Die Inflation von Found Footage Produktionen und reihenweise Machwerken a la "Zombies vs. Krankenschwestern" lassen bei vielen Horror Fans unter uns immer wieder zwischendurch den Wunsch nach guten klassischen Horrorgeschichten und -bildern aufkommen, in denen es wirkliche Atmosphäre und gut getimte und gerne auch deftige Schocks gibt. THE HAUTING OF HELENA bietet von allem etwas, zwar ohne jetzt das Genre neu zu erfinden oder altgedienten Horrorgeaks jetzt nachhaltig das Zahnfleisch zu erschüttern. Aber nicht alles ist voraussehbar und der ein oder andere Moment bringt das Blut des durchschnittlichen Horrorfans sicher in Wallung, auch wenn THE HAUTING OF HELENA eher mehr zu den konservativeren Vertretern seiner Zunft zählt.
Die Geschichte ist die klassische eines neuen Wohnortes, der ein dunkles Geheimnis birgt. Mutter Sophie (Harriet McMasters-Green) zieht mit ihrer kleinen Tochter Helena (Sabrina Jolie Perez) in ein neues Haus ein und nach Verlust des ersten Milchzahns spricht sie von einer Zahnfee die im Schrank ihres Zimmers wohnt und kommt auf unergründliche Gelüste die in der Schule für Probleme sorgen. Die Mutter will diesen Dingen auf den Grund gehen…Anfängliche orchestral-gregorianische Gesänge in leeren Räumen auf dem Weg zu einem mit Blut beschmierten Boden waren zumindest schon mal ein stimmungsvoller Beginn von THE HAUTING OF HELENA (der im Original FAIRYTALE = Märchen, heißt).
THE HAUTING OF HELENA ist jederzeit ansprechend und hochwertig in Szene gesetzt und weit weg von einem Billigprodukt. Der Soundtrack ist nicht überladen und immer entsprechend dominanter wenn sich das Unheil ankündigt. Szenen mit pulsantreibenden Inhalten gibt es genug und auch hier kann kein Mangel verzeichnet werden. Ein im ersten Drittel von THE HAUTING OF HELENA stattfindender Autounfall, bei dem das Fahrzeug unserer Protagonistin von einer Brücke stürzt, zeugt von dieser hohen Qualität und könnte in Bezug auf die außerordentliche Kameraarbeit und des Schnitts auch aus einen High-End Blockbuster stammen. Ab circa Mitte des Films wird aus der gefühlten Bedrohung immer mehr eine reale und die Szenen mit übernatürlicher Beteiligung nehmen zu.
THE HAUTING OF HELENA bedient sich sämtlicher bekannter Elemente dieser Filmgattung und gewinnt dabei nicht gerade einen Innovationspreis. Trotzdem wirkt alles sehr effektiv eingesetzt und mit großem Herzblut für das Genre. So gibt es knarrende Türen, unheimliche Männer warnen vor dem Unheil, Insekten kommen millionenfach zum Einsatz und Wesen kriechen mal eben unter die Bettdecke und sorgen für schaurige Momente, auch wenn einige zentrale Szenen dabei schon im Trailer verraten werden. Manchmal gibt es auch einfach aufbrausende Musik kurz bevor nichts passiert, auch das ist genretypisch. Die Synchronisation ist dabei als gelungen, wenn auch nicht als hochwertig zu bezeichnen.
Die stellenweise benutzte CGI Effekte sind als solche leicht zu erkennen, aber zweckmäßig gestaltet und in Ordnung. Es gibt keine blutigen Höhepunkte im engeren Sinne und THE HAUTING OF HELENA lebt mehr von ihren verstörend angelegten Szenen, bei denen insbesondere die Mutter Sophie sich immer mehr ihres Verstandes beraubt sieht. Insgesamt darf man dem italienischen Beitrag eine solide Leistung bescheinigen, die auch durch das düstere Ende mit Augenzwinkern noch bestätigt wird. Man verpasst nichts wenn man THE HAUTING OF HELENA nicht gesehen hat. Aber ohne große Erwartungen für einen entspannten Grusel ohne Überlänge für zwischendurch ist er mehr als zu gebrauchen.
5,5/10 Punkten