Review

kurz angerissen*

Kontrastreich und in schrägen Winkeln gefilmt, lässt sich Jack Hills Schwarzweißfilm bezüglich seiner Gattungszugehörigkeit zu Beginn kaum festnageln, entpuppt sich schließlich aber doch als intelligente, weil weitergedachte Bezugnahme auf den klassischen amerikanischen Horrorfilm. Lon Chaney Jrs Beteiligung, dessen Rolle als Wolfsmensch in einer Szene auch neckisch angedeutet wird, ist dafür sicherlich das größte Indiz. Chaneys Charakter wird Verzweiflung und Resignation getrieben, der Star zahlreicher B-Horror-Movies spielt im Alter von 62 Jahren passenderweise einen Chauffeur, der damit beschäftigt ist, eine Familie aus Psychopathen vor der Außenwelt zu verstecken, die gerade jene Art von „American Psycho Horror“ bedient, welche derzeit beispielsweise von Rob Zombie reanimiert wird.

Nicht von ungefähr erinnert die Konstellation auch stark an die damals gerade erst ausgelaufene Sitcom „The Munsters“ und mehr noch gar an das Konkurrenzformat „Addams Family“; insbesondere Sid Haigs Darstellung eines tumben, sabbernden Riesen passt sowohl in diesen Rahmen als er auch das Frankensteinmonster rezitiert, als Wesen, das die Verantwortung für das eigene Handeln nicht selbst trägt, sondern bei Anderen findet.

Hill gelingt es oftmals, der Dynamik zwischen Haig und den beiden weiblichen Hauptfiguren (Carol Ohmart und Beverly Washburn als diabolische Furien) eine Besonderheit zu entlocken, die im eher traditionellen Rahmen des Films fast schon als modern-visionär zu beschreiben ist und mit dem progressiven Charakter mancher Russ-Meyer-Werke anbandelt. Der Regisseur ist dazu bereit, Handlungsmotivationen nicht etwa in Ursprüngen zu ergründen, sondern durch den wagemutigen Sprung aus dem psychologischen Raster hinaus. Ein faszinierender Film insofern, als dass er klassische Horrormotive mit dem freigeistigen Schwung der späten 60er Jahre zeichnet.

*weitere Informationen: siehe Profil

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