Inhalt (Original-Fassung):
Hongkong 1973. Der junge John (Wang Chung) arbeitet hin und wieder in Gelegenheits-Jobs, wenn er nicht gerade wieder in eine Schlägerei verwickelt ist, und Ärger mit der Polizei hat.
Er, der ein excelenter KungFu-Fighter ist..., er gab das Training auf..., und gilt auch in seinen Kreisen als Außenseiter.
Die Ehe seiner Eltern ist zerrüttet..., der Vater (Lu Ti) schlug einst seine Frau, John´s Mutter. Doch John, der gerade wegen einer weiteren Auseinandersetzung seinen Job als Bote einer Gar-Küche verlor, lebt noch bei seinem Vater..., und das Verhältnis der beiden ist äußerst angespannt...!
John hat eine gute Freundin..., die aparte Elaine (Lily Li)..., doch auch sie kann ihm nicht Halt geben, und wirkt hilflos.
Sein Vater hat einen Job..., er arbeitet als Wachmann nachts im Warenlager einer Industrie-Anlage. Wichtigste Arbeits-Grundlage ist hierbei ein Schlüssel-Bund welches in einem Tresor mit Nummern-Kombination lagert.
An dieses Schlüssel-Bund wollen die Schläger um den feisten Big Sean (Fan Mei Sheng) und dem behinderten Cripple (Shek Tien)..., welche für den Gangster-Boss Lam (Tung Lam) arbeiten. Diesem ist John bei einer Schlägerei bereits aufgefallen....
So wird John von den Schlägern bearbeitet..., doch er weiß sich zu wehren, und weigert sich beharrlich. Aber nach einer Schlägerei mit dieser Bande...., landet John wieder bei der Polizei. Und sein Vater weigert sich diesmal..., den Sohn schon wieder rauszuhauen und per Kaution auszulösen!
Dies ist die Gelegenheit für Lam, John in seine Hand zu bekommen. Per Kaution ausgelöst..., erhält John Einlass in die Kreise des Gangsters...., schicke Kleidung, schnelle Autos, Frauen..., und er kann sogar über Lam´s Gespielin Fanny (Betty Pei Ti) "verfügen".
Dafür muss er die Tresor-Kombination in Erfahrung bringen..., und es bleibt ihm überlassen, seinen Vater aus der Sache rauszuhalten, in dem er diesen für den Tag freinehmen lässt, an dem der Coup durchgeführt wird.
John kann sich mit seinem Vater aussöhnen..., und beide wollen an besagtem Abend ins Kino. Doch die Vertretung an diesem Abend ist krank..., und so macht sich John´s Vater auf den Weg zur Arbeit!
John kann dies nicht verhindern...., und will die Gangster aufhalten, jedoch wird er kampfunfähig gemacht...., überlebt nur knapp und kommt ins Krankenhaus!
Sein Vater hingegen wird beim Überfall der Gangster auf das Warenlager nach brutalem Kampf getötet.
John...., er erhält im Krankenhaus die Nachricht vom Tod seines Vaters, und türmt aus dem Hospital.
Sein Weg führt ihn zum Quartier von Big Sean und dessen Leuten in einem Bordell..., und er nimmt blutige Rache.
Dann nimmt John Kurs auf die hochmoderne Wohnung von Lam in einem der Wolkenkratzer Hongkong´s.
Nachdem er alle Schergen beseitigt hat, kommt es zwischen ihm und Lam zum mit äußerster Brutalität geführten Duell auf Leben und Tod.............
Fazit:
"The delinquent"..., so lautet der Original-Titel dieses 1973 von Kuei Chih-Hung und Chang Cheh für die Shaw Brothers gedrehten KungFu-Reißers mit sozialkritischen Elementen, zwischenmenschlichen Dramen und heftigen, brutal-intensiven KungFu-Fights!
Und es ist ein überzeugender, gutklassiger und besonderer Eastern unter dieser Doppel-Regie entstanden..., ein Film der richtig gut gefällt!
Fettverschmierte Münder...., in die Fleisch, Reis oder Nudeln geschoben werden..., alles in Nahaufnahme..., so beginnt "The delinquent". Und eine besondere Kameraführung, inclusive einfallsreich gewählter Blickwinkel und Zooms..., all das gibt diesem Streifen eine gewisse Note..., und fesselt den Betrachter zusätzlich.
Hinzu kommen die ausgezeichneten, intensiven Darstellungen, und die Hintergründe und Örtlichkeiten. Fernab der schicken Studio-Kulissen Shaw´s, wurde hier in den Elendsvierteln der damaligen Kronkolonie gedreht..., inmitten der Hochhaus-Schluchten mit ihren Wäscheleinen auf den Balkons gewaltiger Miets-Kasernen, kleinen Jungs in Feinripp-Unterhemden, Schmutz, Schutt und Wasserlachen, ein Schrottplatz mit verrosteten Metall-Trümmern ist ebenfalls ein Schauplatz.
Das typische Hongkong der 70er...., ein Moloch..., das wird von Cheh und Kuei schnörkellos und ohne Kompromiss eingefangen, und gibt allem eine morbide Atmosphäre.
Auch die Handlanger des villains...., sie leben eher schäbig. Ein billig wirkender Puff dient Fan Mei Sheng, Shek Tien und ihren Schlägern als Unterkunft.
In krassem Gegensatz dazu die Welt des obersten villains, dargestellt von Tung Lam. Eine hochmoderne Wohnung mit allem Komfort in einem der Wolkenkratzer in einem nobleren Viertel der Metropole, schicke Kleidung, teure Sportwagen..., und ein Luxus-Girl (Betty Pei Ti) als Gespielin. Kuei und Cheh lassen die Gegensätze hier knallhart kollidieren.
Inmitten all dessen die menschlichen Dramen. Wang Chung, oft im Schatten der Granden der Shaw Brothers wie Alexander Fu Sheng, Ti Lung, David Chiang oder Chen Kuan Tai stehend, er hat hier die alleinige Hauptrolle inne. Und er spielt diesen zerrissenen Character voller brüchiger Männlichkeit unnachahmlich bravourös! Ein Außenseiter...., unstetig in seinem Dasein..., und obgleich die Männer um ihn selbst kaum einen HK$ auf der Naht haben, ist er außen vor, muss Häme über sich ergehen lassen. Er selbst..., ein Typ zwischen Nihilismus und der Trotzigkeit, doch gegen alles anzugehen..., und Gewalt scheint ihm das einzig opportune Mittel zu sein. Eine der besten Darstellungen Wang Chungs..., für mich seine beste Rolle.
Die Freundin, Lily Li in einer sehr undankbaren Rolle..., sie ist hilflos..., fast nur Staffage.
Lu Ti...., der Vater..., in ihm ist einiges abgestorben...., er will nur irgendwie überleben...., schwankt hinsichtlich seines Sohnes zwischen Verantwortung und Resignation..., so wie der Sohn selbst zwischen diesen beiden Möglichkeiten schwebt.
Drumherum die villains...., unterschiedliche Typen. Fan Mei Sheng, Shek Tien und ihre Männer...., billige Schläger, Handlanger und nur für´s Grobe zuständig. Reich werden sie nicht durch ihre Drecks-Arbeit für Hongkong´s Mafia.
Das sieht bei Boss Tung Lam schon anders aus. Er ist kalt, berechnend..., und den Luxus lebt er aus. Menschen sind für ihn nur Werkzeug..., Tung Lam spielt diese Rolle lächelnd und doch trocken. Eine besondere Performance die er hier bietet.
Quintessenz dieses Streifens ist denn noch die Gewalt..., sie entlädt sich exzessiv.
Für die KungFu-Fights, die hier passend in einem rauen Streetfight-Stil gehalten sind, sorgte choreographisch Lau Kar Leung. Fans wissen, dass er exquisite Arbeit leistet...., und die Fights sind rasant, tempogeladen..., mit hoher Intensität und Brutalität geführt.
Das Finale ist denn auch ein Gewalt-Exzess..., der Hass der Protagonisten bricht sich Bahn, und lässt die Kämpfe ungemein brutal wirken. Natürlich ist das Duell Tung Lam/Wang Chung der finale, exzessive Höhepunkt dieses Eastern.
Lange Rede...., "The delinquent" ist ein herausragender Eastern in modernem Gewand..., dramatisch, irgendwie nihilistisch, realistisch in seinem Ambiente...., mit überzeugenden Darstellern und brutal-reellen KungFu-Fights.
Lohnt sich.....