Schuster, bleib’ bei deinen Leisten. Mit dem zurecht relativ unbekannten Starvehikel „Tequila Sunrise“ unternahm Drehbuchautor Robert Towne („Days of Thunder“, „Mission: Impossible“) eine seiner seltenen Regiearbeiten - basierend auf seinem eigenen Drehbuch. Als Warner Brothers sich seinerzeit aus der Produktion zurück zog, weil sie mit der Aufteilung von Gut (Drogendealer) und Böse (Cops von L.A.) nicht einverstanden waren, musste zudem das Budget stark eingeschränkt werden. Vielleicht wurde der Film letztlich deswegen zu so einer langatmigen Angelegenheit.
Dabei besitzt „Tequila Sunrise“ Starpower, die Ende der Achtziger noch richtig angesagt war. Der junge Mel Gibson gibt zwischen den ersten beiden „Lethal Weapon“ – Teilen den ausstiegswilligen Drogendealer Dale McKussic, während Kurt Russell, der gerade mit „Big Trouble in Little China“ einen viel beachteten, aber leider mächtig gefloppten Fantasyfilm hinlegte und bei „Overboard“ seine Traumfrau fand, als Nicholas Frescia beim Drogendezernat sich erneut an die Fersen des scheinbar wieder aktiven Gangsters heftet. Die einst zusammen aufgewachsenen Jugendfreude buhlen zudem noch beide um die Restaurantbesitzerin Jo Ann Vallenari (Michelle Pfeiffer, „Wolf“, „Dangerous Minds“), was ihre ohnehin schwierige Beziehung noch verkompliziert.
Nun gelang hier Towne aber kein Actionfilm, kein Thriller, sondern bestenfalls ein mäßig unterhaltender Krimi. Die Gewissensbisse seitens Frescias erwartet man so und das er seinem Kollegen, dem DEA-Agent Hal Maguire (J. T. Walsh, „The Negotiator“, „Pleasantville“), McKussic nicht auf dem Präsentierteller serviert ist ebenfalls wenig überraschend. Genauso einfallslos hangelt sich „Tequila Sunrise“ dann von Motiv zu Motiv weiter.
Mit zunehmender Spieldauer wird McKussic immer sympathischer, weil er in Wirklichkeit ein netter Junge ist und nur seinen letzten Deal zum Abschluss bringen will. Er ist ein fürsorglicher Vater und kann eigentlich keiner Fliege etwas zu leide tun et cetera. Im Grunde folgt Towne nur ausgetretenen Genrepfaden, die durch einen erheiternden, weil aufbrausenden, singenden (!) Raul Julia („Frankenstein Unbound“, „The Addams Family“) als Drogenbaron Xavier Escalante, zumindest etwas aufgelockert werden.
Die Einfallslosigkeit und vor allem die fehlende Stringenz (mindestens 15 Minuten zu lang) strapazieren das Durchhaltevermögen ohne Vorspultaste doch arg. Überraschungs- und höhepunktfrei manövriert Towne dieses Katz- und Mausspiel zwischen Polizei und McKussic zu einem wenig spektakulären Showdown, bei dem sich Frescia sich schließlich vor eine Entscheidung gestellt sieht...
Fazit:
Uninteressanter, fader Krimibeitrag der späten Achtziger – ohne Drive, ohne Spannung und leider auch ohne gute Darstellerleistungen. Übrig bleibt ein konventioneller, einfallsloser Krimi, der nur bei den Fans von Mel Gibson und Kurt Russell Aufmerksamkeit verdient.