"Der unsichtbare Dritte"
wird vom Publikum bejubelt, doch weil die Kritiker den 60-jährigen mittlerweile
zum alten Eisen zählen, beschließt Alfred Hitchcock (Anthony Hopkins) mit
"Psycho" neue Wege zu gehen. Seine Ehefrau (Helen Mirren) ist wenig
begeistert, die Paramount und die Zensur-Behörde lehnen das Vorhaben ab...
Man kann kein Wort über den Film
verlieren ohne die herausragende Leistung von Anthony Hopkins ("Das
Schweigen der Lämmer" 1991, "Nixon" 1995, "The Rite - Das
Ritual" 2011) zu würdigen. Im Fatsuite mit ausgeprägtem Doppelkinn unter
dem echten ist Hopkins
fast nicht mehr zu erkennen, dazu sind Mimik und Gestik dem großen Regisseur
perfekt nachempfunden. Anthony Hopkins lebt Hitchcock, wie er vorm
verschlossenen Kinosaal die Schreie der Zuschauer während der Duschszene
dirigiert, zählt zu den Höhepunkten seines Schaffens. Nur für die Darstellung
seiner berüchtigten psychischen Abgründe sind Drehbuch und Regie
verantwortlich, wenn sie in visionären Bildern Hitch und den Serienkiller Ed
Bain zusammenbringen, der das Vorbild für Norman Bates war. Doch auch alle
anderen Darsteller können überzeugen: Scarlett Johansson ("Lost in
Translation" 2003) als toughes Blondchen Janet Leigh, der der Meister zum
Ende der Dreharbeiten einen makaberen Streich spielt und James D'Arcy
("Cloud Atlas" 2012) als unsicherer und verkrampfter Antony Perkins.
Vor allem aber Helen Mirren ("Die Queen" 2006, "Eine offene
Rechnung" 2010) als Hitchcocks Ehefrau, die zugleich seine Drehbuchautorin
und Cutterin war, ist Hopkins in Rolle und Darstellung ebenbürtig. Sacha
Gervasis zweiter Spielfilm nach "Anvil! Die Geschichte einer
Freundschaft" (2008) ist im klassischen Stil gehalten, Danny Elfmans Musik
tut ein übriges um dem Master of Suspense die Ehre zu erweisen. Auch wenn die
Dreharbeiten zu "Psycho" (1960) nicht im Mittelpunkt des Films stehen
für Hitchcock-Freunde ein Muss, für alle anderen sehenswert, wobei der Humor
auch in einer US-Produktion very british sein kann. (9/10)