CHARLIES WELT ist nicht ein neues Abenteuer des ach so lustigen ZDF-Schimpansen, sondern die neueste Komödie mit Un-Star Charlie Sheen. Liegt vielleicht wer hier Parallelen zieht gar nicht so falsch? Der Film mit dem Originaltitel "A Glimpse Inside the Mind of Charles Swan III" (in Deutsch in etwa: "Ein flüchtiger Blick in die Psyche von Charles Swan III") beschäftigt sich unter anderem mit den Ursachen und den Verwirrungen eines Gutachtens Charles Psychiaters. Dieses legt ihm in schön animierter Form gleich in den ersten Filmminuten anschaulich dar, dass sein Gehirn sich mit 70% mit Sex, 20% mit dem Verlangen nach Geld und Macht beschäftigt, und nur die restlichen 10% sind für alle anderen Themen reserviert. Charles, mitten in einer Lebenskrise, verneint diese Analyse selbst nicht.
Aber wussten wir das nicht schon längst auch über Charlie Sheen im Rahmen des Dauerbombardements von "Sex, Drugs & Rock'n Roll"-Skandalen rund um seine TV-Serien Auftritte? Wie auch immer, CHARLIES WELT tut alles dafür, um möglichst schräge Szenen zu präsentieren und greift dabei so oft und deutlich daneben, dass man den Film nur im Trash-ON Modus ertragen kann. Da jagt in gewissen Phasen des Films ein vermeintlicher Schenkelklopfer den anderen, es gibt lächerliche Indianerinnen und andere Absurditäten. Wobei das Tempo erwartungsgemäß deutlich langsamer und besinnlicher ist, als es der Trailer vortäuscht und CHARLIES WELT gerade in der zweiten Filmhälfte deutlich in Richtung Tragikkomödie tendiert.
Mit Charles Swan leidet man übrigens trotz seines Schicksals nicht wirklich mit. Zu abgefahren ist die Handlung und zu sehr spielt Charlie Sheen sich selbst mit viel selbstverliebten Posen. Das Werk hat recht illustre Nebendarsteller zu bieten. Bill Murray ist eine gute Ergänzung, aber darstellerisch gefordert wird er nicht wirklich. Jason Schwarzman fällt eher durch seine kreative Frisur auf und kann nur wenige gute Momente für sich verbuchen. Aber CHARLIES WELT besticht durch seine aufwendige Ausstattung im 70er Jahre Stil mit viel bunten und schrägen Requisiten. Es ist eine Ode an die Popkultur, die mit viel Liebe zum Detail und einem sehr gelungenen Soundtrack aufwarten kann.
Allerdings wirkt diese Mischung recht unentschieden. Ein wenig mehr Klamauk und Absurdität und es hätte zumindest ein Trashfest werden können. Die ernsthaften Ansätze versinken aber in dem grundsätzlich grotesken Kontext einer sehr durchwachsenen dramaturgischen Struktur die aus losen Teilen zu bestehen scheint. Gut sind die improvisiert wirkenden Momente am Ende und in einem Duett mit Charles und Ivana (Katheryn Winnick). Zusammenfassend wirkt CHARLIES WELT wie ein Insider-Liebhaberprojekt der Macher, lässig und entspannt und nicht mit allzu viel Ernst und kommerzieller Gier versehen.
Regisseur Roman Coppola ist natürlich nicht irgendwer und nur Inhaber eines bekannten Namens, sondern der Sohn von Legende Francis Ford Coppola. Und er hat mehr als diesen berühmten Namen zu bieten. So war er doch für das phantastische und oscar-nominierte Drehbuch von Wes Andersons genialem MOONRISE KINGDOM verantwortlich. CHARLIES WELT kann diesem in keiner Hinsicht das Wasser auch nur annährend reichen und will es glaube ich auch gar nicht. CHARLIES WELT kann somit nur für hartgesottene Charlie Sheen Fetischisten oder Freunde schräger Komödien, die gerne die Geschmacksgrenzen nach unten ausloten empfohlen werden. Der sehr sympathische Abspann gewinnt noch mal einen Sonderpunkt.
4,5/10 Tukanen....äh,....Punkten