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Als der irakische Diktator Saddam Hussein Ende 2003 festgenommen wurde, bedeutete dies noch längst nicht das Ende der Besetzung durch das US-Militär und ihre Verbündeten. Zahlreiche Kriegsverbrechen auf beiden Seiten waren die Folge, wie der spanische Thriller anhand eines fiktiven Beispiels zu veranschaulichen versucht.

Irak, Februar 2004: Amerikanische und spanische Einheiten befinden sich unter feindlichen Beschuss und nur zwei spanische Soldaten überleben schwer verletzt: Pablo (Alberto Ammann) und Diego (Antonio de la Torre). Pablo leidet unter partieller Amnesie und kann die Erinnerungen an das Geschehene nur bruchstückhaft abrufen, doch es scheint eine Verschwörung im Gange zu sein, die bis in höchste Regierungskreise reicht…

Hauptfigur Pablo ist rasch als Sympathieträger etabliert: Als Arzt im Einsatz versucht er verwundeten Zivilisten zu helfen und setzt sich dabei auch mal über Anordnungen hinweg und lässt sich daheim von vornherein nicht von einem dubiosen Mantelträger abspeisen, der auf eine Unterschrift in Sachen Verschwiegenheitspflicht pocht. Via Flashbacks erfährt man nach und nach die ganze Wahrheit über das, was sich in einem Dorf abgespielt hat und stellt sich unweigerlich die Frage, ob man das Leben der eigenen Familie zum Wohl der Wahrheit wirklich aufs Spiel setzen würde.

Leider schöpft die Geschichte das Potential nicht in seiner Gänze aus, da Regisseur Daniel Calparsoro auf verschiedenen Ebenen zu punkten versucht. Das innere Drama der Hauptfigur wird zwar von Ammann sehr überzeugend transportiert, doch seine inneren Konflikte werden stets von einigen völlig irrelevanten Nebenhandlungssträngen überschattet, wie einem Soldaten, der unbedingt wieder ins Einsatzgebiet zurück möchte. Im letzten Drittel wird urplötzlich ein wenig Action in Form einer Verfolgungsjagd und einem Fight am Strand aufgefahren, was zwar alles recht schnittig montiert ist, jedoch nicht zum eigentlich ruhigen Ton der Erzählung passen will.

Der Showdown gerät hingegen recht konventionell und hollywoodesk, - mit zahlreichen Unwahrscheinlichkeiten und logischen Brüchen inklusive. Besonders das Verhalten von Pablos Widersachern macht oft wenig Sinn, zumal die Wahl der Methoden fast grundlegend fragwürdig erscheint. Dennoch ist das Ende in der Hinsicht gelungen, als dass den Ereignissen im Irak Sanktionen folgen und erneut untermauert wird, wie sinnlos einige militärische Eingriffe im Endeffekt sind.

So erfährt der Titel letztlich seine berechtigte Doppeldeutigkeit, auch wenn die Grundlage der Flashbacks nicht immer den gewünschten Effekt erzielt.
Handwerklich ist an dem Werk nichts auszusetzen, darstellerisch schon gar nicht, nur dürfte es der Streifen schwer haben, eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen, da er für ein Kriegsdrama zu wenig in die Tiefe geht und für einen Thriller gerade mal Spannung auf latenter Sparflamme serviert. Unterhält einigermaßen, fühlt sich jedoch wie eine leicht verpasste Chance an.
5,5 von 10

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