Ende der 60er Jahre: Inmitten der politischen und gesellschaftlichen Turbulenzen zwischen Revolte und Reaktion streitet der Journalist und Filmemacher Oswalt Kolle mit viel Engagement und bisweilen missionarischem Eifer für seine Ideen einer liberalen Sexualaufklärung. Aber Kolle muss sich gegen heftige Widerstände wehren: Die Freiwillige Selbstkontrolle der deutschen Filmwirtschaft (FSK) will seinen neuesten Film “Das Wunder der Liebe” auf den Index setzen. Kolle muss in einem harten und bisweilen unfreiwillig komischen Kampf durch drei Instanzen gehen, bis er mit Hilfe seines agilen Produzenten Lenz Schäfer und dem findigen Rechtsanwalt Dr. Fritz Ascher die vollständige Freigabe des Films erstreitet.
Oswald Kolle war seinerzeit ja eine durchaus ebenso schillernde wie streitbare Figur, der sich mit Büchern und Filmen der sexuellen Aufklärung verschrieb, davon Millionen Menschen erreichte, aber ebenso unangenehme Aufmerksamkeit konservativer Staatsanwälte oder linksorientierter Zeitschriften erregte. Insofern ein guter Stoff für ein Biopic, das sich dann auch wirklich en Detail an den tatsächlichen Ereignissen rund um die Veröffentlichung des Filmes Wunder der Liebe und auch am Privatleben hält.
Wer dabei heftig Kritik an der FSK übt, die damals noch ein stocksturerer Haufen war als heute noch, hat meine persönliche Freundschaft schon gewonnen. Amüsant sind die Szenen in denen quasi jede Millisekunde des Film zerpflückt wird und man förmlich den Muff unter den Talaren der älteren Herren Moralprediger spürt und Kolle nebst Produzenten in den Wahnsinn treiben.
Weniger spannend ist da dann das Privatleben geschildert. Die offene Ehe, das Bekenntnis zur Bisexualität und die wilde Affäre mit einer Reporterin, die ihn ja eigentlich in die Pfanne hauen wollte, ist jetzt eher Standardware, die schon zigfach in anderen Fernsehfilmen verköstigt wurden. Ungewöhnlich dabei auch die strikte Zurückhaltung bei den Bildern. Außer gegen Ende geht es in dieser gespielten Doku doch sehr jugendfrei zu, was man bei seinem Protagonisten so gar nicht erwartet.
Ist aber wirklich interessant zu sehen, wie sehr man gegen welche Moralschranken vor nicht einmal 50 Jahren noch kämpfen mußte. Das reicht von geworfenen Eiern bis hin zur Verfolgung durch die Justiz inklusive Hausdurchsuchungen und allem pipapo. Möchte wissen was da los gewesen wäre, wenn es schon die DSF Nachtschleife gegeben hätte.
7/10