Review

Gefängniswärter Jean-Christophe (François Damiens) ist der klassische
Einzelgänger. Nur bei den wöchentlichen Tangostunden taut er auf. Dort verliebt er sich in die hübsche Alice (Anne Paulicevich). Dumm nur, dass er sie kurz darauf im Knast wiedersieht, wo sie gleich 2 Männer besucht: ihren Ehemann undihren Liebhaber…

Regisseur Frédéric Fonteyne („Eine pornografische Beziehung“ 1999) hat in
20 Jahren 4 Filme gedreht, wobei er sich 8 Jahre Zeit gelassen hat, bevor er
nach dem Drehbuch seiner Ehefrau Anne Paulicevich" „Tango Libre“ dreht, wobei diese, eine ausgebildete Tänzerin, die erst spät zum Film gekommen ist („J.C.V.D.“ 2008), auch gleich die weibliche Hauptrolle übernimmt. Sie überzeugt nicht nur in den Tanzszenen, sondern auch durch ihre charmante Darstellung einer Frau,für die der Tango auch Liebesersatz ist, schließlich warten im Gefängnis gleich 2 Lebenspartner auf sie. Irgendwann wird sie sich allerdings doch mit dem Bewacher ihrer Männer einlassen. Dieser wird von François Damiens („Nathalie küsst“ 2011) eher steif dargestellt, versinnbildlicht wird sein Einsiedlerleben durch seinen einzigen Goldfisch, der im trüben Wasser schwimmt. Die wirklich toughen Typen
sitzen im Knast, besonders Sergi López („Der Mönch“ 2011) hat starke Auftritte als vermeintlicher Vater von Alices pubertierendem Sohn.
Allerdings verhält sich der wegen eines brutalen Überfalls auf einen
Geldtransporter verknackte Gangster zwar storytauglich, aber nicht besonders
realistisch, wenn er, um den Nebenbuhler zu übertreffen, einen zufällig mit einsitzenden Argentinier bittet ihm Tango-Unterricht zu geben. Diesen spielt derargentinische Top-Tänzer Mariano „Chicho“ Frumboli und wird zum
heimlichen Star des Films, der mit den tanzenden Insassen seine stärksten
Szenen hat, inkl. dem ein oder anderen homoerotischen Witz. Das total unglaubwürdige Ende beweist dann aber, dass es sich wohl doch um einen Märchenfilm handelt. Trotz seiner Drehbuchschwächen erhält „Tango Libre“ beim Filmfestival von Venedig den Spezialpreis der Jury, beim Internationalen Filmfest in Warschau den Grand Prix, hier allerdings bestenfalls 7/10.

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