in Nebenhandlungsschauplätzen.

“I Feel Like Doktor Mengele heute Abend.”
– Marys deutschstämmiger Assistent

Fazit:
AMERICAN BEAUTY goes „Bagel Head“ – Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Über diesen extremen Trip, der das Verständnis von Schönheit und Schmerz auf den Kopf stellt, aber eigentlich nicht. Gespaltener Daumen mit Stachel-Implantat und Nageltattoo nach oben!

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