Durch einen mysteriösen Autounfall am Leichenschauhaus wird Inspektor Peña (José Coronado) zum Unfallort gerufen und bekommt von seinen vor Ort ermittelnden Kollegen mitgeteilt, dass der alteingesessene Nachtwächter vor irgendetwas weggelaufen ist. Dieser liegt jedoch im Krankenhaus im Koma und kann keine Antwort darauf geben. Als Pena und sein Team bei ihren Untersuchungen feststellen, dass auch noch die Leiche der steinreichen Mayka Villaverde (Belén Rueda) verschleppt wurde, wird schnell klar, dass es sich hier um ein Verbrechen handeln muss. Doch wer klaut eine Leiche? Schnell verdächtig macht sich daraufhin der Witwer Álex (Hugo Silva), der auch tatsächlich der wahre Mörder ist und ein heimliches Verhältnis mit der jüngeren Carla (Aura Garrido) hat. Álex, der sich durch sein wasserdichtes Alibi sicher fühlt, verstrickt sich immer tiefer in Falschaussagen. Aber was ihm mehr Angst macht ist die Tatsache, dass ER nicht die Leiche gestohlen hat und sich fragt, ob Mayka vielleicht doch noch am Leben ist...
Obwohl ich die Inhaltsangabe recht großzügig geschrieben habe, probiere ich mal weitestgehend spoilerfrei zu schreiben, denn wenn man bei "The Body" beispielsweise das Genre genau definieren müsste, würde beim interessierten Zuschauer, der sich den Film in naher Zukunft noch anschauen will, der "SAW"-Effekt teilweise bis gänzlich verpuffen. Dass Álex der Mörder ist, der scheinbar den perfekten Mord begangen hat, ist eh nach kurzer Zeit schon geklärt ( wer den Trailer gesehen hat, weiß diese Tatsache auch) und es schmälert mit Sicherheit nicht den Genuss des Filmes, der sich dank des gewieften Inspektor Peña wie ein moderner, jedoch knallharter und düsterer "Columbo"-Film mit Gruselkomponente anfühlt.
Während Peter Falk mit Humor und einer Bärenruhe ins Schlachtfeld zog, verfügt Peña über eine relativ kurze Zündschnur, die nicht selten in aggressiven Verhalten endet. Zudem wird auf die amerikanische Political Correctness geschissen, denn Peña darf eine Zigarette nach der anderen quarzen. In Hollywood dürfen Helden seit "Stirb Langsam 3" nicht mehr rauchen, da unsere Kinder neben dem Smartphone ja noch vom Nikotin abhängig werden können.
"The Body" zieht seine Stärken aus zwei Komponenten. Zum einen ist es eben das Katz- und Mausspiel zweier stark aufspielender Kontrahenten, die sich nichts, aber auch rein gar nichts schenken. Zum anderen fragt man sich genauso wie Álex: Wo ist die Leiche von Mayka, bzw. ist sie überhaupt tot? Darüber hinaus kann man sich als Zuschauer nicht wirklich entscheiden, ob man jetzt lieber in die Mysteryschiene abdriftet und in Mayka so etwas wie einen Zombiegeistdingsbums sehen kann - oder Mayka doch eher eine sehr raffinierte, gehörnte Ehefrau ist, die ihren "Ex-Mann" einfach nur bluten lassen will. Diese Sache lässt Regisseur Oriol Paulo geschickt bis zum Finale offen, bis es dann für den Zuschauer eins voll auf die Fresse gibt.
Zugegeben, geniale Enden machen sehenswerte Filme aus und selten bekommt man so sehenswerte Mindfucks in den Allerwertesten gerammt, wobei in diesem Fall dennoch ein gewisser ranzliger Nachgeschmack entsteht, da zumindest bei mir ein Gefühl aufkam, dass dann der Zufall (in einer gewissen Sache) und das Timing (auch in einer einzigen Sache) einfach zu perfekt und aalglatt für dieses Szenario waren. Dennoch schmälert es den eigentlichen Film nicht im Geringsten, sondern verleiht ihm dadurch das Prädikat "Unbedingt anschauen", was schon mal locker für acht Punkte reichen würde.
Leider bleibt es aber auch bei diesen acht Punkten. Zum einen wird mir der Film zu viel mit Rückblenden gestreckt, die das Eheleben von Álex und Mayka beleuchten. Einige von ihnen ergeben nach dem Schlusstwist zwar Sinn, aber dennoch bei weitem nicht alle. Das unterbricht den Spannungsbogen und zwingt das hohe Tempo öfters in die Knie. Ich will schließlich auch nicht beim Ficken gestört werden.
Zum anderen ist "The Body" ein Film, der nach der Erstansicht zwar fantastisch wirkt und sich definitiv ins Gedächtnis einbrennt, aber genau das ist dann auch leider seine Schwäche. Wie schon anfangs erwähnt, kann man ihn dann definitiv in das Genre einordnen, bei dem man sich bei der ersten Sichtung bis zum Schluss nicht sicher ist, wohin der Film gehört. Und eben genau dieser Punkt macht einen großen Teil der schaurigen Atmosphäre aus.
8/10