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Nach Wes Cravens 1972er Rape & Revenge-Reißer "The Last House On The Left" trieb Regisseur Tobe Hooper zwei Jahre später mit seinem Horrorschocker "The Texas Chainsaw Massacre" das Terrorkino auf die Spitze und legte mit dem Kettensägen schwingenden Leatherface den Grundstein für eine der langlebigsten Reihen im Bereich des Horrorfilms.
Dem Original folgten Jahre später zwei mehr oder weniger gelungene Fortsetzungen (1982/1986) und 1994 war mit dem bizarren "Texas Chainsaw Massacre: The Next Generation" der Tiefpunkt des Franchise erreicht.
2003, im Rahmen der nicht enden wollenden Welle von Remakes,  läutete die von Michael Bay produzierte und von Marcus Nispel inszenierte Neuauflage des Originals eine neue "TCM"-Ära ein, der 2006 das Prequel und weitere 7 Jahre später "Texas Chainsaw 3D" folgen sollten. Wie der Titel schon vermuten lässt folgt dieser dem aktuellen Modetrend 3D und motzt die bislang letzte Fortsetzung mit plumpen und an einer Hand abzählbarer 3D-Effekte auf.

Der Film startet mit einer sorgfältig in die Credits eingearbeiteten Rückblende auf die Ereignisse des Originals und setzt in einem packenden Prolog dort an, wo der erste Teil aufgehört hatte:
der aufgebrachte Mob unter Führung des späteren Bürgermeisters Hartman schreitet zur Selbstjustiz und fackelt das Anwesen der Familie Sawyer ab. Leatherface und dessen Cousine Heather scheinen die einzigen Überlebenden des Infernos zu sein und so setzt die Handlung erst knapp 20 Jahre nach diesen Ereignissen wieder ein (wovon man ausgehen kann wenn man sich nach dem Aussehen der jungen Hauptakteurin richtet, was sich hier als grober Schnitzer entpuppt da die Handlung eigentlich in der Gegenwart - also knapp 40 Jahre später - spielen soll!). Heather, mittlerweile erwachsen geworden, weiß nichts von ihrer Herkunft und wird aufgrund einer Erbschaft mit ihrer Vergangenheit und dem einzigen noch lebenden Blutsverandten konfrontiert: Leatherface. Eine ungewollte Familienzusammenführung nimmt ihren Lauf, die in einem weiteren Massaker mündet.

"Texas Chainsaw 3D" beginnt stark, flacht dann in der Einführung der weiteren Handlung mit den allenfalls grob geschnitzten Charakteren leicht ab, bildet mit Leatherfaces Auftritt einen nervenaufreibenden Mittelteil und könnte mit dem gelungenen Finale einen würdevollen Abschied der Reihe bedeuten, wenn das offene Ende nicht genug Raum für Spekulationen auf eine weitere Fortsetzung bieten würde.

Im ersten Drittel (abgesehen von der vielversprechenden Eingangssequenz) wirkt John Luessenhops Film wie sattsam bekanntes Horrorkino mit grob skizzierten Charakteren - leidlich unterhaltsam, aber auch belanglos.
Doch mit Leatherfaces mit Spannung erwarteten erstem Auftritt verabschiedet sich "Texas Chainsaw 3D" von der Belanglosigkeit und spult Terrorkino in bester "TCM"-Tradition ab.
Die wenigen, aber handwerklich einwandfrei in Szene gesetzten Splattereinlagen erreichen zwar nicht den Goregehalt von "The Beginning" - doch das blutige Treiben des grobschlächtigen Kettensägenkillers verfehlt nicht seine Wirkung und bietet dem Gorehound ein paar derbe Splatterhäppchen.
Lediglich im Finale wurde vermehrt auf CGI zurück gegriffen und und vor allem Hartmans Ende im Fleischwolf ist enttäuschend umgesetzt.
Davon ab bietet der Film alles, was der Fan von der Reihe erwartet  und geht außerdem den Schritt, Leatherface nicht nur als geisteskranken Killer, sondern auch als tragische und mitleiderregende Figur darzustellen.

Der anfangs dargestellte Prolog wird in den Verlauf der Handlung perfekt eingebunden und somit wirkt "Texas Chainsaw 3D" storytechnisch ausgereifter als jede vorherige Fortsetzung.
Trotz anfänglicher Vorbehalte und diverser Logiklöcher entwickelt sich der Film zu einem gelungenen Beitrag der Reihe und kann uneingeschränkt empfohlen werden.

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