Robert De Niro als Psychopath ist ja immer eine sichere Bank, aber er hat schon bessere Vorstellungen abgeliefert als diese relativ harmlose „Taxi Driver“-Variante.
Gil Renard (Robert De Niro) ist riesiger Baseballfan und ist beruflich Messervertreter. Als tickende Zeitbombe hat er schon einige Ahnung von der Ware, die er da unters Volk bringt (böse Omen, lasst nach). Privat sieht die Welt nicht ganz so rosig aus: Die Ehe ist geschieden, der Sohnemann lebt mit Mutter und deren neuem Lebensgefährten zusammen, da haben wir schon die besten Voraussetzungen für eine Kurzschlussreaktion.
Gils größtes Idol ist der Spieler Bobby Rayburn (Wesley Snipes), der jetzt auch für eine Rekordsumme zu Gils Lieblingsteam, den Giants, gewechselt ist. Bobby ist Spitzensportler, doch mit den üblichen Problemen eines derartigen Berufs konfrontiert: Andauernd steht er in der Öffentlichkeit, wird gefragt, ob er sein Geld wert, warum seine Ehe in die Brüche gegangen sei usw. Mit Hilfe seines Managers Manny (John Leguizamo) meistert er auch diese Hürden, wenn auch nicht unbedingt rücksichtsvoll anderen Menschen gegenüber.
Doch beide geraten in die Krise: Gil verliert das Besuchsrecht für seinen Sohn und seinen Job, während Bobby das Pech im Spiel verfolgt. Gil hingegen steigert sich in eine fanatische Verehrung seines Idols herein und beschließt, ihm zu helfen. Zumindest glaubt Gil ihm helfen zu können…
„The Fan“ hat einige sehr gute Ansätze und auch die Umsetzung des Stoffes ist ziemlich ordentlich: Tony Scott taucht den Film in seine gewohnte Bildsprache und wer Freude daran hat, der fühlt sich auch bei „The Fan“ umgehend heimisch. Auch im Bereich Figuren ist „The Fan“ mutig genug, einen ganzen Stall nicht unbedingt sympathischer Figuren auf einen loszulassen: Bobby ist karrieregeil und überheblich, sodass er erstmal einen Dämpfer zur Läuterung braucht, sein Manager eine eiskalte Kodderschnauze sondergleichen und die Reporterin Jewel Stern (Ellen Barkin) mit ihrem losen Mundwerk und ihrer spöttischen Art auch nur wenig besser. Gil als Psychopath hat hingegen auch seine guten Seiten, wie der Film anfangs zeigt, er liebt seinen Sohn, auch wenn er es nicht so richtig ausdrücken kann und als Vater teilweise versagt usw.
Auch die Geschichte gibt einen ordentlichen Standardthriller ab, auch wenn es stellenweise an Innovationen mangelt. So verschlechtert sich Gils Situation zunehmend und er rastet immer mehr aus, so wie „Taxi Driver“ es haarklein vorgemacht hat, die Szenen in den Umkleidungen filmt Tony Scott ähnlich wie in „Last Boy Scout“ (fast identische Kameraeinstellungen). Doch die Story wird teilweise recht spannend in Szene gesetzt, vor allem gegen Ende treibt Tony Scott den Puls der Zuschauer dann noch mal richtig in die Höhe, denn in einigen Momenten ist der Film wirklich sehr intensiv (z.B. wenn Gils Ausbruch kurz bevorsteht und man sich fragt, wie lange er noch normal mit seinen Gesprächspartnern redet). Da kann man über kleine Ungereimtheiten (wie soll die Entführung vonstatten gegangen sein?) und ein paar Logikfehler gerne hinwegsehen, auch wenn man daran schon erkennt, dass „The Fan“ nie das Potential für eine Referenzthriller hat.
Woran der Film letztendlich krankt, das ist jedoch die Tatsache, dass er schlicht und einfach zu lang ist. Die Einführung von Gil und Bobby dauert schon viel zu lange, denn viele Szenen wiederholen sich (z.B. wenn Gil beruflich mehrmals ins Abseits gerät). Auch gegen Ende, als sich das Tempo an sich steigert, gibt es dann einige Längen, z.B. die übertrieben ausgiebige Szene am Strand: Da hat der Zuschauer schon längst begriffen, dass Gil von Bobby enttäuscht ist, aber dennoch gewährt das Drehbuch Bobby noch ein paar Faux Pas Gil gegenüber, damit auch der Dümmste kapiert, was Sache ist.
Immerhin schauspielerisch ist „The Fan“ ziemlich gut gelangen. Robert De Niro macht uns den Psychopathen mit links und auch Wesley Snipes ist eine ordentliche Besetzung für den etwas zickigen Sportler. Ellen Barkin und John Leguizamo gehen zwar eher als Comedic Sidekicks durch, doch ihre Sprüche reizen immer zum Lachen, sodass sie insofern nichts falsch machen. Lediglich Patti D'Arbanville als Gils Ex-Frau Ellen kann man getrost unter der Rubrik Totalausfall verbuchen, da die Frau außer angepisst gucken und heulen nichts draufhat – und das was sie kann, macht sie noch nicht mal gut.
Schlecht oder langweilig ist „The Fan“ sicher nicht, aber letzten Endes ist auch dies hier nur ein Standardthriller ohne große Innovationen, der dank der guten Schauspielerleistungen (Ausnahmen bestätigen hier die Regel) und Tony Scotts Regie etwas über dem Durchschnitt liegt.