Bauunternehmer Antonio reist zu einem Wochenend-Trip mit seiner Frau Teresa (Geraldine Chaplin) und seinem Mitarbeiter Fernando, der bald ein größeres Bauprojekt am Meer leiten soll, zu eben jenen Strand, wo gebaut werden soll. Auf dem Hinweg werden sie Zeugen eines brutalen Verkehrsunfalls und besuchen außerdem die Tante Antonios, die auf einem abgelegenen Hof wohnt. Je näher sie ihrem Ziel kommen, umso steigern sich die Spannungen zwischen den Dreien, zumal Antonio vermutet, dass Fernando und seine Frau eine Affäre haben und dies scheint sich tatsächlich zu bestätigen.
Carlos Sauras Film entstand 1968, noch zu Zeiten des Diktators Franco, der seit dem Bürgerkrieg in den 30ern das Land fest in einem totalitären Griff hatte, der höchstens Muff sowie die katholische Kirche florieren ließ, dafür nur wenig künstlerische Freiheiten oder gar Demokratie erlaubte. Umso erstaunlicher ist Sauras anspielungsreicher Film auch heute noch. Trotz seiner minimalen Ausgangsposition ist er keine Minute langweilig und die Konstellation der Personen zueinander ist stets fließend, nie wirklich ganz klar. Ob sich Antonio seine Ängste wirklich nur einbildet, ist genauso fraglich, wie die, wem seine Besessenheit wirklich gilt: seiner Frau oder seinem Mitarbeiter. Immer wieder gibt es kleine Hinweise auf latent homoerotische Bezüge, gepaart mit christlicher Märtyrersymbolik (der heilige Sebastian). Und immer wieder wird seine Männlichkeit vermeintlich in Frage gestellt, stets versucht er seiner Frau zu beweisen, was für ein Macho er ist, so beim Motorradfahren, wo er sich prompt aufs Ei legt oder als er sie verführen will und sie ihn barsch wegstößt und empfiehlt, sich kalt zu duschen.
Die Schauspieler, neben Geraldine Chaplin (mit der Regisseur Saura viele Filme drehte und mit der er lange liiert war), noch Juan-Luis Galiardo und Fernando Cebrian (der erst vor wenigen Wochen verstarb) überzeugen, ebenso wie der fast dokumentarische wirkende sachliche Stil der Kamera (in schwarz-weiß) und die sparsam eingesetzte Musik.
Eine echte kleine Perle, auch heute noch sehenswert und leider nur schwer erhältlich... das sollte sich ändern, wie sowieso noch viel mehr ältere Filme von Saura veröffentlich werden sollten!