Das Spanien in Sachen Horror und Thriller schon so einiges auf dem Kerbholz hat, und zwar im positiven Sinne, haben sie uns schon des öfteren bewiesen. Man denke dabei vor allem an die Thriller von Regisseur Jaume Balagueró, welcher mit Werken wie "The Nameless" oder "Rec" auf sich aufmerksam gemacht hat. Seit kurzem nun ist ein neuer Thriller aus dem sonnigen Lande auf Erfolgskurs. In den Charts gut platziert und von den Kritikern hoch gelobt, zieht "The Body" seinen Siegeszug nun auch bei uns fort. Und das zurecht, ist der Film doch atemberaubende Spannung pur.
Die Geschichte erzählt von einem jungen Mann, welcher in ein Leichenschauhaus gerufen wird. Die Leiche seiner kürzlich verstorbenen Frau ist verschwunden, welche kürzlich ermordet wurde. Viele Zeichen deuten auf ihn als Täter hin, würde er von dem Tod doch am meisten profitieren. Aber warum stiehlt jemand die Leiche der Frau? Nach und nach kommen immer mehr Ungereimtheiten in dem Fall ans Licht und Inspektor Pena hat alle Hände voll zu tun, um die mysteriösen Vorkommnisse aufzuklären... Die Story klingt wie aus dem Handbuch des Mysteryfilms. Eine verschwundene Leiche, ein überarbeiteter Inspektor und ein merkwürdiger Mann, welcher anscheinend mehr zu wissen scheint, als er zugibt. All das hat man auch schon in anderen Filmen dieser Art zu Gesicht bekommen. Doch nur selten war das Ganze dabei so nervenaufreibend wie hier.
Regisseur Oriol Paulo zieht wirklich alle Register um Spannung zu erzeugen. Die Storyline ist vertrackt, verschachtelt und lädt zum mitdenken ein. Kaum etwas ist über den Filmverlauf so wie scheinen mag und an nicht wenigen Stellen wird der Zuschauer gekonnt aufs Glatteis geführt. Vor allem durch die Vermischung von Gegenwart und Flashbacks der einzelnen Figuren, ins Besondere von Hauptcharakter Álex, wird der Zuschauer nur so mit Informationen zugeschüttet, welche er jedoch auch unbedingt aufnehmen muss, um dem Verlauf bis ins letzte Detail folgen zu können. Und es bleibt im Endeffekt alles logisch. Eine Kunst, die nicht jeder Thrillerfilm von sich behaupten kann.
Selbst mit seiner Auflösung, welche der Zuschauer wirklich erst in den letzten fünf Minuten serviert bekommt, bleibt der Film auf einem nachvollziehbaren Weg. Auch wenn man das Ende gerne als etwas arg an den Haaren herbeigezogen und als konstruiert bezeichnen kann, so muss man doch zugeben, dass man es nicht mit einem Schluss zu tun bekommt, der wirklich unlogisch wirkt. Der Plan, welcher sich hier entblößt, ist, aus theatralischer Sicht, einfach einer, der dem Zuschauer das Kinn ganz weit nach unten klappen lässt und ihn dabei dennoch zufrieden stellt. Alles andere wäre Jammern auf hohem Niveau.
Hinzu kommt zudem eine beissende Atmosphäre, welche den Filmfan ganz tief in das Herz des Leichenschauhaus hinzieht. Wenn die Charaktere durch die dunklen Flure spazieren und dann plötzlich mit tosendem Lärm etwas Unerwartetes passiert, dann rutscht einem das Herz schon mal in die Hose. Vor allem der Sound hat es in sich und wer eine gute Heimkinoanlage sein eigen nennen darf, der wird vermutlich noch ein ganzes Stück intensiver unterhalten werden, als der gewöhnliche Stereo-Zuschauer.
Kurzum "The Body" hat das Zeug zu einem nahezu perfekten Mystery-Thriller, der unter die Haut geht. Egal ob es das clevere Drehbuch ist, die irren Wendungen, das Big Eyes-Finale oder nur die Atmosphäre, welche vor allem durch den perfekten Sound zum tragen kommt, hier bekommt man als Freund des spannungsgeladen Filmwerks genau das was man haben will. Selbst für einen zweiten Blick ist "The Body gut zu gebrauchen, denn wenn man erst einmal weiß wo der Hase langläuft (und das werden nur die Wenigsten vor der Auflösung wissen), gibt es mindestens noch einmal so viel zu entdecken, wie beim ersten Mal. Eine dicke Empfehlung!
8,5/10 Punkte