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Ridley Scotts dramatisches Roadmovie „Thelma & Louise“ ist der Inbegriff seines Genres. Und nicht nur das; die Geschichte über die beiden Freundinnen, die aus ihrem tristen Alltag ausbrechen, ist der Emanzenfilm schlechthin. Normalerweise könnte man das als negativen Kritikpunkt auslegen, doch im Falle dieses Films wollen wir mal nicht so hart sein. Nein, seien wir ganz ehrlich: Mit „Thelma & Louise“ ist Scott in den frühen 90er Jahren ein echter Meilenstein der Filmgeschichte gelungen.

Die beiden Freundinnen Louise Sawyer (Susan Sarandon) und Thelma Dickinson (Geena Davis) wollen sich ein unbeschwertes Wochenende in den Bergen gönnen. Thelma muss dieses Unterfangen jedoch heimlich tun, denn ihr Mann Darryl (Christopher McDonald) würde seine Frau niemals für einen solchen Ausflug aus dem Haus lassen. Der Ausflug hätte so angenehm werden können, wäre da nicht der erste Zwischenstopp, bei dem Thelma fast das Opfer einer Vergewaltigung wird und Louise den Täter im Affekt erschießt. Dieser Zwischenfall macht aus dem fröhlichen Ausflug zweier Frauen eine Flucht vor der Polizei, bei der die beiden Frauen eine Wandlung erfahren…

Für das erstklassige Drehbuch wurde Callie Khouri bei der Oscar-Verleihung 1992 mit einem Goldjungen belohnt, aber auch die beiden Hauptdarstellerinnen Geena Davis und Susan Sarandon hätten sich für die Performance, die sie als „Thelma & Louise“ abliefern, eine Auszeichnung von der Academy verdient. Geena Davis durchlebt die Metamorphose der zunächst durch eine schwierige Ehe eingeschüchterten Thelma zu einer starken Frau, die zuletzt vor keinerlei Gewalttaten zurückschreckt, ebenso hervorragend wie Susan Sarandon die toughe Louise verkörpert. Dass sich neben einer Charakterstudie über zwei frustrierte Frauen, die aus ihren eingefahrenen Bahnen ausbrechen und für sie vollkommen untypische Dinge tun, in „Thelma & Louise“ auch ein abgefahrener, actionreicher Film versteckt (na ja, „versteckt“ ist vielleicht der falsche Ausdruck, dafür sind die Action-Elemente zeitweilig zu offensichtlich), tut der gesamten Erscheinung des Films überaus gut.

Wenn die Mischung bei einem Film so gut passt, wie sie bei Ridley Scotts „Thelma & Louise“ passt, dann muss man diesen Film einfach als Meilenstein bezeichnen. Spätere Roadmovies mussten sich bisher immer wieder den Vergleich mit „Thelma & Louise“ gefallen lassen, und die Großzahl dieser Vergleichsobjekte ist auch an diesem Vergleich kläglich gescheitert. Dieser Film ist und bleibt einfach das Non-Plus-Ultra des Genres; deshalb: 10 von 10 Punkten!

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