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Steven Butler (Matt Damon) und Sue (Frances McDormand) versuchen im Auftrag eines Energiekonzerns die Bevölkerung einer Kleinstadt in Pennsylvania mit lukrativen Angeboten zu überreden ihr Weideland zur Erdgasförderung freizugeben. Nach ersten Erfolgen meldet sich bei einer Bürgerversammlung Farmer und Wissenschaftler Yates (Hal Holbrook) kritisch zu Wort…

In seinen besten Filmen zeigt Regisseur Gus van Sant (geb. 1952) realistische Szenen eines modernen Amerikas hinter den Hochglanzfassaden: In „My Private Idaho“ (1991) widmet er sich drogenabhängigen Junkies, in „Good Will Hunting“ (1997) jungen Kriminellen aus dem Arbeitermilieu und in „Elephant“ (2003, Goldene Palme von Cannes!) stellt er minutiös ein Schulmassaker nach. Vom independent style hat er sich inszenatorisch mittlerweile abgewandt, vielleicht möchte er aber auch mit „Promised Land“ ein größeres Kinopublikum ansprechen. Denn das Thema ist hochaktuell: beim sog. „Fracking“ werden hochgiftige Chemikalien unter Druck ins Erdreich gepresst um das Erdgas aus dem Gestein zu lösen. Bleibende Umweltschäden, wie eine Verseuchung des Grundwassers, sind nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht auszuschließen bzw. bereits aufgetreten.

Gus van Sant gelingt es, die Argumente Pro und Contra Fracking in eine spannende Spielfilmhandlung einzuflechten, wobei er selbst erst überraschend spät Position bezieht. Zu Beginn werden die verarmten Farmern mit plötzlichem Wohlstand und stark verbesserter Infrastruktur geködert, dann vertreten Hal Holbrook („Callahan“ 1973, „The Fog – Nebel des Grauens“ 1980) und John Krasinski („Away We Go“ 2009), als etwas zu smarter Ökoaktivist die Gegenargumente. Kransinski hat gemeinsam mit Matt Damon das Drehbuch geschrieben, in dem es irgendwann nur noch um den Konflikt zwischen einem milliardenschweren Konzern und der vermeintlich chancenlosen, verarmten und nur durch staatliche Subventionen am Leben gehaltenen Landbevölkerung geht. Oder wie es Yates auf den Punkt bringt: „Vielleicht habe ich Glück und werde schon tot sein bevor ich meine Würde verliere.“ Matt Damon („Good Will Hunting“ – auch Script!) bleibt wieder mal mehr Typ als Charakterdarsteller, kann aber überzeugen, auch wenn ihn Frances McDormand („Burn after Reading“ 2008, „Moonrise Kingdom“ 2012) in den gemeinsamen Szenen mit ihrer lakonischen Art mühelos an die Wand spielt.

Das Ende ist Geschmackssache, trotzdem ein sehenswerter Film, nicht ohne Humor trotz des ernsten Themas, der in Deutschland in der ersten beiden Wochen nach Kinostart keine 20.000 Zuschauer erreicht hat. Schade. (8/10)

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