Daniel Craig ist spätestens nach diesem Film mindestens der zweitbeste Bond aller Zeiten. Soviel sollten wir jetzt schonmal sagen dürfen. Egal wie schlecht noch folgende Bond-Filme werden sollten, die Gurken-Bond-Vita von Brosnan, Dalton oder Moore hat er mühelos in die Schranken verwiesen. Lazenby's einziger Bond steht nach wie vor wie eine Eins, und Connery ist nach wie vor unerreichbar.
Soviel zu Craig, nun zum Film.
Angeblich ist dies ein Bond, der extrem untypisch Bond ist, wie es nur geht: Kaum exotische Plätze, Bonds Seelenleben soll bloßgestellt werden, und die Story soll eher eine Rachestory sein, voll mit excellentem Schauspiel. Nicht umsonst sind solche Schauspieltitanen wie Judi Dench, Ralph Fiennes, Albert Finney und Javier Bardem mit von der Partie.
Der Schurke ist angeblich kein Megalomane, der auch noch total verunstaltet ist, sondern ein Ex-Agent, der sich rächen möchte.
Wir haben keine technischen Sperenzchen, sondern realistische Gadgets wie einen Mini-Peilsender.
Und die Bond-Girls: Beinahe im Vorbeigehen Beiseite gewischt.
All dies wird durch die virtuose Regie von Sam Mendes und dessen Kameramann in extrem ansehnliche Bilder verpackt und mehr als nur bedeutungsschwanger auf Zeluloid gebannt.
Bond ist am Ende seines Weges angelangt, nur um Anfang wieder zu starten.
Eine Reise in die Vergangenheit, wohl war...
Und was ist an all dem dran? Wie gut ist der dritte Bond mit Craig tatsächlich?
Für einen Bond ist er außerordentlich gut und sehr tiefsinnig, er ist so gut, dass er irgendwann beim Zuschauer das Gefühl weckt, etwas ganz Großes zu sehen. So eine Art Schwanengesang eines taumelnden Titanen. Hierfür bedient sich Mendes gekonnt in der Popkultur, einzelne Bildkompositionen könnte man auch als Poster ausdrucken und kommerzialisieren, so filigran ist alles arrangiert.
Man bekommt von Bond gerade soviel mitgeteilt, dass man denkt, jetzt weiß man was über ihn.
Aber das was man erfährt ist ehrlich gesagt wertlos, gerade weil es einem so auf dem Präsentierteller serviert wird. Hierbei wird auch eine Geschichte für Bond erschaffen, die ein bißchen - sagen wir mal - groschenheftmäßig wirkt. Welchen Antrieb sollte so ein junger Mann haben, ein Spitzenagent werden zu wollen?
All dies wird ausgeblendet, vom Innenleben Bonds erfährt man nichts. Natürlich glaubt der Zuschauer, dass er genau dies tue.
Was man erfährt, ist eine beängstigende Wahrheit über Loyalität und Hörigkeit bis in den Tod - in mehrerlei Hinsicht.
Ratte frißt Ratte - aber niemals die Mutter?
Es wird Bond hier ein Spiegelbild vorgesetzt, der gerade dadurch so interessant ist, weil er ein eigentlich verzerrtes Spiegelbild ist. Immer wieder wurde seit Judi Dench M wurde auf dieses Spiegelbild verwiesen, schon bei Brosnans erstem Antritt als Bond. Und hier sieht man wirklich mehr als nur eine Parallele: Waisenkinder sind prädestinierter dafür Agenten zu werden, ein Ex-Agent als Schurke, und M als unerbittliche Rektorin, der man gefallen will, nicht dem Staate dienen, sondern ihr, egal wie weit sie es treibt. Wenn das nichts Sexuelles hat?
Wer ist wohl das ultimative Bond-Girl?
Ursula Andress (die erste?), Diana Rigg (die Ehefrau?), Eva Green (die große Liebe?)? Oh nein, es muß die sein, der er gehorchen muß. Hörigkeit....
Zumal sie auch ihm Rechenschaft abzulegen bereit ist, nur um ihn im gleichen Atemzug zu opfern: So sind die Regeln, und deswegen akzeptiert und "liebt" der Agent (beide, sowohl der aktuelle als auch der Ex) die Mutter - wenn schon nicht der Nation, dann doch der Seele.
Aber Eltern gehen irgendwann...
Interessanter Aspekt, nuanciert von Craig gespielt; mit Verve von Bardem auf die Leinwand gepfeffert. In der Theorie ganz großes Kino. Und gerade weil sich Mendes anmaßt, auch noch in seiner Bildgestaltung sich von Nolan inspirieren zu lassen, der sich wiederum bei Bond inspirierte, wirkt alles nur noch edler.
Scheint so als wäre alles anders?
Nun ja, soviel sei verraten: Nichts ist anders, alles wird so wie es immer war.
Hier ein paar Beispiele:
Der Vorspann ist eine Augenweide, zum ersten Mal seit Jahr(zehnt)en haben wir hier einen Klassevorspann, der einem in Erinnerung haften bleibt und das beste Bond-Titellied mindestens seit Tina Turner, wenn nicht gar länger - Adele!
Der Schurke ist bei jedem klassischen Bond-Film in einem kurios anmutenden Versteck - eine Insel, eine Bohrinsel, eine Raumstation, ein Jagdschloß etc. - und hier? Eine Insel, die glatt aus Inception hätte sein können (tja, ironie des Schicksals, siehe oben).
Wenn es mehrere Bond-Girls gibt, wieviele überleben meistens?
Und hier könnte die Antwort auf das ultimative Bond-Girl doch etwas anders ausfallen als noch zwei Absätze weiter oben, und doch würde auch diese Antwort Sinn machen, mancher Nostalgiker mag zustimmen.
Und der Schurke selbst? Ungeschminkt geht es nicht klassischer...
Bringt uns zu den Neuerungen, die uns zu dem Altbekannten bringen. Q, die Pistole und der Peilsender: Rückkehr zu Liebesgrüße aus Moskau, dem zweiten Connery-Bond - also ein Film zu spät?
Der Wagen - Goldfinger? Jetzt würde es passen...
Ein geschüttelter Martini? "Perfekt"
Aber, welcher Zusammenhang besteht hier zwischen diesen alten Requisiten, der Filmmusik, die uns suggeriert, dass Bonds Craig immer mehr seine Reise zu unserem uns bekannten Bond vollendet, und der Filmhandlung? Craigs Bond hat nichts mit dem bekannten Aston Martin am Hut(-Ständer?) zu haben.
Für die Handlung sinnlose Querverweise in 50 Jahre Filmhistorie...
Und doch!
Bringt uns unaufhaltsam zum Showdown, der nicht nur Bond-Zitate hat sondern komplette Popkulturreferenzen von sich gibt, nur um dann eine unmotivierte Aneinanderreihung bekannter Motive in einen wirklich lahmen Klichee-Klimax münden zu lassen, deren Quintessenz sich möglichwerweise wie folgt liest: Mendes hat die Eier, Bond zum Weinen zu bringen.
Am Ende diesen Bond-Filmes steht der oft zitierte Anfang, wie seinerzeits bei Star Wars III. Erwähnte ich schon den Hutständer?
Ist das alles plausibel? Nein.
Macht es Sinn, dass z.B. eine Topagentin sich für sowas hergibt? Nein!
Aber im Bond-Universum muß es so sein, weil es wohl immer schon so war!
Und die Quintessenz dieses Ergusses? Mendes' Bond wird sicherlich als einer der besten in die Historie der Bond-Filme eingehen. Er versucht sich darin, einen bedeutungsschwangeren interessanten Bond mit vielerlei Facetten abzuliefern, verheddert sich am Ende aber in einem schlechten B-Movie-Finale, das auch noch seine vorher so komplex ausgeleuchtete Schurken-Figur inkonsequenterweise der Lächerlichkeit preisgibt. Javier Bardem ist hierbei kein Vorwurf zu machen, denn so jovial er seine Figur spielt, er hätte sicherlich den besseren Hans Landa, Hanibal Lecter oder Heath Ledger gegeben (ist es Zufall dass all die Initialen H.L. sind?)
So muß ich leider sagen: Gut ist nicht gut genug. Der Weg, den man mit Casino Royale und Quantum Trost beschritt, war ein mutiger, und mit dem Anfang diesen Filmes hatte man die vage Hoffnung, dass die Bond-Macher den Mut haben könnten, endlich (nach 50 Jahren) den besseren Bond noch weiter zu kopieren: Harry Palmer ... aber diese Eier hat nicht einmal Mendes. Und nicht umsonst gilt Michael Caine als der coolere Connery...
Sicherlich ein Klasse-Bond, aber schlechter als Casino Royale und mit 7 Punkten noch gut bedient.
7 Punkte