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Zwei Jahre nach Teil I des populären Mafia-Epos von US-Regisseur Francis Ford Coppola erschien 1974 die Fortsetzung „Der Pate – Teil II“, erneut nach Literaturvorlage Mario Puzos, der zusammen mit Coppola das Drehbuch verfasste. Empfand ich Teil I zwar als sehr guten, wenn auch vielleicht ein klein wenig überbewerteten Film, hat es mit Sichtung der Fortsetzung, die wohl eine der besten der Filmgeschichte sein dürfte, endgültig „Klick“ gemacht und auch ich bin hoffnungslos der Faszination der von Coppola/Puzo, ihrem Team und ihren Schauspielern erschaffenen Leinwandwelt erlegen.

Damit dürfte ich also zu der Fraktion gehören, die in der Fortsetzung noch einmal einen Qualitätssprung gegenüber Teil I erkennen, in dem Marlon Brando als alternder Don Vito Corleone glänzte. Einen Brando gibt es hier nicht mehr, im Mittelpunkt der Handlung steht nun dessen Filmsohn Michael Corleone (Al Pacino), nach Don Vitos Ableben der neue „Don“, das Oberhaupt der sizilianischstämmigen Mafia-Familie Corleono, die ihre Einnahmen in erster Linie durch die Vormachtsstellung in der Glücksspielbranche bestreitet. Der in Teil I noch Mafia-skeptische Michael hat sich mit seiner Rolle arrangiert und scheint in ihr seine Erfüllung zu finden. Doch der Verteilungskampf tobt auch unter Mafiosi und so ist sein Job kein leichter, denn als er expandieren will, kommt es zu den üblichen Intrigen, zu Verrat, zu Gewalt und Mord – und unversehens findet er sich sogar vor Gericht wieder, während sein Misstrauen vor seiner eigenen Familie nicht halt macht und die Ehe mit seiner Frau Kay (Diane Keaton) den Bach heruntergeht.

In regelmäßigen Rückblenden wird zudem die Geschichte von Michaels Vater, Vito Corleone erzählt, angefangen beim Mord an seiner Mutter über seine Versuche, als junger Erwachsener in New York Fuß zu fassen bis hin zum Beginn seiner Mafiakarriere. Gespielt wird der junge Vito Corleone von Robert De Niro.

Die Konsequenz, beide Handlungsstränge aus der Literaturvorlage für den Film zu übernehmen, funktioniert prächtig und ist vermutlich der Hauptgarant dafür, dass trotz über 190-minütiger Spielzeit zu keiner Sekunde Langeweile aufkommt. Entschieden dazu bei tragen aber auch die grandiosen Schauspieler, allen voran Al Pacino, der seine Rolle als Michael Corleone, der eine charakterliche Entwicklung bis hin zum verbitterten, versteinerten Machtmenschen durchlebt, schlicht perfekt verkörpert. Eine schauspielerische Glanzleistung, wie sie ihresgleichen sucht. Doch „Der Pate – Teil II“ verfügt über eine geradezu verschwenderisch anmutende Auswahl an Schauspielgenies und lässt mit Robert De Niro einen ebenso begeisternden Mimen auf die Zuschauer los. Beide verstehen es in höchstem Maße, der Ambivalenz ihrer Charaktere Ausdruck zu verleihen, ohne jede Übertreibung, besonders im Falle Pacinos sogar eher gegenteilig durch Reduzierung auf eine durch Mark und Bein gehende Mimik. Auch sämtliche Nebenrollen scheinen bis ins Detail hochkarätig und mit viel Feingefühl besetzt und umgesetzt worden zu sein. Eine Idealisierung der Mafia kann man dem Film durch seine Charakterzeichnung nun auch beim besten Willen nicht mehr vorwerfen, denn der persönliche moralische Verfall Michael Corleones ist trotz seiner Subtilität unübersehbar und das Hauptaugenmerk der komplexen, aber trotzdem bereits bei seiner Erstsichtung leichter als noch in Teil I konsumierbaren Handlung. Auch die häufigeren Konfrontationen mit der Welt außerhalb des Mafia-Paralleluniversums, allen voran die aufschlussreichen Szenen der Gerichtsverhandlungen, erhöhen den Realismus und wirken eher entglorifizierend, als dass das Gegenteil der Fall wäre. Die Authentizität der Drehorte und Kulissen, ob nun in Sizilien und New York in unterschiedlichen Epochen, auf Kuba oder in Las Vegas lässt auch diese Fortsetzung absolut zeitlos erscheinen, lediglich der Mut zum ruhigen Erzähltempo und natürlich das Alter ihrer Schauspieler geben Hinweise auf die Entstehungszeit. In gedeckte Farben (in Michael Corleones Zeitebene) bzw. ein farbenfroheres, die Aufbrauchstimmung unterstützendes Ambiente (in den Rückblenden) getauchte Bilder schaffen in Kombination mit der ruhigen, episch-melancholischen Filmmusik von Nino Rota und Carmine Coppola eine den Zuschauer einnehmende Atmosphäre, die ihn in ihren Bann zieht und auch nach dem desillusionierenden, symbolträchtigen „Magic Moment“, der Michael Corleones konsequent zu Ende geführte Selbstaufgabe zeigt, nicht so schnell wieder entlässt.

Das macht „Der Pate – Teil II“ meines Erachtens noch wertvoller als Teil I und zu einem der besten Filme aller Zeiten. Gut drei Stunden Zeit, die sich jeder Filmfreund wenigstens einmal genommen haben sollte.

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