"Tower Block" glänzt nicht, aber er unterhält. Der Plot ist haarsträubend unrealistisch, aber da kann man mal ein Auge zudrücken, wer soll sich denn heutzutage noch unverbrauchte, originelle und dabei glaubwürdige Thriller ausdenken? Das Verhalten der Eingeschlossenen ist zum Teil ebenfalls unglaubwürdig (keiner denkt an Versorgung, Waffen, Schutzmaßnahmen, und auch die zwischenmenschlichen Geschehnisse sind nicht immer nachvollziehbar), das schmerzt schon eher, wird aber wettgemacht durch die bodenständige schauspielerische Leistung aller Akteure; angenehm, daß die ganz üblen Klischees hier ausgelassen werden (was in einer amerikanischen Produktion sicher anders gewesen wäre), so gibt es nicht den Helden, die Schöne, den Paniker und so fort, und auch wenn Kurtis zuweilen etwas überagiert, drängt sich insgesamt niemand auf, auch hysterisches Kreischen findet kaum statt. Ab und zu lassen sich sogar nett unaufdringlich eingestreute Details ausmachen (z. B. Pauls Unbeholfenheit in puncto Berührungen).
Zwar erweckt kein Protagonist übermäßige Sympathien, Spannung jedoch ist allezeit vorhanden. Die Filmlänge von nicht einmal 90 Minuten ist gut bemessen, und obgleich es nicht übertrieben blutig zugeht, ist ein erfrischend hoher Bodycount festzustellen.
Womit "Tower Block" enorm punktet, ist die Sprache. Seit "Eden Lake" habe ich nicht mehr so unterhaltsames Englisch gehört; das sorgt bei mir schon für eine bessere Beurteilung, als wenn hochschulenglisch oder amerikanisch (oder deutsch) gesprochen würde.
Fazit: So richtig düster oder fesselnd ist dieser Thriller nicht - das wird aber durch solide Schauspielerei und Action ausgeglichen; Freunde von Realismus und Logik sollten nicht zuviel nachdenken, dann macht der Film durchaus Spaß.