"Du kommst mit freundlichen Worten und einer Waffe weiter als nur mit freundlichen Worten."
Erfolge in der Karriere, sowohl an den Kinokassen als auch Zuspruch bei den Kritikern hatte Brian De Palma schon zuvor, er hatte noch keinen Sommerblockbuster im 'Gürtel', das ist erst 1987 mit (auch gefühlvollen) Die Unbestechlichen, einer Kinofassung der entsprechenden Serie gelaufen und hat gleich mehrere vereint: Zum einen wurde anschließend nicht nur das Gangstergenre mit allerlei Nachahmern und Nachfolgern reanimiert, und die Karriere von Kevin Costner (welcher hier schon absoluten Starstatus beweist) hatte den endgültigen Kickstart, auch wurde erstmals eine Zusammenarbeit mit Sean Connery (und dessen Academy-Award Gewinn geschaffen); Connery soll sich für die Rolle des Psychologen in Dressed to Kill, 1980, interessiert haben. Und es standen anschließend endgültig die Türen auf in Hollywood für De Palma, der die Chance auf seine Art und Weise auch nutzte (und versemmelte, mit solch interessanten Projekten wie Die Verdammten des Krieges, 1989 und Fegefeuer der Eitelkeiten, 1990, aber, die alles waren, nur nicht das, was die Studios unter das Volk bringen konnten). De Palma hier auf der Höhe seines Schaffens auch, kreierte er doch Einzelszenen, die sich unwiederbringlich eingebrannt haben in das Gedächtnis der Zuschauer, nicht bloß die furiose Bahnhofsschießerei, sondern dies gleich locker im ganzen Dutzend, wenn nicht gar mehr:
Im Jahr 1930, während der Prohibition, liefert der berüchtigte Gangsterboss Al Capone [ Robert De Niro ] illegalen Alkohol und kontrolliert fast ganz Chicago. Der Agent des Bureau of Prohibition, Eliot Ness [ Kevin Costner ], wurde beauftragt, Capones Aktivitäten zu stoppen, allerdings scheitert gleich sein erster Versuch einer Alkoholrazzia durch allgemeine Korruption der Polizisten. Der altgedienter irisch-amerikanischen Polizist James Malone [ Sean Connery ] bietet ihm seine Hilfe und mehrere Ratschläge ran, darunter die Zusammenstellung eines Team 'außerhalb' der Polizei. Sie rekrutieren den italienisch-amerikanischen Auszubildenden George Stone, Geburtsname Giuseppe Petri [ Andy Garcia ] wegen seiner überlegenen Treffsicherheit und Integrität und den Buchhalter Oscar Wallace [ Charles Martin Smith ], der über einen anderen, unüblichen Weg an Capone herankommen will. Ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung.
De Palma hat die Werke für Paramount Pictures gemacht, hier zum 75. Gründungsjahr, sich empor gearbeitet bei kleineren Studios, hier einen modernen Klassiker, der Status fast schon beim Erscheinen geschaffen, ein Epos in der Tiefe und der Breite, bereits im Vorspann fühlend, Morricone an seiner Seite. Eine Edelproduktion, visuell im Hochglanz, mit neuen und bald vertrauten Mitstreitern, hier noch zusätzlich durch einmalige Begleiter wie Mamet und von Brandenstein ergänzt. Ein Hochgenuss, akustisch und optisch von Beginn, ein Fall für die Rückspultaste, für die Wiederholung, die Wiedersichtung, des ganzen vollständigen Erfassens. Mit technischen Spielereien wird auch hier gewerkelt, mit inszenatorischen Kabinettstücken, die Eröffnung vom "wahren Bürgermeister von Chicago" in der Vogelperspektive, die Kamera sich senkend, den Raum erfassend, Capone im Fokus, die Einleitung, "kein gutes Geschäftsgebaren". Die Szenerie präzise in der Zeichnung, die Bedrohung in der Friedlichkeit, die eigentlichen Geschehen im Hintergrund, eine riesige Explosion zerreißt ein Geschäft, die halbe Straßenecke. Gegenüberstellungen werden hier geboten, Gut und Böse, Neuling und Routinier, Familie gegen Imperium, ein wenig seichter Kitsch auch, umschmeichelt von sanften Melodien; die Bombe und die Detonation noch in Erinnerung, aus drei Perspektiven, mit Wucht aufgenommen.
Eine Vorstellung wird hier geboten, ein neuer Mann präsentiert, die Kamera bleibt bei ihm dran, er führt die Geschichte, er ist der strahlende Ritter, auf Kampf eingestellt, er macht nur erste Fehler. Costner nach No Way Out - Es gibt kein Zurück (1987) hier in einer anderen Position, als Führungskraft, dort mit Zielen und Vorhaben, das hat er hier auch. Manche Dinge zeigt De Palma nur aus der Entfernung, aus der Sicht der Sehenden, unklar, unscharf, im Düsteren gehalten, ein dichter gehen, ein Fokussieren, manchmal (wie gewohnt) aus der ersten Perspektive. Eine Geheimaktion ist geplant, die Informationen stimmen nicht, man rückt mit Großaufgebot an, mit viel Verstärkung, mit Kavallerie, mit zu viel Mitwissern, mit Lücken im Wissen. Vorhaben und Niederlagen, eine Karriere geplant, etwas Gutes zu tun das Ideal, der "Kreuzritterpolizist" wird er genannt, die erste Schmach und Schande, kein Aufgeben, ein anderes Vorgehen.
Eine Zufälligkeit bringt ihn mit anderen Leuten zusammen, mit einem Profi, eine Gratislektion in Polizeiarbeit, "Man Sorge dafür, dass man nach Dienstende lebend nach Hause kommt.", "Ende der ersten Lektion", er werden noch werden geboten, man fängt gerade erst an. Die Verhältnisse werden hier dargestellt, nicht so verzwickt wie in anderen Werken des Regisseurs, das Publikum nicht überfordert, auch nicht unterfordert, einfach die Aufmerksamkeit auf das Wichtigste, die Widersprüchlichkeit der Verhältnisse gelenkt. Mamets Drehbuch hilft ihm natürlich, De Palma kann auch schreiben, seine Ideen zu Papier bringen, er hat aber nichts gegen Hilfe, er nutzt später David Koepp bspw., auch die Director of Photography bekommen oft nur knappe Anweisungen und dann die eigene Kreativität zur Verfügung, die Erlaubnis für das eigene Zeigen des Gelernten und der Talente gestellt. Ein Polizeifilm hier, ein Gangsterfilm, ein Moderner Noir, ein Actionthriller, ein Neo-Western, in kräftigen braunen Tönen, in warmen Farben, die Darsteller im Umfeld aufgenommen, sie leben darin, sie gehen darin auf, sie haben sich in der 'Vergangenheit', für sie ist es die Gegenwart arrangiert. Die Handlung ist gleichzeitig geradlinig als auch mit einigen Abkürzungen und Umwegen, manchmal braucht man Ausweichorte, "Diese Wände haben Ohren.", Split Diopter in der zweiten Lektion, dazwischen verschiedene Geschwindigkeiten, verlängern der reellen Zeit, ein Shootout in Slowmotion getätigt.
Eine spezielle Ära wird hier erschaffen, aufgebaut aus dem Nichts, alle Kräfte an einem Strang, alle Fähigkeiten am Werke, der Regisseur hält sein Team eng und zusammen, die Dekoration blendend, selbst die Rekrutierung ist hier interessant, ein "Riesen-Affenzirkus", in wenigen Minuten und teilweise auch mit leichtem Humor abgehandelt. Aus engen Räumen geht es hinaus auf die Straße, Connery übernimmt die Richtung, er gibt die Anweisungen, eine schnelle Kooperation, Schutzpatron der Polizisten. Details werden geboten, Luxus und Massen pur, Prunk und Protz, große Ansprachen und kleine Gesten, kleine Reden und große Taten, viele einzelne Auftritte, zwischendurch Blut auf dem Tisch, auf der weißen Decke, auslaufend aus einem zusammengeschlagenen Kopf, die erste wirkliche Brutalität, mit einem Baseballschläger ausgeführt. Es geht schnell auf Ernst und Bedrohung, es wird mit Korruption probiert, dann mit Drohung, mit Vorwarnung, mit Andeutungen und Ausführungen, die Stadt wird nicht sicherer, es wird evakuiert, die Familie beiseite geschafft, man will keine Ehemänner in der Einheit.
Einmal geht es aus Chicago heraus, die Szene wirkt wie aus einem anderen Film, an der kanadischen Grenze, diesmal nicht im Automobile, sondern hoch zu Ross, ein Ausflug wie in ein anderes Genre, mit einer Schwadron auf Pferden angegriffen; ein Westernszenario geschaffen, ein totes Genre (nur Eastwood hat zu der Zeit noch ein oder zweite Werke aus der Gattung gemacht) noch einmal reanimiert. Auf Observation wird gegangen, die Prämisse nebenbei immer wieder angesprochen, die Idee mit der Steuerhinterziehung, das Gespräch darauf fällt immer wieder, meist wird es weggewischt, in die Beobachtung und den offenen Kampf gegangen, "Ihr müsst den Mann umlegen.", "Schießen um zu töten.", selbst ein Standoff in einer Blockhütte installiert. Der Tod hier mal als Spektakel, mal als etwas, dass an den Nerven zerrt und an die Nieren geht; eine Gegenüberstellung zwischen den Polizisten, den "Schatzamtbullen", und den Gangstern, eine Diskrepanz, eine Aktion und eine Reaktion, bald eine Spirale der waffenaffinen Gewalt, die sich immer weiter dreht, die über das Ziel hinausschießt, die moralische Grenzen beiseite schiebt, später auch ein Vigilantismus, eine Affekthandlung, aber provoziert. Eine ruhige, gleichzeitig beschwingte Kamera, es wird sich bekreuzigt, Gewalttaten mal ausgespart, das Ergebnis dessen präsentiert, Opfer gemacht, aus der Unberechenbarkeit heraus, eine erste direkte Konfrontation, die Gemüter sind erregt.
Vom Quartett der Kämpfer für Recht und Ordnung wird nur das Heim von Connery und Costner, dem "Staatsspitzel" gezeigt, ersteres ist meist das private Hauptquartier, Smith und Garcia sind anwesend und eine Stütze, sie sind Verlässlichkeit pur, deren Umfeld wird aber nicht in Augenschein genommen, ihre privaten Verhältnisse ausgelassen, sie sind die linke und die rechte Flanke, wie auf dem eigens am runden Tisch gemachten Foto. Auf den Mittelpunkt wird sich konzentriert, fokussiert, Alles oder Nichts, man bleibt meistens unter sich. Alles Andere bedeutet Tod und Verderben, oft genug erlebt hier, zu Opern dargeboten, zu Sentimentalität erhoben, Alleingänge schaden nur, die Kette besteht aus Gliedern, aus Freundschaften, nicht bloß Mitstreitern. In gewisser Weise ist der Film auch das Gegenstück zu Scarface (1983), der voll frontal geht, und Carlito's Way (1993), der eher zurückblickt, sich privat und einsam verhält, einen Ausstieg plant und in die Belange wieder hineingezogen wird, die beiden von einer anderen Warte auch aus blickend, dem Gegenüber, der hier nur eine Gastrolle, das Mittel zum Zweck, der Zweck heiligt alle Mittel spielt.