"TEXAS CHAINSAW MASSACRE“. Ob als Kult verehrt oder als Schund verdammt, der Titel hat unter seinen Fans und Kritikern einen elektrifizierenden Klang.
Tobe Hoopers Meisterwerk zeigte vor nun mehr als 38 Jahren Unerhörtes, nie Dagewesenes und inspirierte unzählige Epigonen. Das Original zählt heute zu den Wegbereitern der Slasherszene und genießt zurecht Kultstatus.
Der TCM Kult begann 1974. Hooper war ein junger, ambitionierter Filmemacher und wollte ins Big Business. Im Horrorgenre sah er dabei für sich die besten Chancen. Zwischen Werkzeug-und Fleischwarenabteilung kam ihm seine grandiose Idee: Der Anblick von Kettensägen und Schweineschinken gepaart mit der Geschichte von Amerikas berühmtesten Massenmörder „Ed Gein“, der friedliche Mitmenschen abmurkste um aus ihren Knochen Möbel zu zimmern, reichten Hooper als Vorlage über seine Story von Maniacs, die Teenager zu BBQ verarbeiten. Sein Budget betrug damals lächerliche 160.000 Dollar und sollte ihm für seinen Film grundlegend ausreichen. Ein Garant dafür waren Hoopers Erfahrungen als Dokumentarfilmer, welche dem Film diese unnachahmliche Atmosphäre beschert. Mit dem Aufsehen und finanziellen Erfolg, den der unter Zeit und Geldmangel gedrehte Independent-Film erreichte, hatte niemand gerechnet. TCM wurde zum Inbegriff des Trashfilms und begründete das Genre des Slashermovies maßgeblich mit.
Das Franchise des „Texas Chainsaw Massacre“ umfasst inzwischen sieben Filme, die alle unterschiedlicher in ihrer Qualität nicht sein können. So waren es 2003 und 2006 die Wiederbelebungen durch Michael Bay´s Platinum Dunes Schmiede, welche die Rednecks nach langer Zeit relativ erfolgreich und finanziell gesichert zurückkehren ließen.
Und nun, im Jahre 2012 möchte der US Konzern LIONSGATE ebenfalls mit der Sägenfamilie erneuten Reibach machen und sichert sich die Rechte für den neusten Ableger und möglichen Sequels. LIONSGATE, die mit ihrem SAW Franchise ordentlich Kasse machen, möchten mit dem neusten Ausflug ins TCM Universum, der inzwischen angestaubten Reihe einen neuen Anstrich verleihen und deuteten schon im Vorfeld eine leichte Kurskorrektur an, die eben den „alten“ Fans etwas sauer aufstoßen und die den Film mit fatalen Kritiken in der IMDB abstraften. Doch sind diese negativen Äußerungen gerechtfertigt?
Als Regisseur verpflichtete man John Luessenhop, der solche Actionwerke wie Takers und Lockdown inszenierte und der im Grunde nichts mit dem Horrorgenre oder dem TCM Franchise zu tun hatte. Auch etwas, was Lionsgate als „frische“ Inspirationsquelle erachtete und ihm die Chance gab. Und Luessenhop hat seine Hausaufgaben gemacht.
Texas Chainsaw 3D setzt direkt da an, wo Hoopers 74er Opus endete. Somit ist der neuste TCM Ableger das direkte Sequel zum Original von 1974. Der Film beginnt mit original Rückblenden von Hoopers TCM und zeigt kurz und im optisch passenden Retro-Look die Geschehnisse von damals, bevor die neue Szenerie einsetzt. Nachdem die einzig Überlebende Sally Hardesty dem sägenschwingenden Psycho Leatherface entkommen ist, begibt sich eine Horde aufgebrachter und grenzdebiler Hillebillies zum Haus der „SAYWERS“, welche sich hier nach ihren Taten verschanzt haben. Regisseur Luessenhop ließ hierzu das alte Haus aus dem Jahre 1974 in einer exakten Kopie nachbauen, da das ursprüngliche Haus von damals, heute als Restaurant genutzt wird und nicht mehr zur Verfügung steht. Selbst das alte Interieur wurde bedacht und findet Verwendung, was schon eine Huldigung an die Fans darstellt.
Der alarmierte Sheriff Hooper verlangt von den Sawyers die Herausgabe von Leatherface, doch als jene dieser Aufforderung Folge leisten wollen, fackelt der aufgebrachte Lynchmob von Hillibillies das komplette Haus ab. Alle Insassen sterben im Kugelhagel oder kommen in den Flammen ums Leben. Mit Ausnahme von Leatherface und einem kleinen Baby, welches im Verlauf und gen Ende des Gefechtes von zwei Lynchmob-Teilnehmern adoptiert wird.
Dann springt der Film in die heutige Zeit.
Die attraktive Heather Miller (Alexandra Daddario) erbt von ihrer unbekannten Großmutter ein Anwesen in Texas. Mit ihren Freunden begibt sie sich somit umgehend nach Texas, um ihr neues Domizil zu begutachten und weiss noch nicht, dass im unteren Teil des Hauses, im Weinkeller, bereits schon jemand auf sie und ihrer Gefolgschaft hinter einer Stahltüre wartet. Und somit spitzt sich die ganze Story dann immer mehr und mehr zu, welche mitunter aber auch einige Logiklöcher mit sich bringt. Doch später mehr dazu.
Das Original von Hooper war von 1985 bis 2011 bundesweit beschlagnahmt. Im juristischen Text wurden damals Sachen beschrieben, die jedoch im Film überhaupt nicht vorkamen, sondern lediglich angedeutet wurden, aber Grund genug für eine (aus heutiger Sicht absolut unnötige) Beschlagnahme waren. Es spielte sich damals eben alles im Kopf des Betrachters ab, also großes Kopfkino, was dem Film seinen beachtlichen Status einbrachte.
In Texas Chainsaw 3D hingehen, muss sich niemand dem Kopfkino hingeben. Es gibt kaum eine Szene, wo die Kamera mal nicht frontal draufhält. Da werden mal eben Leute an den obligatorischen Fleischerhaken aufgespießt und mit der Säge durchtrennt, Gliedmaßen werden abgetrennt und auch sonst geizt man nicht mit Kunst und CGI Blut.
Bei aller graphischen Gewalt muss man aber auch konstatieren, dass die Morde nicht die Intensität eines TCM-The Beginning erreichen. Das liegt zum einen an den eher mauen Charakteren, mit denen man ohnehin keine Sympathie assoziieren kann, als auch an den Morden selbst, die eben ohne große Ankündigung recht schnell, aber blutig abgespult werden. Das ist aber nicht zwingend ein negativer Aspekt, denn hier wird der Name „Massacre“ auch endlich nach langer Zeit mal wieder ins rechte Licht gerückt.
Etwas blass hingegen sind jedoch die Darsteller, die jetzt allesamt nicht die übermäßigen Sympathieträger sind. Lediglich Alexandra Daddario entwickelt sich in ihrer Rolle der Heather Miller, auch wenn man beim betrachten ihrer stattlichen Oberweite munkeln kann, dass sie wohl nicht NUR wegen ihres Schauspieltalentes die Rolle bekommen hat.
Dreh und Angelpunkt eines Texas Chainsaw Movies ist natürlich der Charakter des Leatherface, der hier etwas ausgearbeitet wurde. Dan Yeager macht seine Sache mehr als amtlich und punktet zudem mit seiner physischen, enormen Präsenz und tritt somit nahtlos in die Fußstapfen eines Gunnar Hansen, der eben im Original den Leatherface mimt und auch hier einen Gastauftritt hat.
Zu den Logiklöchern. Der Film setzt da an, wo Hooper 1974 aufhörte. Nach den Geschehnissen befinden wir uns im Zeitalter von Flatscreens und Co, somit im aktuellen Zeitalter. Heather müsste demnach an die 40 Jahre alt sein. Im Film ist sie aber gerade mal ende 20. Jedoch finden wir auch Querverweise und Hinweise, dass dies eben nicht so sein muss. So befindet sich Heather in einer Szene an dem Grabstein Ihrer leiblichen Mutter. Der Stein zeigt nur noch das Jahr 19....der Rest wird von grünem Gestrüpp verdeckt, so dass man mutmaßen kann, dass die Geschehnisse eben nicht unbedingt knapp 40 Jahre her sein müssen. Aber das sind eben nur Spekulationen.
Aber wieso kommt der Film bei einem Großteil der loyalen Fanbase so schlecht weg? Das lässt sich nur damit erklären, dass man die neue Ausrichtung des Films ab dem letzten Drittel nicht nachvollziehen möchte/kann, dabei ist das noch nicht einmal so wahnsinnig neu. Wer nicht wissen möchte, was es damit auf sich hat, der möge bitte diese Zeilen überspringen und zum Fazit des Films schwenken.
Heather erfährt, was damals wirklich passiert ist. Sie findet heraus, dass Leatherface ihr einziger noch lebender Verwandter ist, Ihr Cousin. Und somit wird auf einmal schnell klar, dass eben nicht Leatherface der BÖSE ist, sondern der inzwischen zum Bürgermeister aufgestiegene Burt Hartman, der damals den Lynchmob anführte und für das Ableben der Sawyers verantwortlich ist. Heather wird im späteren Verlauf derweil noch klar, in Form eines Briefes der Großmutter, dass Ihr Cousin Leatherface im Grunde ein guter Familienmensch ist, der nur das Haus und die Familie beschützen möchte. Und fortan sieht man, das sie und Leatherface, der im Film jedoch nur den richtigen Namen „Jed Sawyer“ trägt und niemals Leatherface , als Familie zusammenleben und somit den Grundstein für weitere Sequels gelegt haben.
Leatherface als guter Familienmensch? Das war zuviel für einen Großteil der Fans, dabei wurde dies in den anderen Teilen doch schon vorher erkenntlich.
Was lässt sich als Fazit denn nun ziehen? Der neue Texas Chainsaw rockt absolut das Haus. Logiklöcher gibt es, gerade im Horrorgenre zuhauf, da erfindet Texas Chainsaw jetzt nichts grundlegend neues. Also kein Grund, dieses dem Film als Manko anzulasten. Optisch ist der Film deutlich roher und endlich wieder etwas „back to the roots“ und somit deutlich in den späten 80igern verwurzelt. Und auch sonst fühlt er sich eher an wie ein „My Bloody Valentine 3D“, ohne aber das Texas Flair zu vernachlässigen. Der Film besticht durch harte Kills die handwerklich allesamt gut bis sehr gut aussehen. Dafür haben die Jungs der KNB Group wie immer, bestens gesorgt. Leatherface wird optisch und von der Performance, einwandfrei von Dan Yaeger verkörpert und sieht deutlich besser aus, als noch im Remake. Und wer der Oberweite einer Jessica Biel im weissen T-Shirt hinterher jammert, der bekommt mit Alexandra Daddario den perfekten Ausgleich.
Regisseur Luessenhop baut massig Querverweise ein, die das Original mit Ehre würdigen und geht somit Fanorientiert zu Werke. Generell wirkt der neue TCM erstaunlich frisch und unverbraucht, da es gottlob kein Remake vom Remake geworden ist, sondern etwas komplett eigenständiges mit einer mutigen Storyline die noch Potenzial für weitere Sequels inne hat. Texas Chainsaw 3D fühlt sich im Grunde so an, wie sich ein Texas Chainsaw 2013 auch anfühlen sollte; modern, roh und blutig und mit einem interessanten Story-Twist und einer ansprechenden Optik, auch wenn das 3D im Film nicht zu oft Verwendung findet, so sitzen die gezeigten 3D Szenen aber recht ordentlich. Gerne mehr davon.