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Klein angelegte, dann aber innerlich weit und ergiebig verstreute Krimikomödie mit dramatischen und dramaturgischen Unterton, die das Regiedebüt vom bisherigen Script Supervisor und Autoren Andrew Fung und so die Möglichkeit für den Sprung zu Mehr darstellt. Interessanterweise variiert Fung, der sich zuletzt in Arbeiten für das Milkyway Creative Team als Bestandteil einer Gruppe und weniger in alleiniger Eigenkreation hervorgetan hat, hier ein  Teil seines Konzeptes und der unterschwelligen Stimmung von Legendary Assassin (2008), zieht die Geschichte vom Trubel auf einem Eiland allerdings in einem deutlich ruhigeren, nichtsdestotrotz auch bei all der Besinnung turbulenten Interaktion auf:

Kopfgeldjäger Cho [ Chapman To ] erhält nach einem erfolglosen Angebot in Guangzhou von seinem Boss und Vermittler Tony [ Wen Chao ] die nächste Anforderung. Auf der Fährte des zwei Jahre lang gesuchten Räubers Lee Kin-fai [ Nick Wang ], der nach Informationen auf einer weitestgehend abgeschotteten Insel gesichtet wurde. Cho quartiert sich im "Lazy Inn" von Mr. Sun [ Alex Man ] und dessen Tochter Linda [ Fiona Sit ] ein, wo er aus falschen Gründen schnell die Aufmerksamkeit des Besitzers und seiner Angestellten erregt und überhaupt für Aufruhr in dem Dörfchen sorgt. Nicht nur, dass die heimische "Biting Sugar Cane Gang" während ihrer erpresserischen Touren an den kampferfahrenen Neuling im Ort gerät, auch mischt sich Chos krimineller Freund Yip On [ John Zhang Jin ] sowie die lokale Polizei [ Raymond Wong & Eric Kot ] bald unfreiwillig in dessen Geschäfte ein. Zudem ist auch Chos Mentor, der 'King of Bounty Hunter' Angry Bull [ Michael Hui ] hinter der Prämie von 400.000 $ her.

Die Parallelen zu dem Actionfilm, mit dessen Elementen man hier mal mit dem Spannungsmotiv, dann aber vielmehr in der pointieren Auflösung dessen und so als Mittel zum Zweck spielt, liegen dabei eher im Detail als dem Offensichtlichen vergraben. Neben der Wirkstätte einer fern der Gesellschaft und umrandet von Wasser gelegenen Örtlichkeit außerhalb der urbanen Zivilisation Hong Kongs, der Ankunft eines Fremden in dieser verlassenen Allgemeinheit und dem allerlei Grau von Streitern für das Recht und scheinbaren oder tatsächlichen Vertretern der Kriminalität steht auch hier die Suche nach dem Sinn und das Finden nach der wahren Bestimmung hinter all dem Vorgetäuschten im Augenmerk. Wo sich dort der Rächer inkognito mit einer unwissenden Polizistin und dies aus hehren Absichten annäherte und später gegen das gemeinsame Übel verbündete, ist hier der Ex-Cop und Kopfgeldjäger mit der nächsten und auch einzigen Begleitperson des gesuchten Kriminellen im Bunde, wobei beiderlei Beziehungen erst und auch zumeist auf rein privater Ebene fungieren.

Doch was damals die Bremse, da eher das schmückende Beiwerk und nicht tatsächlich interessant für den Fortgang war, ist nun der entscheidende Gewinn, ist die Kommunikation zwischen den Figuren und ihr meist gar nicht so freiwilliger Verbund der wahre Zusammenhalt. Dabei gilt dies erstaunlicherweise für alle (Haupt)Beteiligten auf der Insel, die auch erst im Miteinander die wichtigen Schlüsse und gar die wichtigen Erfahrungen für Hier und Jetzt und für später machen. Neben all den Spässeln, die anfangs durchaus knallig und absurd, aber nicht zu verkrampft laut, sondern wie im kreativen Nebenher kommen und zuweilen Willkommenes in Sachen Eigensinn und Pointe mit Liebreiz gestatten, wird es später so noch emotionaler und gewichtiger im Fundament. Mögen die Veränderungen auch manchmal seltsam angesichts des zuvor Gezeigten und wie spontane Einfälle der Unlust an dem Bisherigen und so auch wie die kleineren Kampf-Einlagen mehr Larifari wirkend, so sind sie doch niemals störend im Sprunghaften, sondern von insgeheim langer und sicherer Hand vorbereitet. Nicht immer richtigen Ton, aber nah dran und dies angenehm intim und persönlich, für Fung selber wichtig und so auch in mancherlei scheinbarer Nichtigkeit dennoch eminent als Teilhabe.

Sowieso entwickelt der Film, aus dem scheinbaren Nichts und auch nur für den begrenzten Kreis an Zuschauern, zudem noch die des eh darbenden Hong Kong Kinos und abseits des Mainstream produziert, trotz sicherlich vorhandener Schwächen seinen eigenen besonderen Reiz. Die Wahl der Schauspieler, darunter das  Mr. & Mrs. Gambler (2012) Paar samt einigen aufmerksamen Cameos, ist ebenso vorzüglich gewählt wie die Location von Lokalität in und um das Inn. Drinnen ein verblasster Rotton, der seine beste Zeit schon hinter sich und den erneuten Anstrich nötig hat, aber außer einer Empfangshalle, drei Türen und einem Gast im Zimmer sowieso überhaupt nur kontingentiert existiert. Draußen gleichsam die kurzlebige, aber dafür dann auch zum Bleiben und Schwelgen einladende Szenerie aus Meeresbucht, zwischen Anlockung und Abschreckung schwankenden Unterholz, welches als zwischenzeitlicher Unterschlupf des Gefahndeten und Ausrede für die Beendigung des Suchtrupps dient, plus ein Märchenwald bei Tag und auch bei Nacht.

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