Ein Tag im Mai - nämlich der 18. ("Den Attende"), ein entscheidender für die Dänen, die an diesem Datum des Jahres 1993 über die Zugehörigkeit zur EU in einer Volksabstimmung entschieden. Vor diesem Hintergrund der politischen Neuausrichtung des Landes erzählt der Film drei mehr oder weniger miteinander verwobene Geschichten.
Während die lokale Newcomerin Ulla bemüht ist ihre Gesangskarriere und ihr Privatleben (geschieden, eine kleine Tochter) unter einen Hut zu bekommen, buhlt der unter Erfolgsdruck stehende Vertreter Michael darum, zwei wichtige italienische Kunden unter Vertrag zu nehmen und der jähzornige Jens flieht aus einer geschlossenen Anstalt um seine (vermeintliche) Liebe zu sehen.
Letzteren interessiert der EU-Beitritt eher weniger (er darf als Eingewiesener ohnehin nicht wählen), für Michael hat es wenn überhaupt, dann eher berufliche Relevanz und Ulla geht zwar auch wählen, ist aber eigentlich mehr mit ihrem eigenem Leben beschäftigt. Der Regisseur widmet sich zwar jeweils Einzelschicksalen, der Film beschreibt jedoch als ganzes auch ganz gut die Gefühlswelt eines Volkes während eines wichtigen Umbruches. So sind auch im Hintergrund entweder feiernde Befürworter, mahnende Demonstranten oder offen rebellierende Chaoten zu sehen.
Die Farbgebungen variieren je nach Erzählstrang und Schauplatz und tragen so neben den zumeist akzeptabel spielenden Darstellern entscheidend mit zur Gesamtstimmung bei. Sind sie beispielsweise in der von knallhartem Geschäftsgebaren geprägten Welt von Michael eher kühl, ist die trostlose Umgebung von Jens gleich ganz schwarz-weiß und die etwas übertönten, manchmal unechten Farben der Geschichte um Ulla erinnern an alte verfärbte Fotos.
Fazit: Die verschiedenen Erzählstränge kreuzen und beeinflussen sich, doch nicht immer stimmt das Timing und wenn, dann erscheint es manchmal zu arg konstruiert. Was eindringlich bedrückend wirken soll kommt eher etwas gewollt-gezwungen daher und die gewünschte Intensität wird nicht ganz erreicht, auch weil einem die Personen teilweise einfach zu egal bleiben. So bleibt am Ende zwar kein Reinfall, sondern ein nett erdachtes wie teils tragisches Konstrukt - aber eben auch kein richtig brennender Geheimtipp auf dem Gebiet des Episodendramas. (6/10)