Review

Skyfall (2012)

Es ist schwer in diesen Tagen dem Bond Fieber zu entgehen - wieso auch. Spitzen Kritiken, ein eindringlicher Bond Song und Rekord Einspielergebnisse am ersten Tag verheißen dass da was Besonderes auf uns zu kommt. Groß war meine Euphorie nach dem perfekten "Casino Royale" und genauso groß auch die Enttäuschung über den schwachen "Ein Quantum Trost". Wieso blieben die Macher nicht dem Rezept von "Casino Royale" treu ? Es wäre doch so einfach gewesen dort weiter zu machen. Die gute Nachricht, "Skyfall" macht genau dort weiter und geht sogar noch einen Schritt weiter. Mein Kurzfazit vorweg: hervorragend - so muss ein Bond Film sein.

Zur Story: wie immer verrate ich hier nichts. Aber was ich sagen kann die Story ist hier schon anders - aufwendiger - wie sonst. Es geht nicht nur um den Bösewicht und seine Pläne, nein - es geht um die Ehre des MI6 und die Figur Bond selbst. Auffällig gegenüber anderen Bond Filmen ist die Tiefe der Charakterzeichnung/-entwicklung einiger Figuren, besonders der von Bond. Man lernt Bond in diesem Film besser kennen, wie in allen anderen Filmen zusammen. Dafür nimmt sich Regisseur Sam Mendes (Jarhead) auch genügend Zeit und man merkt wie wichtig ihm die einzelnen Charaktere sind. Das Ganze macht er aber ohne aus den Augen zu verlieren, dass ein Bond Film auch ein Action Abenteuer vom Feinsten sein muss. Auf die Lauflänge von 150 Minuten wechseln sich ruhige und actionlastige Szenen sehr gut ab und es wird nie langweilig.

Das verdankt "Skyfall" vor allem einem brillanten Daniel Craig der ein absoluter Glücksfall für die James Bond Franchise ist. Daniel Craig ist James Bond - wer es jetzt noch nicht kapiert hat dem kann ich auch nicht helfen. Die doch sehr unterschiedlichen Bond Darsteller lassen sich nicht miteinander vergleichen, aber Craig ist definitiv der coolste und sympathischste Bond. Er erfindet die Figur Bond komplett neu. Weg vom glatten Überagenten dem mit Hilfe von unrealistischen Gimmicks fast alles gelingt. Hier darf Bond Gefühle zeigen, ist verletzlich und kommt rau und authentisch rüber. Klar hat er seinen Job schon extrem gut drauf aber so realistisch wie in diesem Bond ging es noch nie zu. Auch die anderen Darsteller sind handverlesen und tragen zum hochwertigen Gesamtergebnis bei. Javier Bardem präsentiert hier einen sehr speziellen Bösewicht und auch die Bond Girls Naomi Harris und Berenice Marlohe können ihre Finger nicht von Bond lassen.

Aber keine Angst es handelt sich bei "Skyfall" nicht um eine Charakterstudie sondern immer noch um einen Bond Film, also darf die Action nicht fehlen. Und die ist gewohnt aufwendig und hochwertig ohne dass zu sehr übertrieben wird. Die Wucht der Verfolgungsjagd am Anfang von "Casino Royale" wird nicht ganz erreicht, aber man ist nah dran und präsentiert viel Abwechslung. Man verzichtet Dankbarerweise auf die Wackelkamera und auch sonst bekommt man auffällig hochklassige Kameraarbeit zu sehen. Da kommen die gut ausgewählten Locations wie Istanbul, Shanghai oder Macau richtig zur Geltung. Auch positiv ist zu Vermerken, dass die meisten Szenen nach Hand-/Stuntarbeit aussehen und der CGI Einsatz klein gehalten wurde und wenn dann nicht störend auffällt. Das verdankt "Skyfall" auch der Tatsache, dass Bond hier keine Daniel Düsentrieb Gadgets zur Verfügung stehen. Das passt einfach auch nicht zu diesem Bond und man gewöhnt sich recht schnell dran. Ich fand sogar die personifizierte Walther schon etwas zuviel des Guten und fast unpassend. Sehr gelungen ist auch der Bond typische Vorspann, zusammen mit dem Titelsong von Adele eine stimmige Einleitung. Der Score generell ist leider relativ unauffällig, kann aber immer dann punkten wenn er das bekannte James Bond Thema aufgreift.

Für mich mindestens so wichtig wie gute Action sind die trockenen Oneliner von Daniel Craig. In "Casino Royale" waren sie extrem treffsicher und zum Wegschmeißen komisch. Hier gibt´s davon auch jede Menge und sie treffen auch fast immer. Sie sind vielleicht nicht mehr ganz so trocken wie bei "CR", aber stets glaubwürdig und passend.

Es ist schwierig einen richtig negativen Punkt an "Skyfall" zu finden denn da gibt es nichts. Kleine Verbesserungsvorschläge wären: Für meinen Geschmack hätte dem Film etwas mehr Härte gut gestanden, ein Bond Film muss ja nicht unbedingt ab 12 sein. In dem Kino in dem ich war, ist es sogar Kindern ab 6 in Begleitung der Eltern gestattet - was hoffentlich keiner macht. Weiterhin hätten es noch mehr Oneliner sein dürfen und auf die Lauflänge gesehen 1-2 Actioneinlagen mehr.

Insgesamt ist "Skyfall" Unterhaltung auf höchstem Niveau und wegweisend für die nächsten Bond Filme. Das verdankt man vor allem der coolen Sau Daniel Craig sowie Regisseur Sam Mendes - beides würde ich nicht mehr austauschen.

Selten hatte ich direkt nach dem Kinobesuch so Lust auf den nächsten Teil 10/10

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