"Manche Dinge mache ich lieber auf die altmodische Art."
Bei einem Einsatz in der Türkei wird Geheimagent James Bond (Daniel Craig) von seiner Kollegin Eve (Naomie Harris) angeschossen und vom MI6 für tot erklärt. Während sich M (Judi Dench) für den daraus resultierenden Verlust einer Liste geheimer Agenten im auswärtigen Einsatz vor Mallory (Ralph Fiennes) rechtfertigen muss, genießt Bond seinen vorübergehenden Ruhestand. Ein Anschlag auf das Gebäude des Geheimdienstes lässt den heimatverbundenen Agenten allerdings zurückkehren und seine Arbeit wieder aufnehmen. Sein Ziel ist der ehemalige Agent Raoul Silva (Javier Bardem), der es auf M abgesehen hat.
Mit "Casino Royale" bekam das James Bond Franchise einen neuen Anstrich. Aus dem einst so unzerbrechlichen Agenten wurde ein geerdeter, rauer und gleichzeitig seriöser Charakter, den man so nur in Ansätzen wieder erkannte. Der Überraschungseffekt sowie die ungewohnte Härte überzeugte den Großteil des Publikums und der Kritiker. Der direkte und sehr langatmige Nachfolger "Ein Quantum Trost" enttäuschte dagegen mit einem schwachen Drehbuch und einem austauschbarem Bösewicht.
Für Regisseur Sam Mendes ("American Beauty", "Road to Perdition"), der eher für seine ruhigeren Filme bekannt ist, bedeutet dieser Umstand eine besondere Herausforderung. Und es ist geradezu beeindruckend, wie er mit "Skyfall" die James Bond Reihe zu erneuter Größe führt.
Nach einer bestens inszenierten Eröffnungssequenz und dem sehr klassischen Intro zeigt Mendes einen Bond, der kaum menschlicher sein könnte. Sein Gesicht ist zerknittert, der Teint fahl, der Bart struppig, die Augen müde und blutunterlaufen. Beim Schießtraining zittert ihm die Hand, und nach den Verfolgungsjagden schnappt er nach Luft.
Das Thema der Alterung ist eine Komponente der Handlung. Mit einer gewissen Ironie beziehen sich Dialoge und Situationen immer wieder auf die schleichenden Schwächen des Agenten. Bei dem 23. James Bond Film ist dies aber nicht der außergewöhnlichste Aspekt.
Der Humor wurde weitestgehend zurück gefahren. Zu bissig und zynisch sind die Dialoge, um über sie lachen zu können. Eher zu ungewohnten, wie homoerotischen, Ansätzen, lockert sich die bierernste Spannung etwas auf.
"Skyfall" ist überwiegend in Bewegung. Und das obwohl die Actionszenen nicht den Löwenanteil ausmachen. Der Agenten-Thriller erzeugt eine ständige Bedrohung die mal sichtbar, mal unsichtbar mitläuft. Trotz einiger Wendungen bleibt der Film aber fast immer vorhersehbar.
Die Action ist sicher nicht innovativ, jedoch effektiv und brachial umgesetzt. Verfolgungen, Schusswechsel, Nahkämpfe und Explosionen sorgen für eine anständige Abwechslung, wobei letztere eine nicht ganz so perfekte digitale Illusion vermitteln.
Optisch gelungener ist die Bildsprache von Kameramann Roger Deakins. Bereits für "No Country for Old Men" lieferte er beeindruckende Panorama-Ansichten, die sich auch in "Skyfall" wieder finden. Egal ob in einem staubig-trockenen Istanbul, farbenfrohen Shanghai oder weitläufigen Schottland.
Kritik muss sich der Agenten-Thriller aber auch trotz der vielen guten Aspekte gefallen lassen. Gerade wegen seiner Bodenständigkeit fallen Logiklücken noch mehr auf. Gegen Ende des Films häufen sich diese. So darf ein zur Rush Hour unbesetzter Zug durch eine Mauer brausen oder der Gegenspieler mit Leichtigkeit zum Kopf des Geheimdienstes vordringen, trotz vorheriger Warnungen eines Übergriffes.
Dank der ausgefeilten Charakterzeichnung mimt Javier Bardem ("No Country for Old Men") einen der besten Bond Gegenspieler überhaupt. Die Szenen mit Craig und Dench dominiert er durch seine enorm gewandte Spielweise.
Daniel Craig ("Cowboys & Aliens", "Lara Croft: Tomb Raider") sowie Judi Dench ("Tagebuch eines Skandals") agieren gewohnt souverän. Ralph Fiennes ("Harry Potter"-Reihe, "Schindlers Liste"), Naomie Harris ("28 Tage später", "Fluch der Karibik"-Reihe), Ben Whishaw ("Das Parfum") und insbesonders Bérénice Marlohe kommen nur wenig zur Geltung.
"Skyfall" bietet im Endeffekt mehr als man hätte erwarten können. Das überwiegend hohe Tempo erzeugt eine enorme Spannung, ebenso die Konversationen und die bisweilen verdammt spektakulären Actionsequenzen. Die Präsentation ist angenehm altmodisch mit einer guten Portion Selbstironie serviert. Auch stilistisch sowie technisch gibt sich der Agenten-Thriller zu keinem Zeitpunkt die Blöße. Etwas unangenehm fallen dafür offensichtliche Schwächen in der Logik auf. Gerade da "Skyfall" einer der authentischsten James Bond Filme bislang ist. Knappe ...
9 / 10