Review

Bei "Texas Chainsaw 3D" stellt sich bei jedem zuerst die Frage: Ist dieser Film eine Fortsetzung, ein Prequel, ein Remake oder doch etwa (wieder) ein dreister Namensklau, bei dem man probiert, Geld mit einem populären Filmtitel zu machen?
Ich kann die Leute, die allergisch auf Billigkopien reagieren, beruhigen: Weder Great Movies, noch die Abfall-Schmiede Asylum sind an diesem Film beteiligt - "Texas Chainsaw 3D" ist eine waschechte Fortsetzung. Jedoch nicht von den beiden Ablegern, die im Jahr 2003 und 2006 erschienen sind, sondern sozusagen eine Fortsetzung auf das Original von 1974.
Okay, eigentlich benutzt Regisseur John Luessenhop nur das Intro dafür, bevor er sich seiner eigentlichen Storyline zuwendet, die knapp 20 Jahre später stattfindet und völlig unabhängig von dem 74er Jahrgang ist.

Bei dem Massaker 1974, dass fast die ganze Sawyer-Familie auslöschte, überlebten lediglich das Neugeborene und - wie kann es anders sein, Leatherface himself.
Zwanzig Jahre später: Heather (Alexandra Daddario) erfährt, dass sie "adoptiert" wurde (Heather ist natürlich das Baby, das überlebt hat) und ihre leibliche Großmutter ihr ein Herrenhaus im ländlichen Texas vermacht hat. Daraufhin reist sie mit ihrer Clique in dieses Dörfchen, um ihr Erbe zu begutachten. Was sich als schöne Villa herausstellt, bringt auch ein dunkles Geheimnis mit sich: Denn im Keller verbirgt sich ihr Cousin Leatherface (Dan Yeager). Als er aus Versehen freigelassen wird, schmeißt er wieder seine Motorsäge an und will Rache...


Dieser Film wird die Gemeinschaft spalten.


Denn seien wir mal ehrlich: Wenn man eingefleischter Fan der Serie ist, kann man über dieses Produkt nur den Kopf schütteln, da es etliche Ungereimtheiten gibt, die entweder gar nicht oder falsch interpretiert worden sind. Zudem steht die Marke "TCM" für derben Terror und mit diesem Ableger haben wir es lediglich noch mit einem handelsüblichen Slasher zu tun.
Auf der anderen Seite, wenn man wie ich zwei bis drei Augen zudrücken kann, muss man "Texas Chainsaw 3D" jedoch auch zu Gute halten, dass wir es mit einem sehr guten Slasher zu tun haben, der nur etwas bei der Logik zwickt (da drücke ich das vierte Auge zu).

Die relativ unbekannten Darsteller wurden zwar klischeehaft aber tiefgründig genug gezeichnet, dass man mit ihnen leiden kann oder auch nicht. Denn nicht jeder ist das, was er vorgibt - sei es auf der Seite der Teenager, den Rednecks oder sonstigen Zeitgenossen, die sich in diesem Kaff aufhalten.
Apropos Mitleiden: Was dem eingefleischten "TCM"-Fan  auch ein Dorn im Auge sein könnte, ist der Charakterverlauf im Bezug auf Heather und Leatherface. Da war man meines Erachtens sehr mutig, was die Entwicklung angeht, aber auch dieser Punkt alleine dürfte schon ausreichen, um die gesamte Horrorfan-Gemeinde zu spalten. Ohne Spoiler kann ich auf diesen Aspekt nicht weiter drauf eingehen. Aber sagen wir es mal so: Mir hat dieser Plot-"Twist" ganz gut gefallen.

Das Treiben gestaltet sich als kurzweilig und spannend. Relativ früh verabschieden sich teilweise Charaktere, bei denen ich dachte, dass sie locker die zweite Filmhälfte noch sehen. Aber gut, man schlug eben einen anderen Weg ein, der nicht dem üblichen 08/15-Strang folgt.
Bleibt eben noch die Frage, wie blutet dieser Film ausgefallen ist: "Texas Chainsaw 3D" hat wirklich einige derbe Gewaltspitzen zu bieten, beispielsweise dient die Kettensäge einmal dazu, einen kompletten Torso zu durchtrennen. Wer kann sich noch an das Finale von "Stepfather III" (1992) erinnern? Nun, was dort mit dem Häksler schon relativ hart rüberkam, wird hier wahrhaftig zelebriert. Es spritzt und suppt nur so vor roter Farbe - auch wenn der Film nicht ganz ohne CGI ausgekommen ist.
Also, die Härte stimmt und die berühmt berüchtigte Kettensäge ist auch permanent am Schneiden. Auch wenn es viele andere Todesarten gibt.

Fazit:

Fans des Originals werden diesen Film sehr wahrscheinlich hassen und in der Luft zerreißen. Wer jedoch ein Auge zudrücken kann, wird mit "Texas Chainsaw 3D" einen sehr guten Slasherabend verbringen, der leidlich spannend und blutig ausgefallen ist und lediglich in Sachen Logik ein paar Fehler besitzt. Als "Slasher-Fan", der bei solchen Filmen keinen Anspruch sucht, vergebe ich

8/10

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