Mit Transporter – Die Serie präsentiert uns RTL in Zusammenarbeit mit HBO und dem französischem Sender M6 eine Fortsetzung der erfolgreichen Filmreihe aus der Feder von Luc Besson, die dem damals noch größtenteils unbekannten Jason Statham einen ordentlichen Karrierekick verpasste. Leider scheint das recht ansehnliche Budget in Höhe von 43 Millionen US-Dollar nicht ganz gereicht zu haben, um Jason Statham an Bord zu holen und so tritt mit dem Briten Chris Vance (Prison Break, Fairly Legal) ein neues Gesicht in die nicht gerade kleinen Fußstapfen des bisherigen Transporter-Darstellers.
Der sogenannte Transporter heißt eigentlich Frank Martin (Chris Vance) und ist nicht nur ein überaus talentierter Autofahrer, sondern verfügt als Ex-Elitesoldat auch über eine exzellente Nahkampfausbildung. Zum Glück seiner weiblichen Kundschaft ist Frank außerdem ein Frauentyp, wie er im Buche steht. Er ist gutaussehend, cool, wortgewandt und stets perfekt gekleidet. Sein schwarzer Anzug ist seine Berufsuniform und sein Geschäft ist es, Transporte jeglicher Art durchzuführen. Was ihn dabei so besonders und gefragt macht, ist sein Geschäftsprinzip, keine Fragen zum Transportgut zu stellen und absolute Diskretion in Bezug auf seine Auftraggeber zu wahren. So ist es dann natürlich kein Wunder, dass er in der Regel gefährdete Personen oder brisante Objekte wie z.B. streng geheime Computerchips oder Bomben transportiert. Und es versteht sich auch fast von selbst, dass dabei Gefahr und Action vorprogrammiert sind. Nicht selten wird er dabei auch zum Spielball seiner oftmals zwielichtigen Auftraggeber und gerät mit seinem strengen Berufskodex in Konflikt. Sein wichtigstes und auch einziges Arbeitsgerät ist ein Audi A8, der für Frank nicht nur Transportmittel, sondern vor allem auch ein Präzisionswerkzeug ist, mit dem er nicht nur französische Verkehrsregeln, sondern auch physikalische Gesetze außer Kraft setzt. Zum Glück ist Polizeiinspektor Tarconi (François Berléand) ihm überaus wohlgesonnen. Mit und für Frank arbeiten dann noch Dieter als sein Automechaniker und die hübsche Carla als seine Managerin.
Dies alles nur als Hintergrundinformation, denn die Serie knüpft an die Transporter-Filme an und hält sich daher nicht mit Einführungen auf. Im Gegenteil, es geht gleich zur Sache. Bereits in den ersten Szenen wird einem klar gemacht, wofür die Serie stehen soll: Schnelle Autos und jede Menge Action. Und das ist auch gut so, denn pro Folge stehen nur 45 Minuten zur Verfügung, um eine mehr oder weniger abgeschlossene Geschichte zu erzählen. Dies sind dann Aufträge, denen immer eine Idee oder ein Thema zu Grunde liegt. In einer Folge ist es z.B. ein Rennen zwischen mehreren Transportern, das von einem Kunden als Wettbewerb initiiert wird, um den besten Fahrer zu ermitteln. Oder es werden Themen wie Spionage, Terrorismus oder Organhandel behandelt. Auch gibt es Abwechslung bei den Schauplätzen. In einigen Folgen führen Franks Aufträge ihn sogar nach Amerika, zu Menschen, die er eigentlich längst vergessen wollte und es werden Einblicke in seine Vergangenheit als Soldat gewährt. Die gute Nachricht ist, dass diese Ideen und Themen als Gerüst bzw. Konzept für den Plot grundsätzlich funktionieren. Woran Transporter – Die Serie dann aber scheitert ist die sehr durchwachsene Umsetzung dieser Ideen in einen gleichermaßen spannenden wie nachvollziehbaren Handlungsverlauf. Es gibt leider zu viele Ungereimtheiten und Logiklöcher, was einige Geschichten konstruiert und unglaubwürdig erscheinen lässt.
Sehr auffällig sind die starken Schwankungen in der Qualität der einzelnen Folgen. Es gibt einige Highlights, z.B. Folge 2 (Vaterliebe), die sowohl in Sachen Action als auch in Bezug auf die Handlung gefallen können. Und dann gibt es wieder Folgen, die überhaupt keine Spannung aufkommen lassen, weil die Handlung entweder zu verworren oder schlicht zu albern ist. So geschehen in einer Bonusfolge, die gespickt war mit nationalistischen Klischees und peinlichen Vergleichen, wie z.B. zwischen deutschen Autos und Bomben. Unglaublich schlecht. Hinzu kommen noch Autostunts, die zwar technisch gesehen durchaus beachtlich sind, jedoch sehr häufig zu sehr nach Zirkusnummer aussehen und damit unfreiwillig komisch wirken. Perfektioniert wird dieses Erlebnis dann noch durch billige Computereffekte, die z.B. immer dann zum Einsatz kommen, wenn etwas in die Luft gesprengt wird oder ein teures Luxusgefährt einen (virtuellen) Blechschaden erleidet. Da es sich um eine von RTL mitproduzierte Serie handelt gibt es neben deutschen Luxuskarossen sponsored by Audi und Mercedes-Benz (leider sind es immer dieselben Modelle) tatsächlich auch deutsche Schauspieler zu bewundern. Diese dürfen sich immerhin als Gangster (Uwe Ochsenknecht in der Pilotfolge), böse Kunstsammler (Hannes Jaenicke in Folge 3) oder als Super-Nerd mit deutlicher Tendenz zum Looser (Harry Hübner) betätigen. In diesem Sinne: Danke RTL für euren patriotischen Einsatz!
Positiv überrascht haben mich hingegen die Kampfszenen, die zwar für meinen Geschmack zu viele Schnitte und Einstellungswechsel aufweisen, dafür jedoch zumindest choreographisch sehr ansprechend inszeniert wurden. Es ist also nicht alles schlecht an diesem neuen Transporter. Außerdem waren die drei bisherigen Kinofilme auch niemals von einem Oscar oder einem Golden Globe bedroht. Ich bin sogar der Meinung, dass die Serie durchaus Potenzial hat. Zum einen gibt es da vereinzelt überzeugende darstellerische Leistungen, denn Chris Vance macht seinen Job wirklich gut, insbesondere in den Kampfszenen, und auch Andrea Osvárt gibt als sexy Managerin und telefonische Dauerflirtpartnerin von Frank eine solide Vorstellung. Zum anderen erscheint mir das Konzept der Serie, also schnelle Autos und Action gepaart mit wechselnden Locations und attraktiven “Transporter-Girls” durchaus gut für noch mindestens eine zweite Staffel. Und die kann eigentlich nur besser werden.