Review

2 Frauen, gespielt von Susan Sarandon und Geena Davis, planen einen Kurzurlaub, als sie unterwegs jedoch einen Vergewaltiger erschießen, müssen die beiden bewaffnet vor der Polizei fliehen. Während ihnen ein Polizist, gespielt von Harvey Keitel, im Nacken sitzt, treffen sie unterwegs auf einen Dieb, gespielt von Brad Pitt, der sie aufs Kreuz legt.

Obwohl "Thelma & Louise" mit dem Oscar für das beste Drehbuch prämiert wurde, kann ich Ridley Scotts Werk nichts entnehmen, dass den Film von anderen Road-Movies unterscheidet. Die Charakterkonstruktion ist zunächst einmal nicht so vielschichtig, wie man es von einem Meisterwerk erwartet und mit diesem Anspruch ist Scott sicherlich an den Film gegangen. Ansonsten ist die Story relativ stereotyp, der Road-Tripp besteht lediglich aus den Begegnungen der beiden Frauen, mit diversen, skurrilen Fremden und der Flucht vor den Gesetzeshütern. Der Film ist relativ monoton und höhepunktslos und auch die anarchische Grundhaltung der Frauen wird kaum näher verdeutlicht und nur weil das Ende dann mal unvorhersehbar ist und im Ansatz eine verstörende Wirkung erzielt, wird der Film auch nicht unbedingt zum Meisterwerk. Das Hauptproblem, das auch den Unterhaltungswert deutlich nach unten korrigiert ist, dass der Film zu episodenhaft verläuft und die Verknüpfung dieser einzelnen Handlungsstränge und Abschnitte nicht so gut gelungen ist. Der Film ist nicht so richtig flüssig und kommt somit an einigen Stellen ins stocken. Alles in allem ist die Story zwar nicht schlecht, aber auch nicht so außergewöhnlich, wie es der Ruf des Films besagt.

Altmeister Ridley Scott erfüllt die hohen Erwartungen nach seinen Meisterwerken "Balde Runner" und "Alien" nicht und kommt auch an sein vorheriges Werk "Black Rain" nicht heran. Das Erzähltempo hält er relativ hoch, allerdings verliert der Film die ganze Zeit über an Fluss, da er durch die episodenhafte Umsetzung des Öfteren wieder ausgebremst wird. Wie bei vielen Road-Movies gibt es einen ordentlichen, in diesem Fall überaus schwarzen Humor, der den Film die ganze Zeit über relativ unterhaltsam gestaltet und dafür sorgt, dass er zu keinem Zeitpunkt langweilt, allerdings ist die Dosierung der Gags leider so spärlich, dass "Thelma & Louise" nicht über die solide Unterhaltung hinaus kommt. Zum Ende hin gibt es ein paar auflockernde und routiniert inszenierte Action-Sequenzen, die aber nicht sonderlich atemberaubend sind und auch relativ spärlich dosiert sind. Spannung wird leider kaum aufgebaut und dramatisch wird der Film leider auch erst zum Ende hin, das wenigstens im Ansatz schockieren kann. Die Musik und die Kulisse sind von Scott routiniert in Szene gesetzt, womit die Oscar-Nominierung für die beste Regie wenigstens im Ansatz gerechtfertigt ist, aber ich sehe in dem Film nichts Besonderes, zumal ich kein Fan von Road-Movies bin.

Was mich dann doch noch dazu gebracht hat, den Film mit einer Bewertung von 6 Punkten im oberen Mittelmaß anzusiedeln, waren die guten Darsteller. Geena Davis, deren beste Zeiten schon lange abgelaufen sind, zeigt hier die stärkste Leistung ihrer Karriere und rechtfertigt ihre Oscar-Nominierung. Sie liefert eine relativ emotionale Vorstellung ab, zeigt sich bei Verfolgungsjagden und Ähnlichem knallhart und harmoniert hervorragend mit ihrer ebenfalls glänzenden Kollegin. Oscar-Preisträgerin Susan Sarandon ist ebenfalls überaus stark und zeigt nach "Atlantic City, USA" und vor ihren Glanzleistungen in "Dead Man Walking", "Lorenzos Öl" und "Der Klient", dass sie zu den besten Darstellerinnen überhaupt gehört. Harvey Keitel spielt die Rolle des Polizisten hervorragend und präsentiert sich nur wenige Monate nach "Reservoir Dogs" erneut sehr stark. Michael Madsen, der ebenfalls kurz zuvor in Quentin Tarantinos erstem Werk zu sehen war, spielt wie üblich gut und präsentiert sich einmal mehr recht kalt und sehr stilvoll. Brad Pitt, der durch "Thelma & Louise" endgültig seinen Durchbruch schaffte, ist ebenfalls überzeugend und wirkt noch relativ unerfahren. Alles in allem ist der Cast sehr stark.

Fazit:
Mit einem sensationellen Cast und einer soliden Umsetzung verschwindet der Road-Tripp "Thelma & Louise" leider im Mittelmaß. Durch die episodenhaft erzählte Story kann der Film nämlich keine Spannung aufbauen und ist nicht so richtig flüssig erzählt. Da mit einem soliden schwarzen Humor und ein paar Action-Szenen ein solider Unterhaltungswert aufrechterhalten werden kann, ist der Film als Unterhaltung für zwischendurch ganz brauchbar, mehr ist aber nicht drin.

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