Achtung, der folgende Text spoilert nicht nur den Film, sondern auch ein kleines Stück deiner letzten Gehirnzelle. Wer glaubt, die Resident Evil-Reihe hätte irgendwo noch einen Rest von Logik, Substanz oder Selbstironie – sollte spätestens nach diesem Teil den Glauben aufgeben. Hier gibt's alles: Rückwärtslauf, Plot-Lotterie, Zombie-Kung-Fu und Latex-Outfits aus der Hölle. Und das Schlimmste daran: Der Film meint das alles todernst.
Resident Evil: Retribution aka Resident Evil 5 – Wenn du denkst, es kann nicht schlimmer werden... denk nochmal nach.
Es beginnt – wie könnte es anders sein – mit einem ultracoolen, superstilisierten Rückwärtslauf-Intro, das ganz wichtig und bedeutungsschwanger wirken will. Die Musik passt schon, aber: klar, kurz danach nochmal dieselbe Szene, diesmal in Vorwärts, denn Wiederholung ist King. Die ersten zehn Minuten kann man sich also direkt abschreiben. Außer man steht auf Slow-Mo in Dauerschleife.
Natürlich folgt wieder ein Alice-Monolog für Dummies, damit auch der letzte merkt, was bisher geschah. Danke, Milla. Hatten wir aber schon viermal.
Dann: Jill Valentine. Blond. Böse. Bizarr. Sie sieht aus wie eine gescheiterte Pornodarstellerin auf Mission. Sie und Alice ballern sich minutenlang an, als wären sie beide blind und betrunken – niemand trifft irgendwas. Stimmung: Paintball auf Crack.
Schnitt. Alice wacht auf, irgendwo in einem Haus, mit Carlos als Ehemann und Kind im Schlepptau. Haus, Lächeln, Sonnenschein – bis auf einmal ein Zombie in der Küche steht, wie der Paketbote mit ’nem schlechten Tag. Chaos. Zombies überall. Dachboden-Verbarrikadierung. Dann gehen sie natürlich wieder runter, weil... warum denn nicht? Wer versteckt sich schon gern sicher?
Auf der Straße angekommen – Chaos. Michelle Rodriguez rauscht aus dem Nichts ran wie ein GTA-Charakter und sammelt die beiden ein. Flucht. Autounfall. Ab in die nächste Pappvilla. Kinderzimmer. Schrank. Zombies mit Las Plagas-Gesichtskirmes. Carlos wieder da, diesmal als Zombie. Zack – Alice liegt nackt in einem weißen Raum. What. The. Fuck.
Die Red Queen (neu und nicht verbessert) hat sie offenbar auf dem Radar. Jill labert aus nem Fenster dummes Zeug, während Alice mit Pieptönen beschallt wird, als wäre sie im Gehirnwäschekurs für Fortgeschrittene.
Dann, wie durch ein Wunder: Stromausfall! Escape! Latexanzug-Zieh-Dich-Selbst-Um-Montage! Willkommen zurück, Ilsa aus dem Foltercamp. Die Käfer-gehackten Umbrella-Soldaten stiefeln auch wieder los, weil ohne Strom nix los.
Natürlich gibt’s wieder Todeslaser. Und dann: Willkommen in Tokyo – direkt aus Teil 4 geklaut. Wieder Milla gegen eine Zombiearmee, wieder Slow-Mo, wieder mit maximalem Arschwinkel. Nachladen? Nur wenn’s cinematisch aussieht. #ButtCamDeluxe
Der Kampf ist so übertrieben, dass man sich fragt, ob man aus Versehen Dead or Alive statt Resident Evil eingelegt hat. Danach: nächste Tür, nächster Raum, wieder alles CGI. Willkommen im Testlabor von Umbrella, sagt Ada Wong (wo auch immer die jetzt herkommt). Reden, Kloppen, Wiedersehen mit Wesker per Monitor.
Wesker – ja, DER Wesker, der am Ende von Teil 4 noch halb die Weltherrschaft an sich "fressen" wollte – ist jetzt plötzlich der Gute? Klar. Warum nicht. Logik ist ja eh aus dem Fenster gefallen. Zusammen mit dem Budget für Drehbücher.
Er hat ein Team zur Rettung geschickt. Leon Kennedy dabei. Schlechte Schauspielerwahl, gutes Kostüm. Luther aus Teil 4 ist auch wieder dabei – jetzt auf Wesker-Seite? Klar, weil… warum nicht?
Währenddessen dürfen sich Alice und Ada durch Klone, Zombies und CGI-Pappe kämpfen. Dann kommt der erste Majini Executioner. Nein, warte – diesmal gleich ZWEI davon! Umbrella macht jetzt auf Boss-Rush. Explosionen, Autogeschieße, Zero Schaden bei den Protagonisten – pure Cartoonlogik.
Weiter geht’s mit einem Abstecher nach „Moskau“ – oder wie man es auch nennen könnte: Requisite trifft Google Street View. Die Las Plagas Zombies kommen wieder, diesmal als gepanzerte Militärspacken. Stimmung: Dead Snow trifft Power Rangers.
Alice entdeckt ihre „Tochter“ aus dem Fake-Familien-Setup wieder, lebendig. Klar nimmt sie sie mit. Kaum draußen, tauchen Klon-Rodriguez, Klon-Carlos und Co. auf. Schießerei. Ada bleibt zurück. Alice flüchtet – verletzt. Ada auch. Natürlich.
Ein paar Sekunden später ist man schon in der U-Bahn-Station und trifft sich wieder – Michelle Rodriguez (Klon? Who cares?) ist plötzlich die Babysitterin. Super Licker greift an. Alice im Rolls Royce durch die U-Bahn – James Bond wäre neidisch. Wahnwitzige Moves, Kirmesaction, und der Licker ist tot. Oder auch nicht.
Natürlich kommt nochmal ein Wiedersehen mit dem Monster, daß klaut das Kind, und die Fahrstuhl-Technik fällt aus. Wie immer. Jill und ihre Armee greifen an. Noch mehr Geballer. Noch mehr Quark.
Alice findet die Tochter im Nest des Lickers. Ein Move. Vieh tot. Kind gerettet. Alles easy. Ein Granatengürtel liegt rum. Natürlich. Schnell eingesackt. Wieder zur Truppe. Die ballern noch.
Sprengsätze, Unterwasserbasis, Plotarmor für alle, Klon-Fabrik goes boom, aber niemand stirbt, außer der, der kein Sequelvertrag hatte.
Schnitt: Arktis. Raupenfahrzeug. Eismeer. Schiffsfriedhof. Dann bricht das Eis auf und verdammt nochmal ein U-BOOT taucht auf – mit Jill und Rodriguez als Bossgegner. Wie dämlich will der Film noch werden? Antwort: JA.
Raine spritzt sich Las Plagas, haut Ada um, wird zur Mortal-Kombat-Version von Hulk, Jill fightet gegen Alice. Alice verliert – kurz – aber entfernt Jills Kontrollkäfer. Jill wieder gut. Raine killt Luther. Fast Leon. Alice sauer. Jill wirft Waffe. Alice ballert Eis kaputt. Zombies aus dem Wasser fressen Raine. Wo kamen die genau her? Keiner weiß es.
Finale: Alice aus heiterem Himmel ohnmächtig. Dann im Weißen Haus. Wesker ist jetzt US-Präsident oder so. Gibt ihr wieder den T-Virus, weil... Rettung der Menschheit oder so. Keine Gegenwehr, kein Widerspruch – einfach hinnehmen.
Letzte Szene: Auf dem Dach vom Weißen Haus. Helden gegen CGI-Hölle. Soll wohl Episch wirken – ist aber eher wie ein Schulprojekt in Blender.
Fazit
Resident Evil: Retribution ist wie ein schlecht gemischter Cocktail aus Matrix-Resten, Call of Duty-Cutscenes, Cosplay-Porn und Endzeit-Klamauk – und schmeckt genauso. Handlung? Gibt’s nur auf Zuruf. Charakterentwicklung? Pustekuchen. Aber jede Menge Slow-Mo, Arschkamera, Latex-Uniformen und One-Liner, die so leer sind wie das Gehirn der Drehbuchautoren.
Wenn dieser Teil ein Musikvideo wäre, wäre es zu peinlich fürs Mittagsprogramm. Aber so nimmt er sich leider selbst viel zu ernst – und das macht ihn unfreiwillig umso lustiger.