" Den Alltag vergess ich, nun erfüllt sich mein Traum.
Mein Team umarm ich, fern von Zeit und Raum.
Die Saison wird eröffnet, das hat mein Vertrauen.
Dieses höchste Gefühl, wie schön drauf zu bauen.
Unsere Helden, sie kehren zurück und der Himmel strahlt blau und klar.
All die Sorgen, sie sind nun vergessen. Dieser Tag krönt wieder ein Jahr.
Die edlen Atlethen auf dem Feld, die Menge im Rausch ist sie eins.
Und ich denk zurück an die Zeit als Kind und ein Herz voller Stolz, es war meins.
Ich bin kein Fan, wie die anderen auch. Ich bin von dem Spiel besessen.
Denn früher stand auch ich auf dem Feld und könnte mich heute noch messen.
Ich schlug den Ball in den Himmel hinein, auf den Schultern wurd ich getragen.
Die Mannschaft war so stolz auf mich, es lässt sich nicht anders sagen.
Als Fan meines Sports opfere ich mich und mein einziger Sohn soll werden wie ich.
Er ist ja so jung und es fehlt ihm noch viel. Das braucht seine Zeit, dann wird es sein Spiel.
Ich bin schon nah dran, dann werd ich es packen. Die Dinge zu klären, ohne Faust im Nacken.
Meinem Team kann ich helfen, und sein Ruhm kehrt zurück.
Es gibt einen Kniff und wir schwimmen im Glück.
Die Spieler meinen, sie spielen nur für sich. Ein Schnitt in mein Herz ist das für mich.
Der Fan ist doch der, der sein Geld hergibt. Sie ernten den Ruhm und werden geliebt.
Die Spieler, sie tun so, aber hören dir nicht zu. Unsere leisen Tränen sind vergessen im nu.
Diese schreckliche Gier, sie widert mich an. Ich mache nen Plan, und befreie uns dann. "
< Ein Fan, Gil Renard>
Die Nennung des persönlichen Sinns im Leben gestaltet sich als durchaus kompliziert, zu individuell, zu differenziert können die Reaktionen bei diesem elementaren Thema von Person zu Person ausfallen. Regisseur Tony Scott, der unter anderem auch für berühmte Hits wie Top Gun (1986), Last Boy Scout (1991) oder True Romance (1993) verantwortlich ist, erlaubt Gil Renard (Robert De Niro) in seinem knapp 2 minütigen nostalgischen Prolog in Gedichtform die eigenen Leitgedanken zu er zählen,diese Eindrücke unterstreicht er musikalisch mit dem emotionalen Main-Title Thema Hans Zimmers und den schwarz-weißbebilderten Kindheitserinnerungen seines primären Hauptprotagonisten. Wie reagiert ein Mensch, dem sukzessive sämtliche Lebensinhalte genommen werden? Wohört "gesundes" Fan sein auf und wo fängt wahnhafter Fanatismus an? Reale Beispiele wie z.B. der Attentat auf die Tennsispielerin MonicaSeles im April 1993 zeigen, das Grenzbereiche nicht immer zu 100% definierbar sind und die Betroffenen selbst sich nicht bewusst sind, dass sie augenscheinlich ein Problem haben.
Scott nimmt sich viel Zeit, die beiden Hauptakteure vorzustellen, so werden die Umstände ausgiebig thematisiert, die zu Gil Renards psychischen Komplettentgleisung führen, berufliche und private Diskrepanzen und eine fast schon blinde Vergötterung von seinem sportlichen Vorbild Bobby Rayburn (Wesley Snipes) verwandeln den von seinem Wesen her gutmütigen Familienvater zueiner tickenden Zeitbombe. Dabei unterstreicht er, dass die an sich unterschiedlichen Charaktäre mit überraschend ähnlichen Problematiken zukämpfen haben, denn auch Rayburns Privat- und Berufsleben verläuft alles andere als optimal. Handwerklich setzt Scott auf für ihn bekannte Stilmittel wie zum Beispiel einem schnellen Schnitt, farbenfrohen und kontrastreichen Bildern, Rückblenden, Zeitlupeneinstellungen sowie einem äußerst abwechslungsreichen aber stimmigen Soundtrack, der mit der überaus gelungenen Optik eine düstere, beklemmende Stimmung und eine in sich aufbauende Spannung erzeugt, dabei verzichtet The Fan überwiegend auf ausufernde Actiondarstellung, eine grafische Gewaltdarstellung wird nur in besonderen Szenen stichpunktartig und unterstreichend verwendet. Zu guter Letzt gelingt es Tony Scott, wie schon bei The Last Boy Scout, eine typisch amerikanische Sportart spektakulär und authentisch auf die Leinwand zu bringen.
Nicht zu vergessen stand Tony Scott neben diesen Attributen aucheine erstklassig besetzte Schauspielerriege zur Verfügung, allen voran Mr.Robert De Niro himself, der die Rolle des Psychopathen mal wieder überwältigend verkörpert. Mit seiner überlegenen Rhetorik und seiner ausdrucksstarken Mimik lässt De Niro den Zuschauer förmlich spüren, dass "the point of no return" unausweichlich näher kommt und gibt ein diabolisch perfektes Schauspiel ab. Von Wesley Snipes verlangt das Drehbuch eine für ihn ungewöhnlich vielschichtige und abwechslungsreiche Performance, da seine Figur einen gewissen Wandel durchläuft, so erkennt er im Laufe des Films auch die gewissen Mechanismen des Profisports und zeigt in anspruchsvollen Momenten, das er Gefühle ebenso überzeugend darstellen kann. Alle weiteren Darsteller agieren ebenfalls auf hohem Nivaeu und tragen mit Ihrer individuellen Leistung zu einem qualitativ hochwertigen Schauspiel bei.
Bei all dem Lob habe ich noch eine, verwertbare Schwäche gegenüber Tony Scott anzumerken. In seinem Bemühen, die beiden Haupfiguren wie oben beschrieben ausreichend vorzustellen, erzählt er manche Handlungssequenzen doppelt und für meinen Geschmack auch ein wenig zu langamtig, hier hätten gezielte Handlungsstraffungen zu einem noch spannenderem Filmerlebnis führen können, letzten Endes ist dieser kleine Makel aber zu verschmerzen. An den amerikanischen Kinokassen ist das aus meiner Sicht unterschätzte, kleine Meisterwerk leider untergegangen, so konnten bei einem Produktionsbudget von ca. 55 Millionen $ nur 18 Millionen $ eingespielt werden und auch die niedrige Bewertungsanzahl auf einschlägigen Filmwebseiten lässt darauf schließen, das der Streifen eher unbekannt ist. Ich aus meiner Sicht spreche hier eine klare Empfehlung aus, wenn ihr den Film irgendwo sieht, kaufen, ansehen und Genießen, 9/10 Punkte, was einer Schulnote von 1- entspricht.