Da soll mal einer noch sagen, dass Kiffen sich nicht auf die Psyche auswirkt!
Die genüssliche Inhalation des THCs ist in dem Filmplagiat-Sammelsurium "Communtiy" natürlich nur eine Nebensache und der Aufhänger für das, nennen wir es, ungewöhnliche Verhalten der Rednecks hinter Rudis Resterampenwald. Was aber auch kein Wunder darstellen sollte: Denn man kann Gras nicht nur mit Myrrhe, Holzspänen oder Fliegendung strecken. Nö - man kann schon mit den gewissen Zutaten das Gras heranwachsen lassen (hier in Deutschland nennt man das "Dünger"), damit sich die Wirkung etwas "anders", härter und intensiver anfühlt. Was die Zutaten sind, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten, da sonst schon ein leckerer Spoiler hier stehen würde, der die Unterhaltung ein klein wenig schmälern könnte.
Die Studentin Isabelle (Jemma Dallender) begibt sich mit ihrem Kommilitonen Will (Elliot Jordan) in die Draymen Siedlung, die einen schaurigen Ruf hat: Einheimische Bürger sowie Touristen, die sich in diese Gemeinde verlaufen, verschwinden spurlos und tauchen danach nicht mehr auf. In der Hoffnung, dass sich diese Schauermärchen als guter Stoff für eine Dokumentation eignen, stellt sich als fataler Fehler heraus: Nachdem die beiden Filmstudenten die erste Begegnung zu sehr aggressiven Kindern haben, die scheinbar bei Eltern aufwachsen, die ihre ganz eigenen,grausamen Erziehungsmethoden haben, machen sich schon düstere Vorahnungen breit. Doch der Kontakt mit dem Nachwuchs soll nicht der letzte Schock gewesen sein: In dem Dorf, dass sie betreten haben, herrschen ganz eigene Gesetze eines barbarischen und inhumanen Alltags, der für Isabelle und Will zum größten Alptraum wird...
Der Name ist Programm. Eine Community ist eine Gemeinschaft aus Individuen, die Eigeninteressen und Lebensziele verfolgen, die meist umstritten bzw. in Augen der "normalen" Gesellschaft fragwürdig sind.
Dass Jason Ford mit "Community" sein Debüt auf dem Regiesessel gibt, fällt nicht auf. Der Mann kann es scheinbar. Meine schlimmsten Erwartungen, einen schlechten B-Film mit noch schlechteren Darstellern zu sichten blieben aus.
Ganz im Gegenteil: Nachdem es anfangs noch den Anschein hat, dass man dank der Interviews, rund um die gefürchtete Drayman Siedlung, diesen Film ins Found Footage-Genre stecken kann, beginnt der eigentliche Film im Hochglanzformat mit Will und Isabelle auf ihrer Reise in die Gemeinde. Die beiden Schauspieler gehen in Ordnung, ihre Charakterzeichnung bleibt zwar relativ dünn bis unglaubwürdig (Isabelle), aber dennoch reicht das für einen Streifen aus, der einfach nur seichte Unterhaltungskost im Horrorgenre bieten will. Isabelle hat noch ein kleines Geheimnis, dass sowohl Will wie auch der Zuschauer anfangs nicht kennnt, was jedoch relativ schnell aufgelöst wird, zudem belanglos ist und lediglich den eh schon geringen Bodycount etwas erhöht.
Spätestens bei der Begegnung mit den "zornigen Kindern" (und diese Begegnung kommt sehr früh) steigt die Atmosphäre und erreicht Sphären, die ich diesem Film (auch dank meiner lowen Erwartungshaltung) gar nicht zugetraut hätte. Die Storyline wird immer abartiger, zynischer und schräger, wovon auch die Atmosphäre unheimlich profitiert.
Natürlich klaut "Community" manche Ideen aus anderen bekannten Filmen, doch nach der richtig ersten guten Hälfte kommt dann ein Knick, der mir meine sicher geglaubte 8-Punkte-Wertung zu Nichte gemacht hat.
Nein, es ist keine Wendung die den Film versaut, sondern man merkt ganz einfach, dass der Drehbuchschreiber ansich zwar eine gute Grundidee hatte - dies aber nicht richtig ummünzen konnte, um daraus ein großes Ganzes zu machen. Kurzum: "Community" gehen trotz diverser Parallelen zu bekannten Filmen die Ideen (und die Lichter) aus, wie man den Film weiterführen könnte, worunter ebenfalls die Atmosphäre profitiert. Dieses Mal aber eher im negativen Sinne.
Zusätzlich trifft man zwei Entscheidungen in der Spalte "Charakterentwicklungen", die den Unterhaltungswert schmälern. Auf die eine will ich nicht wirklich eingehen. Nur soviel: Der "Mitfühl"-Faktor wird derbe ausgebremst - und die andere Entscheidung, ist eben der "Transen"-Bonus, auf den man schon im Vorfeld ruhig drauf hinweisen kann. Klar, Rob Zombies 1000 Leichen lassen grüßen - nur zu der verdammt guten ersten Hälfte passt so manche Entscheidung nicht. Und wenn es eine Transe sein muss, dann hätte ich mir nur Woody Harrelson darin vorstellen könnnen. Fragt mich jetzt nicht nach dem "Warum?", aber der gute Woody alleine hätte dieser Rolle die Portion Ernsthaftigkeit geschenkt, die sie dringend nötig gehabt hätte. So wirkt diese Figur unfreiwillig komisch und völlig deplaziert.
Nichtsdestotrotz gehört "Community" nicht zur üblichen DTV-Ramsch- und Trashware. Ein netter Horrorstreifen, der viele Filme zitiert und dank der enttäuschenden zweiten Hälfte leider nicht über den Durchschnitt hinauskommt. Sehr schade. Denn die Grundidee mit der Kifferkomponente (die ja eigentlich nur in Komödien oder Gangster-Filmen ihren Platz findet) hätte viel Potential gehabt.
5/10