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Kevin Costner spielt einen entflohenen Gangster, der auf seiner Flucht einen siebenjährigen Jungen als Geisel. Dieser wehrt sich kaum gegen die Entführung und schnelle entwickelt sich zwischen dem Ganoven und dem Jungen eine Vater-Sohn-Bindung. Aber in Texas Gangster, gespielt von Clint Eastwood, sitzt den beiden aber schon im Nacken.

Nach seinem mehrfach preisgekrönten Western "Erbarmungslos" liefert Clint Eastwood mal wieder eine sehr gute Regie-Arbeit ab, zumal er jahrelang unter der Regie von fähigen Regisseuren wie Don Siegel und Sergio Leone ausreichend Zeit hatte, um sich die nötigen Fertigkeiten anzueignen. Mit seinem Schauspiel- und Regie-Kollegen Kevin Costner konnte er sich zudem einen weiteren sehr guten Darsteller in den Cast holen und liefert so ein rundum gelungenes und amüsantes Roadmovie ab, bei dem eigentlich für jeden was dabei ist.

Der Film kommt ohne lange Umschweife direkt zur Sache und der relativ brutale, aber auch sympathische entflohene Häftling macht sich direkt mit dem Jungen auf den Roadtrip und schon unterhält der Film perfekt und mit ein paar netten Gags und der zunehmend enger werdenden Bindung des Entführers und des Entführten kann Eastwood direkt eine wohlige Atmosphäre aufbauen und mit dieser, stellenweise vielleicht ein bisschen zu kitschigen und glatt verlaufenden Mischung kann das sympathische Filmchen über weite Strecken gut unterhalten. Costners sympathische und rundum gelungene Darstellung ist dabei natürlich sehr wichtig.

Parallel dazu läuft der Handlungsstrang um die Jäger des Duos und hier darf Eastwood als kantiger und sympathischer Texas Ranger, wie er im Buche steht, auch als Darsteller überzeugen und wirft sich mit der ebenfalls gut spielenden Laura Dern in der Rolle einer motivierten Paragraphenreiterin nur so die Bälle zu und so liefert auch dieses sympathische Duo ein paar Momente zum Schmunzeln. Eastwood springt die ganze Zeit über zwischen den beiden Handlungssträngen hin und her und hält dabei das Tempo genau richtig, sodass der Film permanent an Fahrt gewinnt. Wie bei vielen Roadmovies kommen alle Beteiligten in Amerika herum und die verschiedenen Leute, die sie Treffen und die Orte die sie bereisen sind ebenfalls interessant und steigern den Unterhaltungswert permanent.

Kurz vor Schluss gibt es dann eine unvorhergesehene 180°-Wende, die ich nicht vorwegnehmen möchte. Danach ist der Film trotz der weiterhin soliden und routinierten Inszenierung von Eastwood nicht mehr so unterhaltsam wie vorher und da ein bisschen zu offensichtlich und zu wehleidig auf die Tränendrüse des Zuschauers gedrückt wird, ist er schnell überdramatisiert und lebt in den letzten Minuten nur noch vom sympathischen Eindruck in der ersten Hälfte des Films. Das Finale ist dann gekonnt und spannend inszeniert, aber die Mischung aus heiterem und sympathischen Roadmovie und emotionalen Gangsterdrama stimmt leider nicht so ganz, zumal vor allem am Ende die unglaubwürdige Charakterkonstruktion verhindert, dass man nach der Wendung wieder in den Film kommt.

Fazit:
"Perfect World" ist ein rundum sympathisches Roadmovie mit einem bisschen Humor und einem starken Cast, das zum Ende hin leider ein wenig abkippt und mit seinem überdramatisierten Finale zu unglaubwürdig wird, um weiterhin unterhalten zu können. Dennoch ein würdiges Aufeinandertreffen von Clint Eastwood und Kevin Costner.

69%

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