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"Bloody Mary" als Online-Version versprüht vom Grundgedanken her durchaus einen gewissen Reiz, doch Jungregisseur Michael J. Gallagher scheitert an dem Anspruch, den Zuschauer ständig auf eine falsche Fährte locken zu wollen.

Ashley ist neu auf dem Campus und hört während einer Party von dem Internet-Phänomen Smiley, einem maskierten Killer, der immer dann auftaucht, wenn ein bestimmter Satz beim Chat dreimal eingetippt wurde. Bei einem Test wird ihr Chatpartner tatsächlich gekillt und offenbar hat es Smiley nun auf Ashley abgesehen...

Genretypisch für einen Slasher beginnt die Geschichte mit einem klassischen Einstiegsmord, der bereits erahnen lässt, dass Splatterfreunde nicht viel Material erhalten dürften, da sich das Ableben im eingeschränkten Sichtfeld des Monitors ereignet, was sich im Verlauf kaum ändern wird. Indes wird Hauptfigur Ashley zwar halbwegs sympathisch eingeführt, doch ihre naive Ader kristallisiert sich recht früh heraus, wobei ein Trauma mit psychischer Störung bereits im Hintergrund brodelt.

Nur leider will bei alledem kein Drive aufkommen, obgleich ein Exkurs in philosophische Gefilde beim Ethik-Unterricht ansprechend ausformuliert ist. Der Killer gerät dabei nahezu in den Hintergrund und wird lediglich durch Ashleys vermeintliche Halluzinationen und Alpträume im Spiel gehalten, diverse Male fokussiert das Geschehen einen anderen möglichen Drahtzieher und bei alledem häufen sich zusehends eklatante Logiklöcher, - noch bevor die eigentliche Auflösung die Spitze an Unwahrscheinlichkeiten präsentiert.

Atmosphäre kommt dabei nur selten auf, etwa, als Ashley nachts allein über den Campus läuft oder ein Aufeinandertreffen in der Bibliothek vielleicht nicht ganz zufällig zustande kommt.
Die Maske des Übeltäters in Form einer eng anliegenden bräunlichen Plastikmaske mit Nähten in Mund - und Nasenbereich bietet im Ansatz zwar eine passable Maskerade, doch auch diese Eigenschaft bleibt weitgehend ungenutzt, da das Drehbuch unentschlossen zwischen Slasher, Psycho-Drama und Cyber-Thriller pendelt.

Auf handwerklicher Ebene wird zwar weitgehend solides Niveau geliefert, doch in manchen ruhigeren Szenen erscheinen einige Kameraperspektiven ein wenig verpeilt, während der zurückhaltende Score rein gar keine Akzente setzen kann. Gleiches gilt für die austauschbaren Mimen, von denen zumindest niemand negativ auffällt.

Positiv anzurechnen ist Gallagher, dass er einige Genreklischees wie den Einsatz nackter Haut außen vor lässt und sich bezüglich der finalen Auflösung ein paar Gedanken gemacht hat, nur eben nicht allzu durchdacht. Denn augenscheinlich wollte er deutlich vom üblichen Slasher abweichen, womit er sich schon rein dramaturgisch völlig verzettelt und die Spannung ab Mitte der Geschichte nur noch auf minimaler Sparflamme zündelt.
Ein paar nette Einfälle liefert der Streifen zwar, doch eine überzeugende Darbietung mit spannenden Momenten sieht definitiv anders aus.
4 von 10

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