Review

Das erste mal hörte ich von diesem Film, als er in Cannes ausgezeichnet wurde in der Kategorie "Bester Film" und wurde natürlich interessiert. Nun lief er letzte Woche bei uns an, und ich betrat mit gemischten Gefühlen den Kinosaal. Ein Warschauer Pianist der am eigenen Leibe den Nazi-Holocaust miterlebt...
Gedreht von Roman Polanski, der dies selbst miterlebt hat. Ist ist objektiv? Benutzt er den Film als eine Art Abrechnung? Lauter Fragen, die mich nicht in Ruhe ließen und mir sagten das der Film mir vielleicht nicht zusagen wird. Aber nun war ich ja schon da, und habe ihn mir auch angucken...
Und ich kann nur sagen zum Glück! Denn dies ist der Beste Film über dieses Thema der je gedreht wurde! Zuvor war für mich "Schindlers Liste" der Referenzfilm über diese Zeit aber Polanskis "Der Pianist" lässt ihn im Schatten seiner selbst verschwinden.
Zur Geschichte. Wladyslaw Szpilman (gespr. Spielmann), ein Jüdischer Komponist der für einen Warschauer Radiosender arbeitet erlebt mit seiner Familie mit wie die Deutschen die Macht in Warschau übernehmen. Angefangen mit dem pflichtmäßigen tragen des Davidsterns bis zur Sperrung der Juden in Warschauer Ghettos. Doch dann werden fast alle Juden zusammengetrieben und in Züge geladen um in sogenannten "Arbeitslagern" unter zu kommen. Da gelingt Szpilman mit Hilfe die Flucht und er kann sich in einen Arbeitstrupp einschmuggeln. Doch als sich dann langsam der Aufstand im Ghetto vorbereitet flieht er erneut zu ihm gutgesinnten Polen, die ihn in einer kleinen Wohnung direkt an der Mauer zum Ghetto verstecken. Doch auch jetzt ist er nicht in Sicherheit und läuft Gefahr ständig endeckt zu werden. ...

Polanski hat von sich aus das beste gemacht was er hätte tun können. Er hält sich dezent zurück und zeigt alles so simpel wie möglich um das maximale herrauszuholen. Lange Einstellungen, die manche gewaltvolleren Szenen gleich doppelt so grausam machen. Wenig Schnitte und keine größeren Nebenhandlungen. Polanski beschränkt sich allein auf die Geschichte Szpilmans, es gibt einzig und allein ca. 2 Szenen an denen er nicht direkt beteiligt ist. Alles wird aus seiner Sicht erzählt. Sogar den Aufstand im Ghetto Warschaus kann man "nur" aus dem Fenster Szpilmans betrachten. Diese Eingeschränktheit tut der Wirkung aber keinerlei abbruch, da sie trotzdem eine ungeahnte Wirkung erzielen.
Nun zu Adrien Brody. Ich fand es passend das man ihn für die Rolle auserkoren hat. Schon in "Der Schmale Grad" konnte man sehen das er mit seinem traurigen Hundeblick fast Nicolas Cage konkurenz macht. Damit erfüllt er schon einmal eines von vielen Kriterien. Anfangs hab ich ihm die Rolle nur teilweise abgenommen. Als Pianist passt er perfekt in die Rolle, aber als selbstsicherer und über alles stehender Künstler weit weg vom Klavier, wirkte es für mich unpassend. Er scheint unbeeindruckt von SS Offizieren, die Juden verprügeln da sie nicht grüßen und ihnen verbieten den Bürgersteig zu benutzen, da dieser für richtige Menschen da ist.
Aber als sich dann später auch in ihm die Angst breit macht, und er beginnt zu begreifen wo das alles hinführen wird. Ab da ist Brody wirkungsvoller als jeder Tom Hanks oder Bruce Willis. Wenn er spargeldünn, kaum bei bewusstsein durch die Ruinen Warschaus schwankt, auf der Suche nach etwas Ess- oder Trinkbaren. Oder voller Angst beobachtet wie vor seinem Versteck tote Menschen auf einen Haufen gepackt und verbrannt werden.
Thomas Kretschmann welcher eine Nebenrolle bekommen hat, spielt ebenfalls sehr gut. Seine Rolle ist zwar nicht die größte, aber trotzdem ist es das worauf ich gehofft habe. Denn nicht alle Nazis waren Völkermordende Faschisten. Viele waren nur Mitläufer die man erschossen hätte wenn sie sich quer gestellt hätten. Und so jemand ist Captain Wilm Hosenfeld (Kretschmann). Er weiß das Deutschland den Krieg velieren wird, und flüchtet Nachts deswegen in ein altes zerfallenes Haus mit einem Klavier um dort scheinbar Ruhe vor allem zu finden und sich an die Ruhigeren Tage vor dem Krieg zu erinnern.
Man spürt ihm an, für wie sinnlos er das alles erachtet und mit wie viel Abscheu er seinem Posten nachkommt.
Und das ist es auch was den ganzen Film so intensiv macht. Die Abscheu gegen die Zeit, den Krieg, die Grausamkeiten und den Tatsachen.
Ich finde es traurig und es macht mich auch ein bisschen wütend, das dieser Film wahrscheinlich nicht die Beachtung und Anerkennung erhalten wird die er verdient. "Schindlers Liste" ist jedem ein Begriff, und ich kann nur hoffen das dies mit "Der Pianist" irgend wann ebenfalls so sein wird.

Fazit:
Nach all den Jahre in denen Polanski einen grandiosen Film nach dem anderen gemacht hat, ist ihm hiermit wohl sein Glanzstück gelungen.
10/10 Punkten

Details
Ähnliche Filme