Hier geht's um Ganze, nicht nur um die Gelüste des Fleisches - wie in Teil 1: Liebe - sondern um den wahren Kern des Menschseins, den Glauben, und von diesem besitzt Anna Maria (Maria Hofstätter) mehr als ein Mensch im Normalzustand auszuhalten vermag. Nicht nur ist ihr unsagbar spießbürgerlich eingerichtetes und zudem blitzblank gescheuertes Einfamilienhaus mit Kruzifixen und sonstigen Konterfeien des Herrn zugepflastert, nein Anna Maria verzehrt sich geradezu in ihrer Hingabe zu Jesus Christus, läßt am Abend die Hüllen fallen und geißelt sich im Stile mttelalterlicher Flagellanten mit der handlichen Peitsche. Ihren Sommerurlaub benutzt die Krankenschwester dazu, mit einer geschnitzten Muttergottes-Statue die großstädtischen Quartiere der Einsamen & Verlorenen aufzusuchen, um die aus ihrer Sicht irdisch Verdammten auf den rechten = gerechten Weg zu lotsen. Hierbei wird sie keinesfalls immer willkommen geheißen; mal trifft sie auf wütende rhetorische Gegenwehr, mal auf eine Mischung aus Indolenz und sprachlichem Unverständnis, dann wieder öffnet ihr der seltsam widerspenstige Herr Rupnik die Tür, schließlich gerät sie an eine schwer trunksüchtige und umso aggressivere Russin, welche der von ihren guten Absichten beseelten Missionarin massiv auf den Leibe rückt.
Und als ob dies noch nicht genug sei, schlägt das Schicksal ein weiteres Mal zu, diesmal in Person des seit zwei Jahren verschollenen, nach einem Unfall querschnittsgelähmten Ehemanns, welcher - horrobile dictu - muslimischen Glaubens ist. Spätens ab diesem Zeitpunkt entpuppt sich Paradies: Glaube als ziemlich schräge und zusehends gewaltförmige Passionsgeschichte. Wie sich die so konträr gestrickten Protagonisten aufgrund ihrer diametralen Wunschvorstellungen, Abneigungen und Obsessionen gegenseitig zu bekämpfen versuchen - und dies auf nicht eben bürgerlich-sankrosante Art - das kann den Betrachter schon in Staunen versetzen. Am Ende bleibt dann eine krude und umso nachhaltigere Mixtur aus Fassungslosigkeit und Komik übrig, deren Aufdröselung man sich ersparen und kompetenteren Beobachtern überlassen möchte.
Stellenweise schwer und niederdrückend daher kommend, dazwischen auch stets durch Situations- komik und Aberwitz aufgebrochene, befreiende Momente: dies alles spricht für ein nachhaltiges Kinoerlebnis. Aufgrund einiger Längen reduziert sich das Urteil auf 7,5/10.
War da noch was? Klar doch: die im Vorfeld allerorten skandalisierte Masturbations-Szene, die indes - man möge mir Glauben (sic!) schenken - ist nicht mal halb so wild ist wie das Gewese, welches in den Medien darum gemacht wurde.