The Body(2012)
Spoiler inside...
1. Prologe
Als ich letztens, wie eigentlich jeden Morgen, den Frühstückstisch abräumte und anfing unsere vier kleinen Teller und unsere vier kleinen Tassen abzuwaschen, neigt mein Blick Richtung Küchenboden. Und plötzlich war der eisklate Schock da. Vor gefühlten zwei Minuten war der Boden noch blütenweiß und nun - einen Wimpernschlag unterm Spülmittel später - grinst mich ein pinker, nach Erdbeermilch riechender Fleck an...
2. Filmkiste
Nehmen wir mal vier Filme und zählen dann kurz und knapp deren unbestreitbare Gemeinskeiten auf. Ich nehme einfach mal Die üblichen Verdächtigen, Lucky # Slevin, Die Unfassbaren und The Body. Auf den ersten Blick recht unterschiedliche Vertreter des Thrillergenres, die aber alle die selbe Schablone nutzen, um ihren Kern zu vermitteln. Diese vier Filme haben eine perfide oder umwickelnde Idee und bauen dann eine Geschichte drumherum. In allen Beispielen gibt es ein, meist bis zum Finale geheimes Grundmotiv, einen von Anfang an verborgen Täter oder Rächer und ein mehr oder weniger verzwicktes Puzzel, daß jener Täter oder Rächer nun um die anderen Protagonisten spinnt und so lange an sicht- und unsichtbaren Fäden zieht, bis einfach alles möglich ist. Diese Filme nutzen dabei Rückblenden, Verschleierungen, Fantasie und spielen so lange die involvierten Seiten gegen-, mit- und untereinander aus, bis es zu einem Twist kommt, der dann ALLES entlarvt.
Das führt immer zu aufgesetzten Diskussionen. Einige User und Kritiker werden nie müde, alles bis ins kleinste Detail hinterfragen zu wollen, suchen nach Logiklücken und nach plausiblen Erklärungen. Wer so an dieses Genre geht, hat von vornherein verloren. Nicht jeder dieser Filme ist jetzt ein unumstößliches Meisterstück - gerade Die Unfassbaren mag ich nicht besonders - aber diese vier sehr bekannten Langspieler eint eine verfälschte Wahrnehmung.
Das sind KEINE plausiblen Thriller und KEINE logischen Krimis. Trommelwirbel...diese Filme sind nichts weiter als inszenierte LÜGEN.
Verständlich, dass nicht jeder gleich klatscht, wenn er knapp zwei Stunden von den Autoren belogen worden ist, um dann ins Licht geführt zu werden. Wenn ich eine Lüge höre oder manchmal bewusst lüge - so lässt es sich einfach angehmer und humorvoller arbeiten - dann beurteile ich die Raffinesse und Gerissenheit gerne. Ja, auch eine Lüge kann einen Heidenspass machen!
3. Der Körper
The Body ist lupenrein, gibt genug Hinweise, streut subtilen Grusel und fasziniert auch - und das ist für mich enorm wichtig - bei erneuter Sichtung. Die Suche nach der vermeintlich vermissten Leiche versammelt alle wichtigen Protagonistin in ein druchregnetes Kammerspiel und stellt sich wunderbar gegen den Zuschauer. Was The Body über seine drei Brüder im Geiste stellt - ja, auch über Keyser Soze - ist die Tatsache, dass egal von welcher Figur die Schwindelei kommen mag, ein eleganter Weg gewählt wurde. Auch wenn ich diesen Film wieder und wieder schaue, wäre mir die eigentliche Wendung nicht so wichtig, wie die brilliant auf- und abschaukelnden Charaktere. Die handvoll in Frage kommenden Täter oder Rächer sind so gut inszeniert, gut genug geschreiben, um nicht zu eindeutig zu werden und mit hingabe gespielt...eine meisterliche Mischung. Gäbe es die handvoll alternative Ende zu jeder Figur, wären sie sicher genau so spannend. Ein visuell ansprechend inszenierter Traum. Hitchcock wäre begeistert gewesen.
4. Epilog
Nun stand ich da. Der Erdbeermilchfleck - mit einem Radius von 5cm - begann an den Rändern bereits zu trocknen. Wir Erwachsenen trinken Kaffee, mein Sohn nur Milch und mein Töchterchen Erdbeermilch. Ich beugte mich mit schaumigen Händen nach unten, kniff die Augen zusammen, knüllte den roten Lappen und rief alle zu mir. Alles sauber, keiner hat sichtbare Spuren an sich hinterlassen. Mir war der Täter bekannt und ich war wirklich gespannt, was die Person zu der brisanten Situation sagen würde. Dieser dreijährige Knopf ging erhobenen Hauptes auf meine Aufforderung ein.
Ich sagte; "Ich weiß, dass du diese Milch vorhin noch in deinem Bäuchlein hattest, dann wie wild im Flur herum geturnt hast und dann ganz still und leise verschwandest." Meine Frau und Sohn Nummer 1 kicherten derweil im Flur. Ich betonte erneut; "Es ist mein voller ernst!"
Sie sagte voller Überzeugung; "Ich hüpfe wie Lyria und Onchao von Mia und Me, aber das mit der Milch war mein Bruder." Alle kicherten. Nur ich hielt inne, nahm genügend Küchenpapier, wischte den Fleck weg, nahm sie hoch und flüsterte nicht zu leise; "Wenn du weiter so überzeugend schwindelst, wirst du mal eine gute Autorin". Bis heute bin ich mir nicht sicher, wer diesen Fleck verursachte. Was für ein seltsames Erlebnis...8.5