Review

kurz angerissen*

Wenn das Netz am Ende zugezogen wird, belastet sich der spanische Thriller leider mit übermäßiger Konstruiertheit, die so manche Fragwürdigkeit in den Raum wirft. Dabei hätte der über weite Strecken packenden und atmosphärischen Inszenierung von Oriol Paulo etwas Schlichteres besser gestanden, denn „The Body“ besticht mit unwirklicher Echtzeit-Regen-Nacht-Atmosphäre, die nicht nur bodenständige Polizeiermittlung gewagt mit der Grundstimmung des dänischen Genreklassikers „Nightwatch“ vermischt, sondern weiterhin in Rückblenden die Vorgeschichte der vermeintlich Toten und des vermeintlich trauernden Witwers aufarbeitet, ohne dafür das gruselige Gefühl gegenwärtiger Bedrohung zu verlassen.

Ganz ohne also die Kriminalelemente für Phantastisches aufweichen zu müssen, erreicht Paulo hiermit beinah die Anspannung eines guten Geisterfilms. Leider erlaubt Hauptdarsteller Hugo Silva nur schwerlich eine Identifikation; als Resultat der Whodunit-Konstruktion bleibt er undurchsichtig, so dass man seine zunehmende Verwirrung ob der mysteriösen Ereignisse nicht mit Mitleid vergelten möchte, sondern bisweilen sogar als gerecht empfindet. Andererseits hilft die Distanz zu den Charakteren vielleicht dabei, die technischen Feinheiten des Films im Gesamten intensiver genießen zu können.

*weitere Informationen: siehe Profil

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