Marion Crane steht unter der Dusche. Der Duschvorhang wird beiseite gezogen, eine Hand mit einem langen Messer rauscht herab, Schrei, ein weiteres Herabschnellen und wieder Schreie, bis die Frau erstochen am Boden der Duschkabine liegt.
Diese Mordszene dauert nur rund 45 Sekunden, doch mithilfe des legendären Scores von Bernhard Herrmann und der bahnbrechenden Schnittfolge zählt sie bis heute zu den legendärsten Mordszenen aller Zeiten in dem wahrscheinlich populärsten Werk eines genialen Filmschaffenden: Alfred Hitchcock.
Die Handlung umschreibt die Zeit einer Veränderung bei Hitchcock (Anthony Hopkins): Paramount wollte einen ähnlich bunten und amüsanten Streifen wie „Der Unsichtbare Dritte“, doch über Umwege gelangt Hitch an Blochs „Psycho“ welches wiederum vom Massenmörder Ed Gein inspiriert war. Paramount weigert sich bei der Finanzierung, also wird selbst finanziert und an vielen Dingen gespart, jedoch nicht an der Perfektion des Projektes, an dem Hitch verbissen arbeitet…
Einmal mehr zeigt Anthony Hopkins, dass er zu den absolut besten seiner Zunft gehört und imstande ist, sich komplett in eine Figur hineinzuversetzen, denn wer nicht nur Hitchcocks diverse Cameos im Hinterkopf hat, wird sogleich exakte Parallelen feststellen, was das Ziehen der Mundwinkel, Kopfhaltung, leicht schräger Rücken und die Position der Arme betrifft. Den Rest erledigt eine solide Maske mit den typischen Lefzen, Kontaktlinsen für größere Pupillen und ein entsprechend gefärbter Haarkranz.
Wer sich bereits ein wenig mit Hitchcocks Vita beschäftigt hat, wird hier zwar nicht viel Neues entdecken, doch die Art des Vortragens, mit viel Sinn für trocknen Humor und einigen nachdenklichen Momenten weiß durchaus zu unterhalten.
So werden Hitchs Bemühungen auf der Suche nach der üblichen Blondine ins Spiel gebracht, was zu kleinen Eifersüchteleien führt, der vermehrte Drang nach diversen Alkoholika ist bereits Ende der Fünfziger unübersehbar und es wird deutlich, dass Ehefrau Alma (Helen Mirren) unerlässlich für den Erfolg des Meisterregisseurs war.
Etwas merkwürdig und gleichermaßen unpassend wirken demgegenüber die geisterhaften Einschübe mit Ed Gain, der wie ein zweites Ich bei Hitch erscheint und ihn diverse Male gedanklich zu beeinflussen scheint, was für den Verlauf der Handlung jedoch irrelevant ist.
Leider sieht man relativ wenig vom Filmdreh und der Vorarbeit des Regisseurs, während Ehefrau Alma zwischenzeitlich etwas zuviel Screentime zugesprochen bekommt, - schließlich möchte der Filmfreund keine Beziehungskomödie sehen, sondern ein Bio-Pic mit Einblick in die Gedankenwelt eines zeitweilig recht ungehobelten Filmemachers, was die Erzählung jedoch weitgehend außen vor lässt und sich stattdessen auf die Ausstrahlung von Anthony Hopkins verlässt.
Das funktioniert insofern recht gut, als dass Hopkins natürlich grandios performt, jedoch auch hervorragende Unterstützung erhält: Helen Mirren ist als seine starke Ehefrau mit einigen Szenen sogar deutlich intensiver bei der Sache, Scarlett Johansson als Janet Leigh mit entsprechender Perücke gut getroffen und auch James D'Arcy kommt als Ebenbild eines Anthony Perkins super rüber. In Nebenrollen sind unter anderem noch Ralph Macchio, Toni Collette und Jessica Biel zu sehen.
Wer Hitchcock und seine Werke schätzt, muss den Streifen einfach sichten, denn er präsentiert einen ausbalancierten, wenn auch schwerpunktmäßig manchmal nicht treffsicheren Einblick in den nicht immer reibungslosen Alltag eines Genies. So hätte man etwas tiefer in die Abgründe eindringen können und besonders beim Dreh der Duschszene ein wenig länger verweilen dürfen, doch im Gesamtbild bekommt man einen durch und durch sauber inszenierten, im Kollektiv toll performten Streifen, mit einem von Danny Elfman genial unterstützenden Score zu sehen, der am Ende dazu animiert, sich „Psycho“ oder andere Meisterwerke unter bestimmten Gesichtspunkten erneut anzusehen, denn „manchmal kommt einem auch was Gutes zugeflogen“…
7,5 von 10