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„Wenn ich die Augen schließe, bist du noch bei mir!“

Der Psycho-Thriller „The Body“ aus dem Jahre 2012 ist das Regie-Debüt des Spaniers Oriol Paulo, der 2010 bereits als Drehbuchautor des artverwandten „Julia’s Eyes“ in Erscheinung getreten war.

Der Nachtwächter des Leichenschauhauses hetzt panisch durch die Dunkelheit und wird von einem Auto überfahren. Der alarmierte Inspektor Jaime Peña (José Coronado, „Last Days – Tage der Panik“) stellt fest, dass die Leiche der vermögenden und einflussreichen Mayka Villaverde (Belén Rueda, „Das Waisenhaus“) aus dem Leichenschauhaus verschwunden ist, die kurz zuvor an einem Herbstinfarkt, ausgelöst durch ein Mordkomplott ihres wesentlich jüngeren Mannes Álex Ulloa (Hugo Silva, „Sex, Party und Lügen“), gestorben war, der eine jüngere Geliebte (Aura Garrido, „Ghost Club – Geister auf der Schule“) hat. Dies weiß Peña nicht, ist Álex gegenüber jedoch äußerst misstrauisch. Dieser wiederum wird seit dem Verschwinden der Leiche immer wieder mit Indizien, die auf seinen Mord hinweisen, konfrontiert. Gibt es einen Mitwisser, der ein perfides Spiel mit Álex treibt – oder lebt Mayka gar noch…?

Ein klischeeträchtiges Unwetter herrscht von Beginn an vor, das sich durch die gesamte in der Gegenwart spielende Handlung zieht und diese in eine düstere Atmosphäre und verzweifelte Stimmung taucht. Dies entspricht durchaus auch dem Gemüt des Inspektors, der ebenfalls seine Frau verloren und noch immer daran zu knabbern hat – was mit ein Grund für seinen rabiaten Umgang mit dem Verdächtigen Álex sein dürfte. Aufgebrochen wird die gegenwärtige Tristesse immer wieder durch Rückblenden, die den Zuschauer mit Informationen versorgen, die die Polizei nicht hat und Álex’ Erinnerungen visualisieren. Schon relativ früh zeigt Paulo, dass Álex der Mörder seiner Frau ist, macht daraus also kein allzu großes Geheimnis. Diese hatte einen sehr eigenwilligen Humor auf Kosten ihres Mannes, den sie kaum ernstzunehmen schien. Weitere Rückblenden zeigen, wie sie bisweilen aber doch Angst hatte, ihn zu verlieren, sie ihm auf seiner Arbeit nachstellte und ihn mit einem Motorrad überraschte. Dennoch entwickelt der Zuschauer zumindest dafür Verständnis, dass sich Álex in eine andere Frau verliebte.

In der Gegenwart verschwindet nun wie von Geisterhand Maykas Mobiltelefon, jemand jubelt Álex ein Giftfläschchen mit der Substanz, mittels derer er seine Frau umbrachte, unter, das schließlich von der Polizei gefunden wird und eine Einladung zum Unternehmerball inkl. Botschaft Maykas wird ihm zugeschoben. Ferner wird der Sicherheitscode des Überwachungsraums auf den seines Arbeitsplatzes geändert, ein anderes Handy bei einer anderen Leiche gefunden, während Maykas Telefon in einem Restaurant auftaucht. Álex, dem in einer wahren Ekelszene auf dem Klo volle Überwindung abverlangt wird, und dem Zuschauer werden so gleichsam Rätsel aufgegeben und immer neue Fragen aufgeworfen, derer Beantwortung man ungeduldig und fasziniert zugleich harrt. Während all dies immer stärker an Álex‘ Nerven zerrt, dessen vermeintlich perfekter Mord sich schließlich als Nullnummer entpuppt, bekommt man auch weitere Einblicke in das Seelenleben des Inspektors, ebenfalls in Form von Rückblenden.

Nachdem mit dem Privatdetektiv eine weitere entscheidende Rolle eingeführt wurde, überschlagen sich langsam aber sicher die Ereignisse, etwas abgebremst durch eine Rückblende, die nun Álex Kennenlernen mit seiner Freundin aufdröselt. Die wendungsreiche Handlung schlägt gleich mehrere Haken und hat den Überraschungseffekt immer wieder auf ihrer Seite, überzeugt zudem mit pointiertem Timing. Am Ende wird alles sauber aufgelöst, dennoch bleibt der Eindruck, dass „The Body“ schon arg krude konstruiert wurde. Den positiven Eindruck dieses noir’schen Psycho-Thriller schmälert das aber nur wenig und nachdem es hieß „Nichts, was heute Nacht passiert ist, ist Zufall gewesen!“, weiß man, dass auch im Jahre 2012 im spanischen Grusel- und Thriller-Kino noch längst nicht alles gesagt war. Schade, dass Oriol Paulo seitdem anscheinend nichts mehr hat von sich hören lassen... 7,5 von 10 Indizien erscheinen mir da locker gerichtlich verwertbar.

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