Für den eigenen Geschmack schämen - so weit kommt es nicht! Das hatte ich schon mal vor Jahren, als man meine Persönlichkeit auf die "New Kids"-Filme reduzierte.
Wenn ich mir so die Kritiken oder Fazits zu "Ghost Movie" anschaue, meine ich gerade, dass ich ein Mensch aus der Gosse bin, sturzbetrunken und mit einem IQ knapp über Zimmertemperatur gesegnet bin. Und das alles nur, weil mich nach knapp zwei Jahrzehnten übelster Parodie-Filmen jetzt mal wieder einer unterhalten hat, der nicht künstlich getrimmt wirkt.
Diese Sparte hat mit Sicherheit schon vor "Das Leben des Brian" oder "Mel Brooks Spaceballs" angefangen, allerdings endete sie in den drei "Nackte Kanone"-Filmen und die letzten Atemzüge waren die beiden "Hot Shots"-Teile. Das war 1991.
Danach wurden wir aus den USA vorallem mit den "Scary Movie"-Teilen, aus Frankreich mit "Stirb nicht zu langsam" und aus Deutschland mit "(T)raumschiff Surprise" oder den unglaublich miesen Pro7-Ergüssen (Dörte´s Dancing, H3) verwöhnt. Verschiedene Filme und Genres wurden auf die Schippe genommen - doch eins hatten alle Streifen gemeinsam: Unlustig bis unglaublich peinlich.
Dass die Mockumentary-Ecke irgendwann dran glauben musste, war nur eine Frage der Zeit. Und mit "Ghost Movie" kam dann dieser Film, der natürlich auch unzählige Filme auf´s Korn nimmt (Viel Spaß beim Entdecken, eine Liste kommt an dieser Stelle nicht) und vielen von euch nicht schmecken wird.
Den Erzählfaden klaut man sich von "Paranormal Activity":
Malcolm (Marlon Wayans) und Kisha (Essence Atkins) ziehen in ihr Traumhaus. Ihr gemeinsames neues Leben dokumentiert Malcolm mit seinem Camcorder. Doch schon bald stellen sie fest, dass in diesem Haus ein bösartiger Geist rumspukt. Als der Geist sich in Kisha´s Seele einnistet, holt sich Malcolm Hilfe ins Haus: Ein Medium, zwei Geisterjäger und ein Priester stehen ihm bei, dem Spuk ein Ende zu bereiten.
Ich will mal den Film psychologisch auseinandernehmen, denn der eigene Filmgeschmack unterscheidet sich in keinem Genre so sehr wie in einer Komödie.
Der größte Dorn im Auge dürfte die Witzrichtung sein: Fast alle Gags handeln von Pippi, Kacka, oder Ficki-Ficki. Und damit dürfte er schon beim Großteil der Konsumenten durchgefallen sein.
Hinzu kommt, dass man nicht nur "Paranormal Activity" konsumiert haben sollte, sondern auch zumindest eine Handvoll andere Ableger des Found-Footage-Genres. Wenn man jetzt noch die Tatsache abzieht, dass Leute, die solche Filme kennen, jedoch scheiße finden, mit Sicherheit auch nicht mit dieser Parodie, dank desselben Aufbaus, klar kommen, so bleiben wirklich verdammt wenig Konsumenten übrig, die den gemeinsamen Nenner haben, den man haben muss, um über "Ghost Movie" überhaupt lachen zu können.
Viele Köche verderben den Brei.
So heißt ein Sprichwort und so läuft es auch in "Ghost Movie" ab. Solange man dem Pärchen bei dem Treiben zuschaut, kommen Szenen, in denen ich mir vor lauter Lachen fast wirklich die Unterhose zugesaut habe - natürlich zünden nicht alle Gags, aber im Großen und Ganzen unterhält der Film bis zum Mittelteil mit (unkreativen, ja das gebe ich zu) Witzen, die noch unter der untersten Schublade zu finden sind.
Jedoch kann der Film diesen Level der Geschmacklosigkeit nicht die gesamte Lauflänge halten und das hat einen einfachen Grund: Sobald die weiteren Charaktere eingeführt werden, die natürlich auch mächtig einen an der Klatsche haben, verflacht das Ganze in unkontrollierbaren Klamauk. Denn die Charaktere lenken den Film teilweise in eine andere Richtung oder es liegt an ihnen selbst: Manche sind so überzeichnet, dass sie einfach unlustig wirken.
Immerhin fängt der Film sich noch im Finale, das aber auch genauso (unkreativ) kommt, wie man es sich vorstellt.
Natürlich ist "Ghost Movie" keine Offenbarung vor dem Herrn, wer jedoch Found-Footage-Filme liebt und auch keine Probleme mit Fäkal-Witzen hat, könnte einen Blick riskieren.
7/10