Review

Julian (José Luis López Vazquez) ist erfolgreicher, lediger Radiologe in einer spanischen Kleinstadt. Nachdem sein bester Freund Pablo (Alfredo Mayo) verheiratet aus Afrika zurückkehrt, verliebt er sich ziemlich schnell in dessen Frau Elena (Geraldine Chaplin). Immer deutlicher macht er sich an sie heran, sie ist meist amüsiert von seinen Avancen, weist ihn aber schließlich ab. Nach dieser Ablehnung macht er sich daran, seine von ihm bislang wenig beachtete, unauffällige Sprechstundenhilfe Ana (auch Geraldine Chaplin) in Elena umzutransformieren.

Carlos Sauras preisgekrönter „Peppermint Frappé“ beschreibt (spieß)bürgerliche Obsessionen, Abgründe und Konflikte in einem erzkatholischen, noch diktatorischen Spanien in den letzten Jahren der Franco-Diktatur. Dabei zwinkert er nicht nur deutlich Richtung Luis Bunuel (dem der Film gewidmet ist), sondern auch Richtung Alfred Hitchcocks „Vertigo“.

Julian, hervorragend verkörpert von José Luis Lopez Vazquez, ist so zwanghaft wie strukturiert, so erfolgreich wie pedantisch. Sein Tage sind von dröhnender Monotonie, seine Wochenenden in einem seltsamen Apartment nahe einer abbruchreifen Klinik (wo er als Kind gespielt hat) ebenso.
Er ist so geblendet von der modernen, aufregenden und kapriziösen Elena, dass ihm gar nicht auffällt, dass seine Assistentin Ana ihr so ähnlich sieht…nur eben stiller und schlechter gekleidet ist.

Und so nimmt der methodische Plan zur Umgestaltung Anas seinen Lauf… immer mehr transformiert er sie zu Elena und sie akzeptiert dies, weil sie sich schon länger in den erfolgreichen Arzt verliebt hat. Es geht auch gar nicht um Ana, sondern darum, dass er kein Single mehr sein will (sein Freund Pablo zieht ihn deshalb immer auf) und er seine Elena-Version haben will, wenn er schon das Original nicht haben kann. Dabei muss im katholischen Kleinstädtchen die Fassade gewahrt werden und alles geschieht diskret, aber nicht weniger nachdrücklich.

Erstaunlich, wie ein so subversiver Film die strenge spanische Zensur jener Jahre passieren konnte, wohl zu privat wirkten die Ereignisse, dabei sind sie hochpolitisch. Denn Obsessionen gab es auch im bürgerlich-biederen Spanien jeder Jahre, nur verborgener und eine so moderne, selbstbestimmte Frau wie Elena kann nur durch eine devote wie Ana ersetzt werden. Ich mag Carlos Sauras Filme aus dieser Zeit extrem gerne und dieser hier zählt zu meinen Favoriten. Großartig inszeniert und gefilmt und, wie gesagt, hervorragende Darsteller. Peppermint Frappe ist übrigens der Name eines Pfefferminz-Cocktails…sieht gut aus!

9/10

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