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Die Zahnfee muss erneut herhalten, dieses Mal für einen Horrorstreifen aus Italien, der unweigerlich ein wenig an den "Fluch von Darkness Falls" erinnert. Das Motiv eines gepeinigten Geistes auf der Suche nach Genugtuung ist zwar reichlich abgegriffen, doch die angenehm ruhige Erzählweise entschädigt für manche Schwachstelle der Geschichte.

Sophia (Harriet MacMasters-Green) und ihre Tochter Helena (Sabrina Jolie Perez) beziehen nach der Trennung vom Vater ein altes Appartement, in dem Helena einen alten Kleiderschrank findet. Nachdem sie ihren zweiten Milchzahn verliert, scheint sie wie besessen von dem Gedanken der Zahnfee dienen zu müssen. Mutter Sophia geht der Geschichte des Hauses auf den Grund und stößt dabei auf einen ungewöhnlichen Mordfall...

Ursprünglich ist die Zahnfee ein Fabelwesen mit positivem Hintergrund, da sie der Legende nach Kinder mit einer Münze belohnt, die ihren ersten Milchzahn unters Kopfkissen legen.
Für einen Horrorfilm wäre dies natürlich kontraproduktiv und so wird die zahnlose Dame mal eben zum fiesen Dämon umgedichtet, der allerlei Einfluss auf die junge Helena ausübt.
Die Figurenzeichnungen der wesentlichen Protagonisten gehen in Ordnung, nur die Besetzung ist reichlich unglücklich, da Helena einen überdeutlichen Latina Einschlag hat, während die Eltern rein gar nicht danach aussehen.

Im Positiven fallen hingegen früh die sorgfältige Ausstattung, der variable Score und die treffende Farbgebung mit weitgehend ausgeblichenen Tönen auf. Zwar werden Nahaufnahmen von Skulpturen etwas zu häufig bemüht, doch das effektive Spiel mit Licht und Schatten, als auch die wenigen Effekte können punkten. Das erste Erscheinen der Zahnfee schürt, schon aufgrund der effektiven Kamera leichte Gänsehaut und auch kleine Gruseleinlagen wie ein Insektenschwarm unter der Bettdecke oder von der Decke fallende Zähne sind größtenteils überzeugend in Szene gesetzt.

Leider gibt es gegen Mitte einen Break und einen damit einher gehenden Schauplatzwechsel in eine psychiatrische Anstalt, woraufhin die Geschichte ein wenig den roten Faden verliert und die atmosphärischen Momente rarer werden. Ein paar Gegebenheiten wirken zu konstruiert, andere wie notwendiges Füllmaterial, um auf den finalen Twist hinzuarbeiten, welcher immerhin für eine kleine Überraschung sorgt.

Darstellerisch kann primär Harriet MacMasters-Green mit nuanciertem Spiel und toller Präsenz punkten, da man ihr die besorgte und zugleich arg belastete Mutter zu jeder Zeit abkauft. Sabrina Jolie Perez sorgt mit ihren großen braunen Augen und einigen starren Blicken zumindest für Suspense, während die übrigen Mimen recht treffend besetzt sind und niemand negativ hervorsticht.

Schade nur, dass das Sujet recht angestaubt ist und der Geschichte kaum innovative Aspekte in den Sinn kommen, denn handwerklich wird ein sehr gutes Niveau abgeliefert und auch die wenigen Gruselmomente sitzen überwiegend. Die ruhige Erzählweise und die fast schon altmodische Inszenierung ohne sonderliches Blutvergießen könnten dem einen oder anderen Horrorfreund missfallen, wer jedoch auf Old-School-Grusel steht, könnte sich die Sache mit der Zahnfee mal ansehen.
6,5 von 10

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