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Auch der dritte Film mit Daniel Craig in der Rolle des britischen Agentenhelden 007 bleibt der neu eingeschlagenen Richtung treu. Regisseur Sam Mendes (American Beauty, Jarhead) macht dort weiter, wo Casino Royale (2006) aufgehört hat und Ein Quantum Trost (2008) dann leider nicht weiter gehen wollte und präsentiert uns mit Skyfall einen düsteren Action-Thriller, der mit weiteren Traditionen des Bondfilms bricht.

James Bond (Daniel Craig) ist auf der Jagd nach einer Festplatte, die streng geheime Daten von getarnt operierenden Agenten enthält und leider in die Hände eines Auftragskillers geraten ist. Begleitet wird er bei diesem Auftrag von seiner schlagfertigen, aber leider nicht sehr zielsicheren Kollegin Eve (Naomie Harris). Als sie den mit Bond kämpfenden Auftragskiller am Ende einer spektakulären Verfolgungsjagd durch Istanbul ins Visier nehmen kann und von “M” (Judi Dench) den ausdrücklichen Schießbefehl bekommt, verfehlt sie ihr Ziel und trifft Bond. Dieser stürzt daraufhin in einen Fluss und wird schließlich vom britischen Geheimdienst MI6 für tot erklärt. Einige Monate später erschüttert ein Bombenanschlag das Hauptquartier des MI6, was Bond, der überlebt hat und gerade begonnen hatte, sein offizielles Ableben zu genießen, dazu veranlasst, nach London zurückzukehren. “M” erkennt, dass Bond körperlich und mental angeschlagen ist, spürt aber instinktiv, dass dieser ihre letzte Chance ist, das Leben der von der Enttarnung bedrohten Agenten zu retten und die gegen den MI6 und damit vermutlich gegen Sie selbst gerichtete Bedrohung abzuwehren. Bonds Suche nach den Drahtziehern führt ihn ins nächtliche Shanghai, auf eine geheimnisvolle Insel voller Ruinen und schließlich ins nebelige Schottland, wo sich sowohl “M” als auch Agent 007 den Schatten ihrer Vergangenheit stellen müssen.

Skyfall thematisiert Loyalität und Opferbereitschaft sowohl von Agenten als auch ihren Einsatzleitern und ist damit deutlich dunkler und tiefgründiger, als seine Vorgänger es bisher sein konnten oder wollten. Dazu passend verzichtet Sam Mendes weitestgehend auf spektakuläre Gadgets oder übertriebene Stunts. Bis auf eine kurze Duschszene mit einem leider sehr kurzlebigen Bondgirl (Bérénice Marlohe) gibt es keine amourösen Abenteuer und auch der Humor im Film ist entweder verhalten oder zynisch. Im Fokus von Skyfalls Handlungsgeflecht steht eindeutig die ambivalente Beziehung zwischen Bond und “M”, die anfänglich durch den Schießbefehl auf eine Belastungsprobe gestellt wird, jedoch im weiteren Verlauf der Handlung deutliche Züge einer respektvollen Freundschaft offenbart. Sowohl Daniel Craig als auch Judi Dench liefern hier wieder gewohnt gute Darstellerleistungen ab und dies ohne dabei viele Worte zu verlieren. Aber auch der Rest der Besetzung überzeugt. Insbesondere Ben Whishaw als neuer, verjüngter “Q” und Javier Bardem als psychotischer Racheengel und Gegenspieler.

Als Konstante im 007-Universum entpuppt sich wieder einmal die Action, die besonders in der anfänglichen Verfolgungsjagd sehr einfallsreich inszeniert wurde und es auch am Ende eindrucksvoll krachen lässt. In Kontrast dazu gibt es viele langsame und leise Szenen, die diesmal auch Einblicke in Bonds Vergangenheit und Werdegang gewähren. Das trägt zwar ein wenig zur Entmystifizierung des Charakters bei, macht Bond jedoch als Menschen ein Stückchen authentischer und damit glaubwürdiger. Allen Szenen und Schauplätzen gemein ist eine sehr stilsichere und ästhetische Bildsprache, die Skyfall in der Erinnerung wie eine Reise durch eine beeindruckende Fotoausstellung nachwirken lässt. Ein Zweikampf der Schatten vor einer hypnotisch-neonfarbenen Werbetafel, das funkelnde Lichtermeer der nächtlichen Skyline von Shanghai, ein Segelboot in der Weite des azurblauen Pazifik, eine sonnendurchflutete Ruinenstadt oder auch die triste Romantik des nebeldurchzogenen schottischen Tieflands. Untermalt werden diese einprägsamen Bilder von einem exzellent abgestimmten Soundtrack, der mit Adeles Titelsong einen echten Ohrwurm bereit hält. Skyfall ist vermutlich kein Bond für Machos und Gadget-Fans, ganz sicher aber ein Bond für die Sinne.

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