Nach wie vor sind Independent-Produktionen im deutschen Horrorfilmbereich ein zweischneidiges Schwert, denn oftmals leidet die Sache unter einer schlechten Umsetzung oder die Geschichte ist zu plump, um erst gar kein Interesse zu schüren. Regisseur Till Hastreiter macht in beiderlei Hinsicht vieles richtig, nur das Erzähltempo hätte deutlich straffer ausfallen dürfen.
Toby (Peter Gadiot) steht unter der Fuchtel seines fanatischen Vaters, einem Priester. Als er sich heimlich mit seiner Geliebten Kathy trifft, erscheint ein Monster und Katie ward verschwunden. Völlig verwirrt landet Toby für sechs Jahre in einer Nervenheilanstalt. Frisch entlassen beginnt er eine Anstellung als Hauslehrer im Schloss einer alten Dame. Doch seine Schülerin Laura sieht der vermissten Kathy bis aufs Haar ähnlich...
Die Geschichte kommt zwar nur mit einer Handvoll Figuren daher, doch diese sind im Kern recht interessant und gleichermaßen markant in Szene gesetzt. Toby erinnert in seiner leicht ungeschickten, jedoch verschmitzten Art ein wenig an James Franco, Laura erscheint wie ein völlig entrücktes Bienchen, während Butler und Hausmeister Mortimer (Klaus Tange) wie eine Mischung aus verrücktem Wissenschaftler und fiesem Bodyguard daherkommt. Die alte Dame erscheint nach Tobys Ankunft immer weniger alt, wobei der Verjüngungsprozess nur einen Aspekt der wunderlichen Vorgänge im Schloss darstellt.
Und da kommen eine Reihe an Versatzstücken zusammen: Ähnlichkeiten von der klassischen bis zur modernen Vampirgeschichte finden sich in jedem Winkel des Gemäuers, eine Love-Story schwingt natürlich auch mit, hinzu kommen dämonische Anleihen und ein paar Einfälle, die bereits ins Groteske abdriften, etwa, als Toby im Keller auf einen tanzenden Maskenmann stößt, ein gestikulierender Hampel immer wieder auf dem Hof auftaucht oder ein Junge mit Pottschnittfrisur eine Faltfigur in die Kamera hält, welche im Übrigen auffallend souverän und variabel arbeitet, was gleichermaßen auf den ausgezeichneten und sehr genau abgestimmten Score zutrifft.
Leider wird primär durch die Liebesgeschichte immer wieder Drive herausgenommen, zumal die Dialoge oft zu ausladend sind und besonders im Mittelteil kein Fortschritt festzustellen ist.
Die überraschend guten Darsteller können jedoch einiges kaschieren und auch die Effekte befinden sich weit über dem Niveau durchschnittlicher Independent-Filme. Zwar gibt es außer schwarzen Nebelschwaden, einigen Blitzen, Feuereffekten und einem Monster nicht viel zu erhaschen und auch der Blutgehalt ist bis auf einen abgetrennten Kopf beinahe nicht vorhanden, doch demgegenüber punktet die latent surreal anmutende Stimmung, die bis zum etwas zu kurz gehaltenen Finale über dem Ganzen schwebt.
Alles in allem ist Till Hastreiter ein recht ambitioniertes Werk gelungen, welches solide unterhält, nur zuweilen den Fokus aus den Augen verliert. Handwerklich gekonnt bindet er diverse Motive zahlreicher Grusel - und Horrorgeschichten ein und weiß ferner mit überzeugenden Mimen zu punkten. Leider ist seine Geschichte nicht deutlich genug ausgerichtet, um ein breiteres Publikum anzusprechen, doch Freunde stimmungsvoller Gruselfilme, die mit subtilen Einlagen zurecht kommen, sollten einen Blick riskieren.
6,5 von 10