Review

Die Werke von Stephen King dienen mal wieder als augenscheinliches Vorbild für einen Regieneuling, denn der Erstling vom Kanadier Evan Kelly weist einige Parallelen zu "The Shining" und "Dreamcatcher" auf. Mit einem weniger unausgegorenem Drehbuch hätte es sogar ein gelungener Einstand werden können.

Vor einigen Jahren landete Tyler in der Psychiatrie, als er neben seiner toten Mutter gefunden wurde, wirres Zeug faselte und seine Jugendfreunde angriff. Nun wollen die fünf es zwecks eines Männerwochenendes noch einmal versuchen und treffen in der Blockhütte von einst zusammen. Doch als Tyler ein phosphoreszierendes Areal entdeckt, verändern sich die anfangs lockeren Jungs...

Schnee, Blockhaus am Waldrand und frostige Einsamkeit taugten schon immer für eine bedrohliche Atmosphäre, was Kelly durchaus zu erzeugen weiß. Zwar dauert es eine ganze Weile, bis die Gruppe überhaupt erst auf das übersinnlichen Phänomen trifft, doch bis dahin schürt das Misstrauen gegenüber Tylers vermeintlicher Genesung eine gewisse Spannung bei den Figuren. Als man den nahezu unsichtbaren Korridor zu analysieren versucht, beginnen sich die Jungs bereits zu verändern, was zunächst mit Nasenbluten einhergeht, wobei Ty aufgrund der Psychopharmaka nicht von den Symptomen betroffen ist, wodurch er wiederum zum vagen Sympathieträger aufsteigt.

Die leicht klaustrophobische Stimmung und einige bizarre Verhaltensweisen funktionieren somit eine Weile ganz okay, auch wenn über weite Teile keine Hochspannung erzeugt wird und optische Höhepunkte komplett ausbleiben. Doch mit zunehmender Dauer offenbart das Drehbuch eklatante Schwächen, die mit einer sichtlichen Beliebigkeit einhergehen. Raum und Zeit werden überwunden, Gedankenlesen ist ebenfalls möglich und auch Tote können sich mitteilen, was irgendwann zu einem Wirrwarr führt, dem ein wenig der rote Faden entgleitet.
Die Auflösung fällt demgegenüber relativ schlicht aus, denn bei all den mystischen Andeutungen hätte man sich zum Finale deutlich mehr erhofft.

Dabei bedient Kelly ein grundsolides Handwerk, liefert einige recht stimmungsvolle Außenaufnahmen, bleibt bei den Effekten eher angenehm zurückhaltend und bietet dennoch ein paar kurze, aber effektive Gewalteinlagen. Darstellerisch wird passables Niveau geboten und auch der zurückhaltende Score ordnet sich der zuweilen surrealen Atmosphäre unter.

"Der Übergang" hat seine Momente, welche primär auf der undurchsichtigen Bedrohung und der latent bedrückenden Stimmung beruhen, doch mit zunehmender Dauer wirken einige Ereignisse und Begebenheiten zu wahllos und beliebig aneinander gereiht, wodurch zugleich die Faszination des mystischen Phänomens weicht. Die Prämisse hat zwar ihren Reiz, aber wirklich packend wird sie zu keiner Zeit umgesetzt.
5 von 10

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