Womit fängt man am besten an, wenn ein Krimi so austauschbar daherkommt wie sein Titel?
Vielleicht damit, dass ich mir grundsätzlich jeden Film mit Bruce Willis ansehe. Auch wenn er hier nur einen kurzen Auftritt als tyrannischer Ehemann und später als toter tyrannischer Ehemann hinlegt. Die Hauptrolle spielt seine damalige Ehefrau Demi Moore in einem Krimistück, das ganz nett sehbar ist, aber keine allzu großen Überraschungen bietet.
Cynthia (Demi Moore) befindet sich auf dem Polizeirevier im Verhör mit Harvey Keitel.
James Urbanski (Bruce Willis), der selbstgerechte und stets unter Drogen stehende Ehemann ihrer Freundin Joyce (Glenne Heartly) wurde tot aufgefunden.
In einer Reihe von Flashbacks wird geschildert, wie es zu dem tödlichen Unfall kommen konnte und wie die beiden Frauen sich mit der Beseitigung der Leiche immer mehr in Widersprüche verstricken.
Die gegenwärtige Handlung spielt sich lediglich in einem Raum ab, kurze Zwischenfragen des ermittelnden Cops unterbrechen nur kurz die Hauptgeschichte, die sich durch gut platzierte Rückblenden entfaltet.
Beginnend mit der Hochzeitsfeier von Joyce, bei der ihr frisch Angetrauter bereits negativ auffällt. Später, als das erste Kind bereits geboren ist, wird er immer aggressiver, misshandelt Joyce körperlich sowie seelisch und Sätze wie „Ich wünschte ihm den Tod“ fallen erstmals.
Tatsächlich kann Cynthia verhindern, dass James von dem Zucker nimmt, dem Joyce kurz zuvor Gift untergemischt hatte.
Bruce Willis spielt für eine knappe halbe Stunde den miesesten Typen von Ehemann, was er so überzeugend verkörpert, dass man seinen Charakter bereits nach wenigen Momenten über den Jordan wünscht.
Kurz darauf geschieht dies auch auf dem Rummelplatz, seine Leiche befindet sich im Van von Joyce, die sich im Zuge von Gegenwehr mit einem Messer verteidigte und ihn damit tödlich verletzte.
Die beiden Frauen entscheiden sich, die Leiche stillschweigend im Sumpf verschwinden zu lassen und noch kurz ein gemeinsames Alibi abzusprechen, was im Verlauf immer mehr bröckelt, denn nicht nur Cynthias Ehemann wurde notgedrungen eingeweiht, sondern es kommen auch immer mehr Zweifel an Cynthias Glaubwürdigkeit.
Leider versucht das Script nicht in Ansätzen, den Zuschauer an der Nase herumzuführen.
Zwar gibt es im Verlauf noch eine weitere Leiche, doch die Auflösung mit finalem Plot-Twist ist von Beginn an ersichtlich.
Zu vorhersehbar ist die Konstellation des Personengeflechts, zu überdeutlich werden Hinweise für den wahren Ablauf eingestreut, die sich dem Betrachter im Nu erschließen.
Die Absprachen unter den Frauen sind vage, es werden Dummheiten begangen, wie persönliche Dinge des Beseitigten von einem Zuhause ins nächste zu schleppen, der blutbesudelte Van wird nicht sofort gereinigt, Ausreden und Ausflüchte müssten jeder Person im Umfeld der Täterinnen merkwürdig erscheinen, doch alles verläuft zunächst wie aus dem Handbuch für indizfreie Beseitigung verhasster Ehemänner.
Reichlich konstruiert und voller Unwahrscheinlichkeiten.
So ist nach dem Ableben Willis´ Charakter auch bereits schnell die Luft raus, es wird viel geredet aber wenig gehandelt und nur den drei übrig gebliebenen Darstellern ist es zu verdanken, dass man noch einigermaßen unterhalten wird.
Demi Moore ist in der Hauptrolle der Cynthia akzeptabel, ihr Charakter kann sich allerdings nie so recht entfalten, er ist zu passiv und zu stark vom Einfluss der übrigen Figuren abhängig.
So ist ihr gegenüber Glenne Headly als Joyce eine ganze Nummer besser, sie spielt die zunächst gebeutelte und verachtete Ehefrau mit Bravour, später die interessante Entwicklung ihrer Person noch ein Stück vielseitiger.
Willis ist, wie erwähnt, sehr überzeugend, Keitel aber auch, nur der wird in der Rolle des hartnäckig nachfragenden Cops kaum gefordert.
Inszenatorisch ist das alles recht solide, wenn auch mehr auf TV-Niveau. Nur selten bieten sich atmosphärisch dichtere Szenen, wie das Geschehen auf dem Rummelplatz oder später eine Szene, in der Demi Moore im Auto sitzt und nachdenkt, während auf der Frontscheibe ihres Wagens die Lichter des sich drehende Karussells spiegeln.
Demgegenüber werden einige Slow Motion Einstellungen überbeansprucht und wirken zuweilen deplatziert.
Angemessen und wohlklingend ist aber der Score von Mark Isham, der dem Treiben eine angepasste Tristesse verleiht
Nun ja, der große Bruce Willis Hit ist „Tödliche Gedanken“ sicher nicht. Seine Rolle ist, für jemanden, der ihn gerne als Actionheld sieht, komplett undankbar ausgefallen und der Krimistoff von der Stange reißt anschließend auch nicht viel heraus.
Ein Miträtseln hält sich stark in Grenzen und die Auflösung kommt wenig überraschend daher.
Der Weg dorthin wird jedoch mit guten und präsenten Darstellern zu einer brauchbaren Unterhaltung geebnet.
5,5 von 10