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Es wird immer Diskussionen darüber geben, ob Strafen für verurteilte Pädophile zu lasch sind, wenn zig Taten nachgewiesen wurden und nach dem ersten Freigang nach fünf Jahren direkt das nächste Opfer zu beklagen ist. Der vorliegende Streifen von Autor und Regisseur Chris Sun bezieht nicht nur indirekt Stellung zu dem Thema und antwortet mit knallharter Selbstjustiz.

Derek (Michael Thomson) lebt von seiner Frau getrennt und sieht seine sechsjährige Tochter Georgia regelmäßig. Eines Nachts verschwindet sie allerdings spurlos aus dem Kinderzimmer, kurz darauf wird ihre Leiche am Strand gefunden. Per Zufall entdeckt Derek einige Monate später ein verhängnisvolles Tagebuch und plant ein groß angelegtes Folterszenario...

Nach einem gelungen Einstieg, welcher die familiäre Situation um Derek recht treffend auf den Punkt bringt, folgt ein knallharter Schicksalsschlag, der mit sehr viel Emotion inszeniert ist, da zur bitteren Stunde der Wahrheit lediglich der einfühlsame Score zu hören ist, während sämtliche Stimmen ausgeblendet werden, was gegen Ende bei einer ähnlich gelagerten Szene erneut angewandt wird. Zwischenzeitlich wähnt man sich zwar im Teilbereich des Paranormalen, als Derek Kontakt mit seiner verstorbenen Tochter aufnimmt, doch diese Bindung wird benötigt, um diverse Kompensierungen während der Trauerarbeit zu visualisieren.

Nach rund einer Stunde kommt es schließlich zum Break und der Stoff geht nahtlos zum Folterfilm über, der jenen Begriff mehr als verdient hat und zwischenzeitlich dazu führt, bei angehenden Eingriffen schon mal die Augen zusammenzudrücken oder vielleicht auch nur zur Hälfte hinzuschauen.

Bekannte Anwendungen wechseln sich mit eher neuartigen Methoden ab, wobei der "Kniespalter" schon reichlich schmerzhaft anmutet und auch die Andeutung einer speziellen Analbehandlung nicht nur den Magen zusammenziehen lässt. Hinzu gesellen sich die erstklassigen Effekte, denn wenn da Fingerkuppen mit einem lauten Knacken abgeknipst werden, bewegen sich die restlichen Gliedmaßen durchaus weiterhin und auch die Grundsituation (mit Metallschlingen am Billardtisch fixiert, Kehlenschnitt vollzogen und nur ein Stäbchen aktiviert die Stimmbänder) ist echt fies. Aber: Man soll sich auch nicht an Kindern vergehen, schon gar nicht am eigenen.

Insofern stellt sich im letzten Drittel nur noch die Frage, ob Derek auffliegt, ob sein Folteropfer dabei draufgeht und inwieweit eine emotionale Pointe eingebunden wird, was eher auf kritische Reporterstimmen und einer eindeutigen Einblendung während des Abspanns zurückzuführen ist und dadurch eindeutig Stellung bezieht.
Und da dies ohne die moralische Keule vollzogen wird, ist der Standpunkt in jeder Hinsicht nachzuvollziehen.

Ohne den knallharten Zynismus seitens Derek wären die ganzen Foltereinlagen nur schwer zu ertragen, was die Hauptfigur dabei allerdings auch ein wenig unrealistisch erscheinen lässt, da zu keiner Zeit Selbstzweifel oder Ermüdungserscheinungen sichtbar werden und aus einem liebenden Familienvater und depressiven Trauernden plötzlich ein unbeirrbarer Folterknecht wird, der jeden Moment seines Terrors zu genießen scheint.
Auch die etwas träge Polizeiarbeit und die Einstellung des ermittelnden Detectives ist nicht immer nachvollziehbar, allerdings fällt der finale Ablauf durchaus glaubhaft aus.

Vom teilweise mitreißenden und treffend besetzten Drama zum knallharten Torture Porn, - inhaltlich bewegt sich Chris Sun auf dünnem Eis, doch irgendwie gelingt es ihm, den Kreis am Ende zu schließen und ein entsprechend abgerundetes Bild zu hinterlassen, welches zwar mit einigen logischen Lücken behaftet ist, auf emotionaler Ebene als auch auf Basis von Gewalteinlagen zu überzeugen weiß.
7 von 10

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