K. (Ulrich Mühe) gelangt eines Abends in ein winterliches Dorf und stellt sich im Wirtshaus als der neue Landvermesser vor. Doch die Einwohner begegnen ihm mit Ablehnung und von der ausgeschriebenen Stelle will man nichts wissen. K. versucht zum Schloss seines Auftraggebers zu gelangen. Ein unmögliches Unterfangen…
Franz Kafkas (1883-1924) letzter Roman entsteht 1922 und bleibt bis zu seinem frühen Tod unvollendet. 75 Jahre später nimmt sich Michael Haneke ("Caché" 2005, "Das weiße Band" 2009) der schwierigen Vorlage an und schafft eine Literaturverfilmung, die ihren Namen wirklich verdient. Ihm gelingt es die Geschichte in die Jetztzeit zu übertragen und fast unmerklich für 2 Stunden Film zu straffen. Sowohl der Sprecher aus dem Off (Udo Samel) als auch die Darsteller tragen ausschließlich Original-Zitate aus dem Roman vor, zwischen den Szenen erscheinen ungewöhnlich lange Schwarzbilder, die den fragmentarischen Charakter der Vorlage unterstreichen.
Dabei gibt es die für den Regisseur schon 1997 typischen langen Einstellungen, wobei wenig Farbe und viel Düsternis die Stimmung eines Franz Kafka Romans perfekt rüberbringen. In der Hauptrolle überzeugt der viel zu früh verstorbene Ulrich Mühe ("Das Leben der anderen" 2006), der schon zuvor bei "Funny Games" (1997) mit Haneke zusammengearbeitet hatte. Seine Darstellung des K. im Kampf um die Anerkennung seiner realen und beruflichen Existenz bleibt in Erinnerung. Und auch Susanne Lothar ("Die zweite Heimat" TV 1992) hat in ihrer dritten Zusammenarbeit mit dem österreichischen Regisseur einige starke Auftritte als K.s vermeindliche Zukünftige. Das Ende des Films erfolgt schließlich so abrupt wie in der Vorlage und für den Betrachter ebenso verstörend. Dafür bleibt viel Platz für Interpretationen...
Sehenswert! (9/10)